Duisburgerin betreibt eine Privatklinik für Teddybären

Für ihre Patienten ist der Aufenthalt wie ein „Besuch im Sanatorium“. Abends dürfen sie auch fernsehen.
Für ihre Patienten ist der Aufenthalt wie ein „Besuch im Sanatorium“. Abends dürfen sie auch fernsehen.
Foto: WAZ FotoPool
Auf dem Sofa von Barbara Wahnemühl warten Teddys ohne Ohren oder solche mit ramponiertem Fell. Die Duissernerin betreibt eine Teddybären-Klinik. Teilweise muss man bei ihr zwei Monate auf einen Termin warten. Ihre „Privatpatienten“ kommen aus der gesamten Republik – und teilweise aus dem Ausland.

Duisburg. Schon als Kind haben es Barbara Wahnemühl die Kuschel-Kumpel angetan. Puppen mochte sie nie. „Die Teddys leben mit einem, denen konnte man erzählen, wie der Tag war. Die verändern sich im Laufe der Zeit.“ Nach der Schule arbeitete sie zunächst im Büro, bevor sie den Mut fasste, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Seitdem „operiert“ sie Kuscheltiere.

Das ist teilweise gar nicht so einfach, unter den Exemplaren gibt es historische Schätzchen. In einem Regal stehen deshalb alte Kataloge, eine Bären-Enzyklopädie sowie Handbücher. In denen wird beschrieben, ob beim Steiff-Petz aus den 50er Jahren die Nase längs oder quer gestickt wird. „Das ist je nach Modell unterschiedlich.“

In ihrem Arztkoffer hat die 47-Jährige für alles Ersatz. Knopfaugen für den treuen Blick. Neues Fell, das in der Waschmaschine und mit Hilfe von Farbe behutsam altert – schließlich soll das neue Bein genauso „alt“ aussehen wie der Rest. Tiefe und hohe Brummstimmen in kleinen Rollen, die erklingen, wenn der Teddy gedreht wird – nicht zu verwechseln mit den Quetsch-Varianten, bei denen man dem Bären auf den Bauch drücken muss. „Die werden gar nicht mehr hergestellt.“ Also hat die Expertin das Utensil nachgebaut. Um den richtigen Ton zu treffen, hat sie sogar mit einem Orgelspieler durchprobiert, ob sich die Stimme möglichst originalgetreu anhört. „Das ist wichtig, ich will das Wesen der Teddys schließlich nicht verändern.“

Abends dürfen die Teddys mit fernsehen

So ändert sie zum Beispiel auch den roten Kussmund eines Petz nicht, obwohl der vom Hersteller so nicht vorgesehen war. „Aber der Besitzer hat das Tier so in Erinnerung, weil die Oma mal etwas repariert hat. Deshalb bleibt das dann auch so.“ Für Barbara Wahnemühl spielt es auch keine Rolle, ob es sich beim Patienten um eine Rarität oder einen Wühltisch-Tier handelt: „Sie werden alle von ihren Besitzern geliebt und sind für sie wertvoll.“

Doch wie manchmal im echten Leben muss man auch bei der Kuschteltier-Medizinerin lange auf einen „Arzt“-Termin warten. Zwei Monate Vorlauf hat sie derzeit. Auf Handarbeits- und Teddy-Messen, die sie besucht, kommen immer weitere Kunden hinzu. Wenn die Besitzer noch Kinder sind, vereinbart sie deshalb einen Termin, „damit die Trennung nicht so lange dauert“. Dass sie ihre Teddys überhaupt hergeben, ist reine Vertrauenssache. Barbara Wahnemühl behandelt die Tiere behutsam. Ansonsten vergleicht sie den Aufenthalt in ihrer Werkstatt eher mit einem „Sanatoriums-Besuch.“ Den Tieren geht es gut. Abends, auf der Couch, dürfen sogar mit fernsehen.

 
 

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