Duisburgs OB Link würde Projekt „Totlast“ wieder absagen

Die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe – hier ein Bild von der Gedenkfeier im Juli – ist für Sören Link ein zentrales Thema.
Die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe – hier ein Bild von der Gedenkfeier im Juli – ist für Sören Link ein zentrales Thema.
Foto: Fabian Strauch
Duisburgs OB Sören Link bleibt dabei: Die Absage des Ruhrtriennale-Projekts „Totlast“ in sei richtig gewesen. An seiner Argumentation, die Installation sei zu nah am sensiblen Thema Loveparade-Katastrophe, hält Link fest. Allerdings gestand er auch Fehler in der Kommunikation seiner Entscheidung ein.

Duisburg.. Nach fünf Wochen hat Oberbürgermeister Sören Link sein Schweigen gebrochen und noch einmal erläutert, warum er die Installation „Totlast“ von Gregor Schneider, mit der die Ruhrtriennale im Lehmbruck-Museum gastieren wollte, abgesagt hat. Im Gespräch mit der WAZ wehrte er sich gegen den Vorwurf der Zensur und betonte, er habe den Triennale-Intendanten Heiner Goebbels lediglich „gebeten“, das Werk in Duisburg nicht zu realisieren.

Zu den wenigen neuen Informationen gehörte, dass Link auch mit Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla über die Frage gesprochen und sie ihm abgeraten habe, das Projekt abzusagen. Link sagte, künstlerische Entscheidungen habe zwar die Direktorin zu treffen, aber er sei davon überzeugt, dass von seiner Entscheidung bei ihr und im Kuratorium „nichts zurück geblieben“ sei. Bei der Frage, mit wem er sich sonst beraten habe, antwortete er lediglich: mit Menschen, denen er vertraue.

Er habe sich nicht hinter der Bauordnung verstecken wollen

Im Wesentlichen aber verteidigte Link seine Argumentation, er habe aus dem Gefühl heraus entschieden, das Werk sei vier Jahre nach der Katastrophe „zu nahe am sensiblen Thema Loveparade“. Es habe bei ihm nun einmal entsprechende Assoziationen geweckt.

Am 4. April – zwei Tage, nachdem er im Rahmen einer Programmvorstellung der Triennale von dem Vorhaben erfahren hatte – seien die baugenehmigungsrechtlichen Antragsunterlagen der Triennale eingegangen. Die Bauordnung habe sich sehr bemüht, sich mit dem Künstler auf einen genehmigungsfähigen Antrag zu einigen. Er habe erst im Mai von den Genehmigungsproblemen erfahren, so Link. Doch auch die vereinbarten „Nachbesserungen“ am Werk hätten keinen „genehmigungsfähigen Antrag“ erzielt. Sören Link: „Ich wollte mich nicht hinter der Bauordnung verstecken.“

Er sei wegen des Umfeldes der Loveparade ins Amt gekommen. Insofern halte er es für einen „angemessenen Umgang“, aus dem Gefühl heraus „das passt nicht“ zu entscheiden. „Das ist für mich ein sehr authentischer Prozess.“ Nicht jeder leiste sich nach vier Jahren den Luxus, eine solche Frage „allein aus dem Blickwinkel der Kunst“ zu betrachten.

Link würde seine Entscheidung heute anders kommunizieren

Er habe sich dann sehr gewundert, dass erst zwei Wochen, nachdem er den Triennale-Intendanten Heiner Goebbels darum „gebeten“ habe, das Werk in Duisburg nicht zu realisieren, eine solche Reaktion gekommen sei, die dann auch ein bundesweites Echo in den Medien fand. Er habe nicht erwartet, dass das so eine Bedeutung bekommen würde.

Hinter seiner Aussage, Duisburg sei „noch nicht reif“ für dieses Kunstwerk, steht Link offenbar nicht mehr uneingeschränkt. Er würde die Entscheidung heute anders kommunizieren, sagte er. Auf die Frage, ob es richtig sei, solche Entscheidungen über die Köpfe von Menschen hinweg zu treffen, die sich gern ein eigenes Bild gemacht hätten, antwortete Link: „Man trifft hier ständig Entscheidungen für andere Menschen.“ Man wisse erst hinterher, ob das gut oder richtig gewesen sei.

Er habe jedenfalls kein Problem damit, künftig Ausstellungen oder Kulturveranstaltungen zu eröffnen. Wer seinen bisherigen Einsatz etwa für die Oper oder die Philharmoniker kenne, wisse, wie er sich für die Duisburger Kultur engagiere.

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