Duisburger Polizei hat diese Woche alle Radfahrer im Visier

Die Schwerpunktkontrolle der Duisburger Polizei läuft in dieser Woche an Stellen, wo sich bereits schwere Unfälle ereignet haben.

Duisburg. Um Ausreden sind die Ertappten nie verlegen. „Ich bin zu spät und muss meinen Zug bekommen“, rief der junge Radfahrer den Polizisten Dirk Bayer und Carsten Dickau entgegen, nachdem er über eine rote Fußgängerampel in der Nähe des Hauptbahnhofs gebrettert war. Er wurde von den Beamten ebenso angehalten wie jene radelnde Dame, die auf dem Weg zum Arzttermin ebenfalls das Rotlicht ignoriert hatte. Auf beide wartet nun ein happiges Bußgeld, das inklusive Gebühren knapp 90 Euro beträgt.

In dieser Woche läuft europaweit eine Schwerpunktkontrolle der Polizei, die sich den Radfahrern im Straßenverkehr widmet. Sie sind manchmal Opfer rücksichtsloser Autofahrer, manchmal aber auch selbst Regelrüpel. Und weil die Zahl der schwer verletzten Radfahrer allein in Duisburg im ersten Halbjahr 2015 auf 39 angestiegen ist (wir berichteten), soll diese bis Freitag laufende Aktion das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer schärfen.

Absteigen im Verbindungstunnel

Radler können Sünder sein: Das wird am Mittwochmorgen auch im Verbindungstunnel des Hauptbahnhofs sichtbar. Hier steigen die Fahrgäste von den Fernzügen in Busse, Straßen- und U-Bahnen um. Ständig wuseln Fußgänger zwischen den Auf- und Abgängen hin und her. Genau deshalb gilt hier absolutes Fahrverbot für Radfahrer. Doch es dauert nicht lang, bis die beiden Motorradpolizisten Ralf Raueiser und Markus Heimann die ersten Radler erwischen, die doch lieber durchs Menschendickicht strampeln statt abzusteigen und zu schieben.

Eine der Ertappten ist eine Frau aus Mülheim (57), die auf dem Weg zu ihrer Tochter ist. Weil die Tagesmutter nicht kam, soll sie kurzfristig einspringen – deshalb hat sie es eilig und nur deshalb sei sie auch nicht vom Rad gestiegen, sagt sie. Um das Verwarngeld kommt sie nicht herum. „Ich bin oft mit dem Rad unterwegs, gerate dabei oft in gefährliche Situationen“, erzählt sie. Regelmäßig laufen unachtsame Fußgänger auf den Radweg, beim Rechtsabbiegen würde zudem so mancher Autofahrer grundsätzlich nicht auf die Radler achten. Nur mit abrupten Bremsmanövern lasse sich da ein drohender Unfall verhindern.

Auch Handynutzer am Autolenkrad im Visier der Polizei

Diese Gefahren kennt auch Dieter Hartl. Er ist Leiter der Polizei-Kradstaffel. Er zählt auf seinem Motorrad zu jenen 25 Beamten aus dem Verkehrsdienst, die gestern bei der Kontrolle mitmachten. Er hatte die zweite Sünder-Gruppe im Blick, die die Polizei bei dieser Aktion ins Visier nehmen wollte: die Handynutzer am Autosteuer. „Heute Morgen ist ein Mann quasi in Schlangenlinien vor mir hergefahren. Der hatte aber nicht zu viel Alkohol getrunken, sondern während der Fahrt eine SMS geschrieben“, erzählt Hartl.

Wer das Mobiltelefon bei laufendem Motor nur in die Hand nimmt, ist schon mit knapp 90 Euro dabei (60 Euro Bußgeld plus Gebühren). 3507 dieser Fälle gab es in 2012. 3871 waren es in 2013 und 3694 im Vorjahr. Die Handysünder-Zahl fürs erste Halbjahr 2015 liegt laut Polizei bei 1398. „Wobei das Telefonieren gar nicht mehr das große Problem ist, viele schreiben aber auf ihrem Handy während der Fahrt“, weiß Hartl. Das führe nicht nur immer wieder zu schweren Unfällen, sondern sei laut Hartl auch Beleg dafür, dass „die Verkehrsmoral insgesamt gesunken ist“.

 
 

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