Duisburger Stadt-Konzern DVV schlägt neuen Kurs ein

Oliver Schmeer
Die Konzernzentrale der Stadtwerke und der Holding DVV an der Bungerstraße in Hochfeld.
Die Konzernzentrale der Stadtwerke und der Holding DVV an der Bungerstraße in Hochfeld.
Foto: WAZFotoPool
Der Stadtkonzern DVV, zu dem unter anderem der Energieversorger Stadtwerke und das Verkehrsunternehmen DVG gehören, verordnet sich einen neuen Kurs. Floppende Geschäftsmodelle werden aufgegeben, investiert wird nur noch, wenn es sich rechnet. Das gilt auch für die erneuerbare Energie

Duisburg. Nach dem Sparkurs kommt der Blick nach vorne: Auf einer erstmals nach fünf Jahren wieder einberufenen Mitarbeiterversammlung hat DVV-Chef Marcus Wittig vor 2000 Mitarbeitern am Mittwoch neue und klare Unternehmensziele für Duisburgs größtes kommunales Unternehmen formuliert. Zur DVV gehören unter anderem die Stadtwerke und das Verkehrsunternehmen DVG.

„RePower“ hieß das Sparprogramm, dass sich die DVV-Holding vergangenes Jahr verordnete, um den Gewinneinbruch von 30 Mio € aufzufangen. 23 Mio € wurden schon erreicht, bilanzierte Wittig bei den Versammlungen im Theater am Marientor, u.a. durch den Altersteilzeit-Abbau von 116 Stellen und vielen Organisationsumstellungen. Doch „Sparen ist kein Geschäftsmodell“, so Wittig. „NewPower“ soll den Weg in die Zukunft weisen. Bis Herbst 2014 soll die neue Unternehmensstrategie entwickelt werden, die mehr Effizienz, Flexibilität und Innovation bringen soll. Und eine andere Unternehmenskultur: Wittig will den Holding-Gedanken der 4500 Mitarbeiter stärken: Bus & Bahnfahrer, Stadtwerker oder Dienstleister der Tochter Octeo, sie alle sollen an einem Strang ziehen.

Einschneidende Kurkorrekturen verordnet

Zugleich verordnet Wittig dem Konzern einschneidende Kurskorrekturen: So soll die „DU IT“, das Geschäftsfeld IT und Telekommunikation aufgelöst und in den Konzern integriert werden. „Wenn das Pferd tot ist, musst du umsteigen“, umschreibt Wittig das gescheiterte Geschäftsmodell, über den Konzern und die Stadt hinaus im IT-Markt bestehen zu können. Auch der Personal- und Finanzdienstleister Admito wird aufgelöst. Schluss ist auch mit der „Experimentierbereitschaft“, die Vertriebsvorstand Gössling den Kopf gekostet hatte. Von Geschäften, die kein Geld bringen, trennt man sich. Die Online-Marken „Energiegut“ und „Rheinpower“ sollen bis 2015 kostendeckend sein.

Prestige-Objekte und „Wunschkonzerte“ bei erneuerbaren Energien wird es nicht geben, Investitionen nur, „wo es sinnvoll“ ist. Das Wasserkraftwerk an der Ruhr wird wohl nicht kommen, weil der Wasserstraßen-Eigentümer die Standfestigkeit nicht sichern kann. Windkraftanlagen wie in Mündelheim werden geprüft, aber auch nur gebaut, wenn sie sich rechnen.

Mehr Geld für chronisch unterfinanzierten ÖPNV

Unmissverständlich stellte Wittig ferner klar, dass an der U 79 und dem Schienen-Nahverkehr nicht gerüttelt wird. Auch die Tunnel-Zugsicherung wird kommen. Zugleich forderte Wittig aber mehr Geld für den chronisch unterfinanzierten ÖPNV. Auch der Abschluss der Steag-Übernahme durch das Stadtwerke-Konsortium wird kommen. Noch mal 35 Mio € wird das Duisburg kosten. Die Verträge ließen nichts anders zu, machte der DVV-Chef keinen Hehl aus seinem Vorbehalt dem einstigen Steag-Deal gegenüber. Immerhin, unterm Strich bliebe eine Rendite.