Duisburgs "Ostereier" - die Faultürme der Emscher-Kläranlage

Willi Mohrs
Die gigantischen Faulbehälter der Kläranlage Emschermündung aus dem Flieger gesehen.
Die gigantischen Faulbehälter der Kläranlage Emschermündung aus dem Flieger gesehen.
Foto: Hans Blossey
Die drei Faulbehälter-Giganten der Kläranlage Emschermündung dienen der Gewinnung von Energie. Die Anlage am Drei-Städte-Dreieck misst 75 Hektar.

Duisburg. Was immer an Oster-Wochenenden in Haus oder Garten gefunden wurde – die dicksten Eier finden sich im hohen Norden der Stadt. Vielleicht sogar die weltgrößten. Zumindest bei der Inbetriebnahme im Jahr 1998 rühmte sich die Emschergenossenschaft, an der Kläranlage Emschermündung im Dreistädte-Dreieck von Duisburg, Oberhausen und Dinslaken die größten Faulbehälter rund um den Globus zu haben.

„Unsere sind die größten“, sagt Michael Steinbach, Sprecher der Genossenschaft, beschränkt die Aussage aber vorsichtig auf Deutschland. 42 Meter hoch ist jeder der Ei-Drillinge und misst an der dicksten Stelle 30 Meter Durchmesser. Die Bottroper Faul-Anlage der Emschergenossenschaft sei zwar insgesamt größer, weise aber vier Großbehälter auf, die jeder für sich nicht an die Duisburger Größe von 17.000 Kubikmetern herankommen.

Das wäre also geklärt. Bleibt die Frage nach Zweck der Rieseneier. Auch da kann Steinbach helfen: In der Kläranlage fällt in großen Mengen Klärschlamm an, der in den „Eiern“ drei Wochen unter Luftabschluss „ausfault“ und dabei wertvolles Gas freisetzt. Dieses wiederum wird im Blockheizkraftwerk der Kläranlage zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Und die „ausgefaulten“ Schlämme werden über eine Pipeline zu einer zentralen Behandlungsanlage in Bottrop gepumpt, wo sie zu Brennstoff verarbeitet werden.

Klärwerk wurde 1976 fertiggestellt

Nicht nur wegen der pfiffigen energetischen Nutzung von Stoffen, über die sonst eher die Nase gerümpft wird, hat es das Klärwerk zur Aufnahme in die Route der Industriekultur gebracht. Eher schon wegen der Vorgeschichte.

Denn bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts beförderte die Emscher die Hinterlassenschaften von Schmutzfracht von 2,4 Millionen Menschen und zahlreicher Industriebetriebe weitgehend ungeklärt in den Rhein. Bis sich der Gedanke durchsetzte, dass nicht nur der Himmel über der Ruhr wieder blau sein könnte, sondern auch das eine oder andere Gewässer.

1976 wurde das Klärwerk im Duisburger Norden fertiggestellt, und einen Superlativ gab es schon vorm Bau der dicken „Eier“: Mit einer Gesamtfläche von 75 Hektar war es das größte Klärwerk Europas.

Anlage Emschermündung ist nicht die einzige in Duisburg

Mindestens 10.000 Liter Wasser werden dort pro Sekunde gereinigt, bei Hochwasser bis zu dreimal so viel. Nur bei extremem Hochwasser muss die Emscher wie einst ungereinigt Richtung Rhein fließen – aber dann immerhin mit stark verdünnter Schmutzfracht. Die Reinigungsverfahren wurden seit Inbetriebnahme immer wieder verbessert, die Reinigungsmöglichkeiten auf immer weitere Stoffe ausgedehnt.

Die Anlage Emschermündung ist trotz ihrer Größe nicht die einzige in Duisburg, denn die „Stadt Montan“ hat längst mehr Klärwerke als Stahl- oder Hüttenwerke. Sieben sind’s rechts und links des Rheins, die Anlagen der Industrie noch gar nicht mitgerechnet. Der Ruhrverband reinigt Abwässer in Kaßlerfeld, die städtischen Wirtschaftsbetriebe in Hochfeld, Huckingen und Vierlinden und die Lineg (Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft) in Rheinhausen und an der Stadtgrenze zu Moers.