Duisburger Wirte fürchten wegen Nichtraucherschutzes um Existenz

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Als das Ordnungsamt gegen die Betreiber von Raucherclubs mobil machte und mit Bußgeldern drohte, hat Horst Riedel den Kippenkonsum aus seiner "Paulaner Botschaft" verbannt. Der Umsatz geht nun zurück, teils massiv - in Duisburg kein Einzelfall.

Duisburg.. Im Schankraum der Paulaner Botschaft riecht es nach frisch gebratenem Leberkäs – nicht nach Zigarettenrauch. Die Zeiten sind vorbei. Das Ordnungsamt ließ Ende Mai, einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster folgend, die Aschenbecher wegräumen. Der Beschluss vor dem Gericht verbot einem Kölner Gastronomen, sein Lokal als Raucherclub zu betreiben und kippte damit faktisch NRW-weit eine Ausnahmeregelung, von der auch in Duisburg etliche Kneipiers und Restaurantbetreiber Gebrauch gemacht hatten.

Ordnungsamt drohte mit Bußgeldern

Als im Juni das Ordnungsamt gegen die hiesigen Betreiber von Raucherclubs mobil machte und mit Bußgeldern drohte, hat Horst Riedel den Kippenkonsum aus seinem Lokal verbannt: „Auch wenn ich mein Restaurant lange als Raucherclub betrieben habe, dieses Eis war mir zu dünn. Schlimmstenfalls hätte man mir meine Konzession entziehen können.“ Jetzt stehen die Raucher vor der Tür – oder kommen erst gar nicht. Das Vormittagsgeschäft sei um die Hälfte eingebrochen und auch abends laufe es wesentlich schlechter.

Zwei Dinge empören den Wirt, der um seine Existenz fürchtet: „Dieses rin-in-die-Kartoffeln, raus-aus-die-Kartoffeln“ – zu wenig Rechtssicherheit in Sachen Rauchverbot. Und: Das Nichtraucherschutzgesetz hat zu viele Schlupflöcher. Auch wenn es für die Gastronomie ein Problem sei, grundsätzlich habe er Verständnis für das Rauchverbot. Dann aber bitte: „Ein Verbot für alle. Ohne Ausnahmen.“

Kunden gehen jetzt woanders hin

Riedel weiter: „Menschen, die sich über Jahre im Paulaner wohlgefühlt haben, gehen jetzt woanders hin.“ Etwa in die Einraumkneipe nebenan oder dorthin, wo weiterhin das Schild „Raucherclub“ an der Tür prangt, denn auch das gibt es noch.

Ein Gastronom aus Stadtmitte, der nicht erkannt werden möchte, weil er den Besuch des Ordnungsamtes fürchtet, gibt sich trotzig und hat beschlossen, weiter zu machen wie bisher. Vor dem Urteil des Münsteraner Gerichts habe das Ordnungsamt schließlich seinen Raucherclub gebilligt, alle Unterlagen, Mitgliedsformulare und Satzung, waren tadellos geführt. Er ist spürbar wütend über den Nichtraucherschutz und all jene, die ihn in Form eines „schwammigen Gesetzes“ vorantreiben. „Das hat doch mit Demokratie nichts mehr zu tun. Wir leben leider nicht mehr in einem Land, in dem man selbst entscheiden kann, was man tut oder eben nicht.“ Rauchen oder Nichtrauchen ist für ihn jedermanns eigene Sache, ebenso wie es jedermanns eigene Entscheidung sei, im Service zu arbeiten und entsprechend mit qualmenden Gästen zu tun zu haben. „Auch jeder Nichtraucher kann schließlich entscheiden: Da gehe ich nicht rein.“ 80 Prozent seiner Gäste seien Raucher. „Wenn das Ordnungsamt bei mir durchsetzt, dass nicht mehr geraucht werden darf, muss ich meinen Laden verkaufen.“

Furcht um die Existenz

Die Furcht um die Existenz, gerade bei „schankorientierten“ Gaststätten, die es in Duisburg in Form der typischen Ruhrgebietskneipe so häufig gibt, sei vielfach berechtigt, bestätigt Thomas Kolaric, Geschäftsführer der Dehoga-Kreisgruppe Duisburg. „Wenn in solchen Betrieben nur wenige der Kunden wegbleiben, schlägt sich das massiv in den Umsätzen nieder.“

Dass die Raucherclubregelung nun gekippt sei, müsse man hinnehmen. Kolaric findet lobende Worte für das Vorgehen des Ordnungsamts, das nicht sofort in großem Stile Bußgelder verhängt und Konzessionen entzogen hat, sondern zunächst über die Presse informiert und sich dann an die Raucherclubbetreiber gewandt hat: „Ich finde es gut, dass die Stadt Duisburg in dieser schwierigen Situation so einfühlsam und behutsam vorgegangen ist.“ Promi-Raucher aufgepasst!

 
 

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