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Duisburger Technikfreaks zeigen auch ein Tefifon

Ein Paradies für funkhistorische Technikfreaks und Nostalgiker: Wilfried Meier, Walter Voigt und Wilhelm Struth in der neuen Ausstellung.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Grammophon und Musikbox führen in die Vergangenheit
  • Hits auf Platten, Bändern und modernen Speichermedien
  • Geräte waren im Nachkriegsdeutschland schön und teuer
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Duisburg.. Die Musikbox aus den 70er Jahren ist Hightech – verglichen mit dem Grammophon, das die Londoner Firma Burnes in einen mit Intarsien verzierten Schrank baute. Es wird rein mechanisch betrieben, vor dem ersten Ton muss gekurbelt werden. Die Nadel am erstaunlich schwere Tonarm wird per Hand auf die Platte gesetzt. „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“ schmettert’s aus dem Lautsprecher. Der liegt hinter zwei Schranktüren, die die Lautstärke regulieren. Türen zu: leise. Türen auf: laut.

Die neue Ausstellung „Schellackschätzchen trifft mp3“ im Radiomuseum in Ruhrort führt mit 78 Umdrehungen in die Vergangenheit. Und sofort purzeln die Erinnerungen aus dem Nostalgie-Speicher im Kopf. Das gehe allen Besuchern so, freuen sich Wilfried Meier, Wilhelm Struth und Walter Voigt, 1. und 2. Vorsitzender sowie Schriftführer des Vereins „Radiomuseum Duisburg“, der das Privatmuseum seit 2005 in der Turnhalle der ehemaligen Schule Bergiusstraße 27 betreibt. „Das Herz in Heidelberg verloren“ haben Schlagerfreunde seit 1927, zum „Calypso italiano“ träumte Nachkriegsdeutschland in den 50er Jahren von Sonne und Strand mit Margot Eskens und Silvio Francesco. Die Musikbox hängt natürlich am Stecker, aber hinter der Frontscheibe fasziniert nach wie vor die Mechanik: Ein Greifarm nimmt die Platten aus dem Ständer dreht sie und legt sie auf den Plattenteller.

Was kostet ein Schlager?

Wie viele Groschen hat es damals noch gekostet, eine Platte abzuspielen? Kindheitserinnerungen an rauchige Kneipen, Orangenlimonade und die quälende Frage: Wie viel Schlager kann ich mir leisten?

Abseits dieser nostalgischen Gefühle beschreiben die Radiofreunde ihre Ausstellung so: „Der bezaubernde Klang des alten Grammophons führt uns in die Zeit, in der die Plattensammlung Ausdruck der eigenen Persönlichkeit war. In der das Tonband wichtige Ereignisse dokumentierte, der Walkman unsere Musik überall hin transportierte und der mp3-Player zum unverzichtbaren Begleiter wurde.“

Wunschmusik daheim hören zu können, kostete in Nachkriegs-Deutschland viel Geld. Das Grundig-Radio mit Tonband – ein beeindruckend großes Holzgehäuse, in dem das erste Tonbandgerät der Firma Grundig über dem Radio montiert war – kostete 1340 DM. Und das bei Stundenlöhnen unter 1 Mark. Etwas preiswerter, aber mit 460 DM immer noch einen Monatslohn kostete das grün-goldene Koffertonbandgerät von Grundig. „Das war relativ preiswert und erfolgreich.“ Telefunken hatte das Tonband in den 30er Jahren erfunden, Grundig wurde Weltmarktführer, so Wilfried Meier. Klein und tragbar das Telefunken KL 65 von 1958, das man sich gut sommertags im Strandbad vorstellen kann.

Immer noch Radio

Aber auch im Wohnzimmer. Faszinierend ist für Wilhelm Struth die Vorstellung, dass es mal zum guten Ton gehörte, sich mit eigener Schallplattensammlung bei Freunden zu treffen und die jeweiligen Lieblingstitel vorzuspielen.

Tefifon? Auch dieses Aufnahmemedium war unter dem Deckel eines Radios installiert. Das „Schallbandgerät“ besteht im Kern aus einer Kassette mit Kunststoffband. Tefi-Stunden-Bänder wurden wie Schallplatten verkauft: „Hawaii, Hawaii“, „Weihnachten“, „Schwarzwald“...

Zu den Raritäten gehören auch eine Schallplattenschneidemaschine, der Plattenspieler fürs Auto oder ein „Minifon“. Das ist ein Drahttonbandgerät, etwas größer als eine Zigarettenschachtel und über ein Kabel Armbanduhr verbunden. Spionage aus Zeiten, als die Herren noch Manschetten trugen. Das Mikrophon ist als Füllhalter getarnt.

Der Spieler für die von Philips 1963 entwickelte Kompaktkassette kostete 300 DM, 1982 der erste CD-Spieler 2200 DM. Der mp3-Spieler ist nur noch ein paar Gramm leicht, kann gigabiteweise Musik speichern, Terminkalender und Wecker sein – und immer noch Radio. Sanfte Berührung genügt.

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Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

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