Duisburger Stahlarbeiter gehen gegen EU-Klimapolitik auf die Straße

Willi Mohrs
Stahlaktionstag: Stahlbeschäftigte wollen die Bevölkerung über die Bedrohung der heimischen Stahlstandorte durch die europäische Politik informieren.
Stahlaktionstag: Stahlbeschäftigte wollen die Bevölkerung über die Bedrohung der heimischen Stahlstandorte durch die europäische Politik informieren.
Foto: FUNKE Foto Services
Bei einer Bürgerinformation zur Zukunft der deutschen Stahlstandorte nennt Duisburgs OB die politischen Pläne aus Brüssel "hanebüchenen Schwachsinn".

Duisburg. Bundesweit gehen Stahlarbeiter in diesen Tagen auf die Straße, um über mögliche Gefahren für die Stahlstandorte durch die europäische Klimapolitik zu informieren. Am Donnerstag waren Vertreter der Belegschaften der Duisburger Stahlunternehmen und der IG Metall in der Duisburger Innenstadt, ausgestattet mit mehrere tausend Flugblättern.

„Für sauberen Stahl – weltweit“ stand darauf und die Problematik in Kurzform: Heimische Stahlwerke könnten künftig für ihren CO2-Ausstoß noch stärker zur Kasse gebeten werden als bisher und dadurch der Fähigkeit beraubt werden, mit Investitionen die Zukunft ihrer Standorte zu sichern. Eine Verlagerung der Stahlproduktion drohe. Und zwar in Länder wie China, wo weniger auf Umweltschutz geachtet wird. Die Jobs in Deutschland wären weg, und der Umwelt wäre eher geschadet als geholfen.

Duisburg träfe Auslaufen deutscher Stahlerzeugung besonders

IG Metall und Wirtschaftsvereinigung Stahl zeigen beim Thema Stahl und Klima eine seltene Einigkeit: „Betriebe und Arbeitsplätze, die im internationalen Wettbewerb stehen, dürfen nicht durch unverhältnismäßige Kosten gefährdet werden“, fordert Jörg Hofmann, Chef der IG Metall, in einer gemeinsamen Erklärung von Arbeitgebern und Gewerkschaft.

„Schon heute wird mit den explodierenden chinesischen Stahl-Importen als ökologischem Rucksack wesentlich mehr CO2 nach Europa importiert, als wenn der Stahl hierzulande produziert würde. Dies schadet sowohl dem Klima als auch den Stahlunternehmen. Die Verschärfung des Emissionshandels würde dieses Problem massiv vergrößern“, ergänzt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung..

Duisburg wäre von einem Auslaufen der deutschen Stahlerzeugung besonders betroffen, machte Thomas Kennel, 2. Bevollmächtigter der Duisburger IG Metall, im Gespräch mit Passanten deutlich. An jedem der rund 18.000 Arbeitsplätze bei den Duisburger Stahlwerken hingen fünf bis sechs weitere, sei es Logistik oder Dienstleistungen.

Stahlerzeugung vor Ort sichere auch Innovationsfähigkeit

Daher überraschte auch nicht, dass Oberbürgermeister Sören Link den Stahlarbeiter-Protest auf der Königstraße unterstützte. „Das wäre hanebüchener Schwachsinn“, sagte er mit Blick auf eine Verlagerung der Stahlproduktion in Länder wie China oder Indien: „Hier bei uns gewährleisten wir bestmöglichen Umweltschutz.“ Stahl vor Ort zu erzeugen sichere nicht nur Arbeitsplätze in hoher Zahl, sondern auch die Innovationsfähigkeit, die mit dem Werkstoff Stahl verbunden ist.

Schon jetzt plant die IG Metall weitere Aktionen. Im Gespräch ist unter anderem eine Großkundgebung auf der symbolträchtigen Brücke der Solidarität zwischen Hochfeld und Rheinhausen.