Duisburg

Duisburgs OB Sauerland will trotz CDU-Wahlboykott abstimmen gehen

Stefan Endell
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sprach beim Neujahrsempfang der Stadt Duisburg über das Abwahlverfahren, die Loveparade-Katastrophe und den Image-Verlust seiner Stadt.
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sprach beim Neujahrsempfang der Stadt Duisburg über das Abwahlverfahren, die Loveparade-Katastrophe und den Image-Verlust seiner Stadt.
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Duisburgs OB Adolf Sauerland will an der Bürgerabstimmung am 12. Februar, bei der es um sein Verbleiben oder vorzeitiges Entfernen aus dem Amt des OB geht, mitabstimmen. Grund: Er will seinen Sohn (16) zur Stimmabgabe begleiten. Damit widersetzt er sich dem Wahlboykott seines CDU-Kreisvorsitzenden.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wird dem Wahlboykottaufruf seines CDU-Kreisvorsitzenden nicht folgen, sondern er wird an der Bürgerabstimmung am 12. Februar, bei der es um sein eigenes Verbleiben oder vorzeitiges Entfernen aus dem Amt des OB geht, teilnehmen.

Dies erklärte das Stadtoberhaupt gestern Vormittag am Rande des Neujahrsempfanges, zu dem die Stadt in diesem Jahr wieder Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Vereinen und Verbänden geladen hatte. Er werde höchstwahrscheinlich selber zu dieser Abstimmung gehen, sagte Sauerland gestern gegenüber der Presse, weil sein ältester Sohn Philipp jetzt mit 16 Jahren erstmals wahlberechtigt sei und er von der „ganzen Sache dermaßen die Schnauze voll“ habe. Er werde also in Walsum seinen Sohn bei der Wahl begleiten und vermutlich dann auch selber abstimmen.

Sauerland wirbt für sich als "Optimist und Macher"

Auch in seiner Ansprache an die 480 erschienenen Gäste (eingeladen waren 900), die dieses Mal im Foyer der Mercatorhalle zu kleinen Häppchen, einem Glas Sekt und jeder Menge Gespräche zusammen gekommen waren, hatte das Stadtoberhaupt den von der Abwahlinitiative durchgesetzten Termin des 12. Februar fest vor Augen.

Spezial zur Loveparade 2010Im Mercatorjahr 2012 werde es jetzt sehr wichtig sein, daran zu erinnern, dass mit dem Namen der Stadt Duisburg auch sehr viele positive Dinge verbunden seien. Wenn auch Gerhard Mercator selber eher ein „dröger Wissenschaftler“ gewesen sei, so sei er doch „ein Optimist und ein Macher“ gewesen, sagte Sauerland. Und diese beiden Qualitäten brauche man im Augenblick mehr denn je, auch wenn es im Augenblick ein gutes, demokratische Recht sei, jetzt auf den 12. Februar zu blicken.

OB sucht Schuld für Ansehensverlust von Duisburg bei anderen

Sauerland erinnerte kurz an die Katastrophe der Loveparade vom 24. Juli 2010. Sie sei ein massiver Einschnitt in der Außenwahrnehmung der Stadt gewesen, aber auch für das Selbstverständnis dieser Stadt wie auch für das Selbstwertgefühl ihrer Bürger. Es sei kein Geheimnis, dass „unverbrüchlichen Optimisten“ stets mehr gelinge, als „notorischen Negativdenkern.“ Die Ursache für den erkennbaren Ansehensverlust der Stadt auf den verschiedenen Ebenen sieht das Stadtoberhaupt aber bei seinen Kritikern. Beispiel: Bei einer Filmpremiere sei kürzlich dem auswärtigen Stargast die Frage gestellt worden, ob sie überhaupt „Bock hätte, hier zu sein.“

Diese „typischen Duisburger Fragen“ machten der Stadt nicht nur atmosphärisch schwer zu schaffen, sondern schlimmer noch, „sie blockieren ganz praktisch mache Entwicklung, die Duisburg“ brauche, sagte Sauerland. Die Gäste quittierten Sauerlands Rede mit freundlichem Applaus – auch wenn das Publikum durchaus eine bunt gemischte Gesellschaft von Befürwortern und Kritikern des OB darstellte.

"Regenschirm-Foto" bezeichnet Sauerland als unglücklichen Schnappschuss

Im Gespräch mit der Presse zeigte sich Sauerland optimistisch, auch im kommenden Jahr 2013 wieder als OB der Stadt Duisburg die Neujahrs-Gäste begrüßen zu können. Angesprochen auf das aktuelle Thema „Bundespräsident Wulff“ erneuerte Sauerland noch einmal seine Version: Er hege keinerlei Groll gegen Bundespräsident Wulff, dieser hätte sich damals bei seinem Besuch im Landschaftspark ihm gegenüber völlig korrekt benommen; das berühmte „Regenschirm-Foto“ sei ein unglücklicher Schnappschuss gewesen, der die wahre Situation nicht richtig abbilde.

Ausgerichtet wurde der Neujahrsempfang von der Sparkasse Duisburg. Vorstandschef Hans-Werner Tomalak appellierte an seine „Heimatstadt Duisburg“ ähnlich wie in der internationalen Finanzkrise, trotz gegensätzlicher Auffassungen am Ende doch zu pragmatischem Einvernehmen zu kommen.