Duisburger Wirtschaft drängt auf Rhein- und Bahnausbau

Hauptverkehrszeit: Frachtschiffe auf dem Rhein zwischen Rheinhausen und Huckingen.
Hauptverkehrszeit: Frachtschiffe auf dem Rhein zwischen Rheinhausen und Huckingen.
Foto: Hans Blossey / FUNKE Foto Services
Vertreter des Duisburger Hafens und der Logistikwirtschaft fordern in Berlin Vertiefung des Rheins und Ausbau von Eisenbahnstrecken zur Nordseeküste.

Duisburg. Der weltweite Warenverkehr nimmt zukünftig eher zu als ab, und mächtige Güterströme kommen über die niederländischen und belgischen Seehäfen nach Europa. Bei der weiteren Verteilung der Frachten aus Rotterdam und Antwerpen, Amsterdam und Zeebrügge spielt Duisburg eine wichtige Rolle. Damit das so bleibt, haben Vertreter von Hafen, IHK und Logistikwirtschaft beim Berliner Verkehrsministerium eine Infrastruktur-Wunschliste vorgelegt.

Binnenschiffe könnten bei Rhein-Vertiefung mehr Fracht transportieren

Rheinvertiefung, Betuwe-Linie und Eiserner Rhein waren die wichtigsten Stichworte. „Unsere Region ist extrem abhängig davon, dass die grenzüberschreitenden Verkehre reibungslos funktionieren“, umreißt IHK-Verkehrsexperte Ocke Hamann den Hintergrund der Berlin-Reise.

Die gewünschte Vertiefung des Rheins betrifft Duisburg zwar nicht direkt, weil der Strom von der Küste bis hierher bereits die gewünschte Tiefe der Fahrrinne aufweist. Aber auch weiter rheinauf sei es wichtig, Schiffe mit mehr Tiefgang auf die Reise schicken zu können, sagt Hamann: „Das macht einen wirtschaftlichen Vorteil aus und stärkt das System Wasserstraße insgesamt“, sagt Hamann. So könne ein 2000-Tonnen-Schiff bei entsprechender Tiefe der Fahrrinne 300 Tonnen mehr laden – bei vergleichbarem Aufwand. Und: Die Binnenschifffahrt hat Potenzial, mehr Frachten zu transportieren, was wiederum Schienen- und Straßennetz entlasten könnte.

Hafen Antwerpen will Lkw-Anteil verringern und Schienentransport ausbauen

Die Duisburger Logistikexperten gehen davon aus, dass die Verkehrsmengen in den Seehäfen bis 2030 um 65 Prozent zunehmen werden. Schon deshalb müsse Verkehr von der Straße auf Schiene und Wasserstraße verlagert werden. Der Antwerpener Hafen will bis 2030 den Lkw-Anteil an den Transporten ins Hinterland von 51 auf 40 Prozent verringern und den Schienentransport von acht auf 20 Prozent steigern. Daher sind es auch die Seehäfen, die an die Politik appellieren, „Flaschenhälse“ zu beseitigen, also Engpässe im grenzüberschreitenden Verkehr.

Etwa an der Betuwe-Linie, einer leistungsfähigen Eisenbahn-Verbindung von der niederländischen Küste ins Ruhrgebiet und damit auch nach Duisburg. Erste Planungen hatte man Mitte der 80er Jahre begonnen, und eigentlich sollte ab 2018/2019 auch auf der hiesigen Seite der deutsch-niederländischen Grenze der Gleisbau beginnen. „Der Baubeginn steht noch in Frage“, sagt Hamann. Es gebe noch Klagen, und solange über die nicht entschieden sei, könne nicht ausgeschrieben, schon gar nicht gebaut werden. Sollten die Gerichte eines Tages pro Betuwe entschieden haben, wären noch fünf bis sechs Jahre Bauzeit einzukalkulieren.

Eiserner Rhein wäre "leistungsfähige Alternative zur Betuwe

Auch über die Reaktivierung des Eisernen Rheins, einer historischen Schienenverbindung zwischen Antwerpen und der Rhein-Ruhr-Region, wird bereits seit Jahrzehnten diskutiert. Sie würde zwar Duisburg nicht direkt berühren, sei aber dennoch wichtig, sagt IHK-Experte Hamann: „Es geht um eine leistungsfähige Alternative zur Betuwe-Linie.“

Dass aus Planungen auch einmal Realität werden muss, hat man auch im Berliner Verkehrsministerium erkannt. Schließlich droht den Nordseehäfen und ihrem Hinterland beim Wettbewerb um die globalen Warenströme starke Konkurrenz durch die Mittelmeerhäfen.

 
 

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