Duisburgs „Schwarzer Riese“ - Hochofen Schwelgern 1 produziert seit 40 Jahren

Ausblick vom Alsumer Bergauf den Kuehlturm der Kokerei Schwelgern.
Ausblick vom Alsumer Bergauf den Kuehlturm der Kokerei Schwelgern.
Foto: dapd
Vor 40 Jahren hat der Stahlkonzern Thyssen den Hochofen Schwelgern 1 in Betrieb genommen. Damals galt er als der größte Hochofen der westlichen Welt. Heute ist er ein Überlebender einer Zeit. Noch immer prägt der Schwarze Riese die Silhouette von Marxloh.

Duisburg.. Jubiläum im Ruhrgebiet: Duisburgs „Schwarzer Riese“ wird am Mittwoch 40. Mit einer Höhe von 110 Metern prägt der Hochofen Schwelgern 1 seit seiner Inbetriebnahme am 13. Februar 1973 die Silhouette von Marxloh. Damals galt er als der größte Hochofen der westlichen Welt. Heute ist er ein Überlebender einer Zeit, als die Welt für die Stahlkocher noch in Ordnung schien.

Für den Stahlkonzern Thyssen war der Bau des Hochofens ein Sprung in eine neue Dimension. Auf 17,5 Hektar Land - der Fläche von fast 25 Fußballfeldern - wurden beim Bau der Anlage 70.000 Kubikmeter Beton und 38.000 Tonnen Stahl verbaut.

Bis zum 40. Geburtstag 115 Millionen Tonnen Roheisen produziert

Seit der Inbetriebnahme verarbeitet der Hochofen Tag für Tag rund 20 Güterzuge á 20 Waggons mit Erz, Sinter, Koks und Kohle und produzierte so bis heute über 115 Millionen Tonnen Roheisen.

Dass bei der Konstruktion Neuland betreten wurde, merkten allerdings auch die Anwohner. Nach dem Anblasen häuften sich die Bürgerproteste. „Rettet Marxloh“ oder „Wehrt Euch, bevor wir im Lärm, Schmutz und Gestank ersticken“, hieß es damals auf Plakaten an den Hauswänden.

Eine Anwohnerin klagte damals im Fernsehen über den „Schwarzen Riesen“: „Seitdem der im Gange ist, kann man es hier nicht mehr aushalten. An jedem Abend den Krach, den Dreck. Man muss ewig bloß putzen und fegen.“

Die Ingenieure hatten offenbar die Emissionen der Anlage unterschätzt. Kurze Zeit drohte dem Hochofen deshalb sogar die Stilllegung durch die Gewerbeaufsicht. Doch konnte Thyssen die Probleme mit Nachbesserungen doch noch aus der Welt schaffen.

Erst vor fünf Jahren wurde der Hochofen modernisiert

Der Grund für den Bau des Hochofens war der Stahlboom Ende der 60er Jahre. Im Jahr nach der Inbetriebnahme stieg die Rohstahlproduktion in der Bundesrepublik auf den seitdem nie wieder erreichten Rekord von 53 Millionen Tonnen.

Doch die Hoffnungen auf goldene Zeiten für die Branche platzten wenige Jahre später in der Stahlkrise der 70er Jahre. Die zunehmende internationale Konkurrenz besonders auf dem Gebiet des Massenstahls wurde zum Auslöser für einen dramatischen Konzentrationsprozess in der deutschen Stahlindustrie.

Seit der Inbetriebnahme von Schwelgern 1 sank die Zahl der Beschäftigten in der Stahlindustrie von knapp 350.000 auf 91.000. Zahlreiche Stahlwerke wie die Phönix-Hütte von Hoesch in Dortmund, die Henrichshütte von Thyssen in Hattingen oder das Krupp-Hüttenwerk in Rheinhausen wurden geschlossen. Die einst rivalisierenden Stahlriesen Thyssen, Krupp und Hoesch sind nach schwierigen Übernahmekämpfen längst unter dem Dach von ThyssenKrupp vereint.

Hochofen Schwelgern 1 wurde 2008 modernisiert

Der „Schwarze Riese“ von Duisburg hat die Stürme der vergangenen Jahrzehnte jedoch unbeschadet überstanden. Erst 2008 wurde er gründlich modernisiert. Die Renovierungsarbeiten kosteten rund 150 Millionen Euro. Der Neubau hatte 1973 nur 25 Millionen Euro mehr gekostet.

Und ein Ende seiner Geschichte ist nicht in Sicht. Auch das in der vergangenen Woche angekündigte Sparprogramm, dem in der ThyssenKrupp-Stahlsparte über 2.000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen, lässt den „Schwarzen Riesen“ unangetastet. (dapd)

 
 

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