Duisburgs neue Altstadt: Baubeginn 2017

Das neue Modell des Mercator-Quartiers wurde jetzt erstmals vorgestellt. Es orientiert sich an historischen Wegeführungen und Grundstücksgrößen. An der Oberstraße (Mitte) wird die alte Gebäudeflucht aufgenommen.
Das neue Modell des Mercator-Quartiers wurde jetzt erstmals vorgestellt. Es orientiert sich an historischen Wegeführungen und Grundstücksgrößen. An der Oberstraße (Mitte) wird die alte Gebäudeflucht aufgenommen.
Foto: Ute Gabriel
  • Stadtplaner stellten neue Planung für das Mercator-Quartier am Rathaus vor
  • Rund 300 Wohneinheiten sollen ab Ende 2017 dort entstehen
  • Grundstücke sollen laut Planungsdezernent Tum „erschwinglich“ sein

Duisburg. Im nächsten Jahr könnte mit dem Bau des Mercator-Quartiers in der Innenstadt begonnen werden. Die aktuellen Pläne für die neue Altstadt und ein Modell stellte Architekt Georg Gewers am Mittwochabend vor. Geplant sind rund 300 Wohneinheiten in einem Neubauviertel, das die mittelalterliche Grundstücksgrößen und Straßenführungen aufnimmt.

Abrissarbeiten an den Schulen gehen dem Ende entgegen

Die Abrissarbeiten auf dem vormals von drei Schulen genutzten Grundstück gegenüber vom Duisburger Rathaus sind weitgehend abgeschlossen, und auch die Archäologen haben den größten Teil ihrer Aufgabe bereits abgearbeitet. Außer den Resten des historischen Mercatorhauses wurden entlang von Oberstraße und Rabbiner-Neumark-Weg weitere historische Überreste historischer Bauten gefunden, die beim Neubau einbezogen werden sollen.

Die neuesten Pläne für das Mercator-Quartier sehen eine mehrgeschossige Bebauung am Rande des alten Schulareals vor und eine große Zahl kleinerer Stadthäuser im Inneren des Viertels, die in ihrer Größe auf historische Vorbilder verweisen. In der Mitte des Quartiers soll zudem Platz bleiben für einen „Anger“, eine vom innerstädtischen Treiben abgeschirmte Grün- und Wegefläche ohne Autoverkehr.

Weil auf dem größten Teil des Grundstücks keine historischen Funde im Untergrund gemacht wurden, können dort mehrere Tiefgaragen für das ganze Quartier errichtet werden.

Das „neue“ Mercatorhaus spielt eine wichtige Rolle in den Planungen

In der aktualisierten Planung für das Mercator-Quartier spielt natürlich eine Rekonstruktion des historischen Mercatorhauses eine wichtige Rolle. Drumherum soll ein „Bildungsquartier“ entstehen mit Außengastronomie, Einzelhandel und Büros.

Man wolle mit dem neuen Entwurf „den Altstadtcharakter stärken, ohne alles zu historisieren“ erklärt Planungsdezernent Carsten Tum. Die Planung sei stärker als ihre Vorläufer an den Funden der Archäologen orientiert. So werde sich beispielsweise die Häuserfront an der Oberstraße nach den Funden im Boden richten. Auch die mittelalterlichen Grundrisse habe man in die Planung aufgenommen.

Ziel ist ein hochwertiges Quartier zwischen City und Innenhafen

Was die Grundstücke einmal kosten werden, steht laut Tum noch nicht fest: „Wir können noch nicht sagen, wo der Quadratmeterpreis landen wird.“ Aber das Ziel ist klar: „Wir wollen ein hochwertiges Quartier entwickeln, und es muss erschwinglich sein.“ Die Vorarbeiten durch Stadt und Gebag werden sich allerdings im Preis niederschlagen, etwa die Sicherung der historischen Mauerreste oder der Bau von Bodenplatten über alten Kellerböden.

Kriterien für Bauwillige

Ende 2017 könnte laut Tum entlang der Gutenbergstraße schon gebaut werden, für das übrige Gelände muss der Bebauungsplan geändert werden. Wer letztendlich dort bauen dürfe, werde nach einem noch aufzustellenden Kriterienkatalog entschieden, der beispielsweise auch Kinderzahl und besondere Wohnformen berücksichtigen könne.

Die Bürger freuen sich auf das Mercator-Quartier

Was die Stadtverwaltung mit dem Mercator-Quartier in der Innenstadt vor hat, ist am Mittwochabend auf reges Interesse gestoßen. Rund 100 Gäste kamen zur Vorstellung der neuen Pläne ins Konferenzzentrum „Der Kleine Prinz“.

„Die Chancen sind riesig, man muss sie nur nutzen“, sagte Brigitte Karhoff, Geschäftsführerin der Wohnbundberatung NRW, nachdem die Pläne vorgestellt worden waren.

Vielzahl an Möglichkeiten

Eine Vielzahl an Möglichkeiten für das Gelände sahen außerdem die Bürger, die nach der ausführlichen Präsentation angeregt mit den Beteiligten diskutierten. So regte eine Duisburgerin an, dass dort Mehrgenerationenhäuser entstehen sollen. „Das würde ich mir sehr wünschen“, antwortete der beteiligte Architekt Georg Gewers. Zudem nahm er ihre Anregung auf, Garagen mit Stromanschlüssen zu versehen. „Wir werden in jedem Fall etwas für Elektrofahrer anbieten.“

Eine Absage bekam jedoch die mehrfach geäußerte Idee, die Fassaden der Neubauten komplett am historischen Vorbild zu orientieren. „Wir werden daraus kein Altstadtquartier machen, sondern Alt und Neu so verbinden, dass sich der mittelalterliche Städtebau wiederfindet“, stellte Tum klar.

Dagegen sehr begrüßenswert fand er die Forderung nach sozialem Wohnungsbau, denn das Mercator-Quartier solle für alle Bevölkerungsschichten interessant sein. So werde er im November mit Baugenossenschaften reden, die ja für sozialen Wohnungsbau bekannt sind.

Mahnende Worte von Altbürgermeister Benno Lensdorf

Altbürgermeister Benno Lensdorf (CDU) mahnte den Baudezernenten jedoch, keine falschen Versprechungen zu machen. Bei der Immobilienmesse Expo Real sei die Stadt bereits auf Großinvestoren zugegangen. „Wenn die Großen die Unterschrift auf den Verträgen haben“, sagte Lensdorf, „muss sich die Stadt aus den Planungen zurückziehen.“ So sei das in der Vergangenheit in Duisburg allzu oft gelaufen. Ob die Verwaltung in dem Fall tatsächlich mit kleinen Partnern das Mercator-Quartier entwickeln könne, bezweifelte er.

Er wolle Vielfalt auf dem Gelände, erwiderte Carsten Tum. Für das künftige Bildungsviertel benötige er zwar einen Großinvestor, aber die Gutenbergstraße und Oberstraße wolle er mit kleineren Partnern entwickeln, mit vielen verschiedenen Konzepten.

Auch Künstler einbinden

„Ich wünsche mir ein kulturell lebendiges Quartier“, sagte Christoph Brockhaus, der einstige Leiter des Lehmbruck-Museums, und bat darum, Künstler früh im Planungsprozess einzubeziehen. Diesen Hinweis wollen die Projektbeteiligten ebenfalls aufnehmen.

So war nicht nur Baudezernent Carsten Tum zufrieden mit der Veranstaltung, auch viele Duisburger verließen sie mit Vorfreude aufs Mercator-Quartier.

 
 

EURE FAVORITEN