Duisburgs Ordnungsdezernent entgeht wohl Loveparade-Anklage

Nicht Sauerland (v.r.), nicht Schaller, nicht die Polizei und auch nicht Sicherheitsdezernent Rabe: Die Anklage soll sich offenbar nur auf Mitarbeiter von Lopavent und des städtischen Bauordnungsamts konzentrieren.
Nicht Sauerland (v.r.), nicht Schaller, nicht die Polizei und auch nicht Sicherheitsdezernent Rabe: Die Anklage soll sich offenbar nur auf Mitarbeiter von Lopavent und des städtischen Bauordnungsamts konzentrieren.
Foto: WAZ FotoPool
Der Spiegel will erfahren haben, dass die Staatsanwaltschaft nur zehn Beschuldigte im Verfahren um die Loveparade-Tragödie anklagt. Duisburgs Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe soll nicht darunter sein. Die Betroffenen-Initiativen stellen auch eine einwandfreie Ermittlungsarbeit in Frage.

Duisburg. Noch ist er im Amt, noch kann er in seiner aktuellen Funktion in diesem Frühjahr wiedergewählt werden. Denn wie es aktuell aussieht, wird er nicht auf der Anklagebank sitzen, wenn der Loveparade-Prozess beginnt: Die Rede ist von Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe. „Wir können jetzt nur noch hoffen, dass er durch die Aussagen der Angeklagten im Gerichtsverfahren doch noch zur Rechenschaft gezogen wird“, sagt Dirk Schales von der Betroffenen-Initiative.

Mehr als 30 Anrufe von Betroffenen erreichten Schales nach der Veröffentlichung eines Artikels im „Spiegel“. Demnach will die Staatsanwaltschaft im Februar Anklage gegen zehn Beschuldigte erheben. Neben vier Lopavent-Mitarbeitern soll es sich um sechs Mitarbeiter der städtischen Baubehörde handeln, an der Spitze Ex-Dezernent Jürgen Dressler und Amtsleiterin Anja Geer.

Betroffene verständnislos - ein Freifahrtschein für Veranstalter

Angehörige, Hinterbliebene und Betroffene sind schockiert. Sie stellen auch aufgrund der Gerüchte über Konflikte zwischen der Staatsanwaltschaft Duisburg und der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf eine einwandfreie Ermittlungsarbeit in Frage. Und natürlich macht sich Verständnislosigkeit breit: „Wenn man die Großen laufen lässt und nur die kleinen zur Verantwortung zieht“, sagt Dirk Schales, „setzt man damit ein Zeichen. Das ist dann ein Freifahrtschein für andere Veranstalter und genehmigende Behörden.

LoveparadeAllerdings ist so fraglich, ob die Sicherheit bei zukünftigen Großveranstaltungen in unserem Land noch gewährleistet werden kann. Das ist traurig.“ Hinzu käme der Schock darüber, dass Rabe, sofern er nicht angeklagt wird, im Frühjahr theoretisch in sein Amt als Ordnungsdezernent wiedergewählt werden könnte. „Daran glaube ich zwar nicht“, meint Dirk Schales. „Aber sollte er wirklich wiedergewählt werden, ist das sehr beschämend für die Stadt Duisburg.“

Auch Lothar Evers vom Verein Loveparade Selbsthilfe hält eine Wiederwahl Rabes für „extrem unwahrscheinlich“. Dass dieser allerdings nicht auf der Anklagebank sitzen soll, verwundert ihn weniger. „Es ist ein ungeheuer komplexes Geschehen, mit dem sich die Ermittler befassen. Das endet oft mit Freisprüchen, weil es sehr schwierig ist, einer einzelnen Person die Verantwortung für den Tod eines der Opfer der Loveparade zu zuschreiben“, sagt Evers.

Politischer Druck sei kein Straftatbestand

Rabe sei zwar sicher im Auftrag von Ex-OB Sauerland für die Gesamtkoordination verantwortlich gewesen und habe sicher auch Druck auf die genehmigenden Behörden ausgeübt, „aber politisch Druck zu machen, ist kein Straftatbestand“, sagt Evers. „So funktioniert Politik.“

Dass der Prozess nachher sowieso eine „Riesenenttäuschung“ für die Angehörigen und Betroffenen sein wird, daran hat er keine Zweifel. „Die Mitarbeiter, die angeklagt werden sollen, sind schließlich alle nicht vorbestraft. Und so lange ihre Verteidigung von der Stadt Duisburg finanziert wird, wird sich das Verfahren sowieso über zwei bis drei Instanzen ziehen und sicher sieben oder acht Jahre dauern“, glaubt Evers.

Er stelle sich viel eher die Frage, was man aus den immensen Geldbeträgen hätte für die Angehörigen und Betroffenen, für neue Strukturen in der Stadt und auch für das eigene Image tun können. Geld, das nun für die Verteidigung der Mitarbeiter draufgehe, „die in jedem Unternehmen vor die Türe gesetzt worden wären und selbst für ihre Anwälte hätten aufkommen müssen.“

 
 

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