Duisburger Politiker für sarkastischen Brief an NPD gefeiert

Max Bauer, SPD-Bezirksvertreter in Duisburg-Meiderich, bewies mit seinem Brief an die NPD Trier sarkastischen Humor.
Max Bauer, SPD-Bezirksvertreter in Duisburg-Meiderich, bewies mit seinem Brief an die NPD Trier sarkastischen Humor.
Foto: privat
Max Bauer, SPD-Bezirksvertreter in Meiderich, wird im Netz für seinen sarkastischen Brief an die NPD Trier gefeiert. Den schickte er als Reaktion auf ein Internetfilmchen - samt vier Kondomen.

Duisburg. Wenn Sarkasmus wirklich aus Briefen triefen könnte, wäre der Schreibtisch der NPD Trier jetzt klatschnass. Und schuld daran wäre Max Bauer, seines Zeichens Meidericher. Der hat dem Kreisverband aus Rheinland-Pfalz einen Brief geschrieben als Reaktion auf ein Internetfilmchen.

Das Filmchen, um es mal höflich zu formulieren, gehört nicht zu den cineastischen Meisterwerken der Rechtsradikalen. Vier Männer skandieren am helllichten Tag mit brennenden Fackeln in der Hand gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft, dumpfe Parolen inklusive. Doch irgendwie ging diese „Propaganda-Glanzleistung“ nach hinten los. Das weltweite Netz schüttete Häme und Spott über die vier Gestalten aus. Kübelweise. So viel, dass die NPD das Video selbst löschte. Doch den humoristischen Flächenbrand der Gegenbewegung löschte sie damit nicht.

Hilfe für die „Laiendarsteller“

Einer, der jetzt im Netz gefeiert wird für seine Reaktion ist Max Bauer, seines Zeichens SPD-Bezirksvertreter in Meiderich. Denn der Brief, denn er den „Laiendarstellern aus dem Bestsellervideo 444“ schrieb, hat es in sich. Da macht er sich in Absatz eins Gedanken, wie er als demokratischer Funktionsträger, ebenso wie viele andere in seiner Position versucht, tragbare Entscheidungen für die Bevölkerung zu treffen. Absatz zwei wird dann konkret: „Da mich das Schicksal der vier Laiendarsteller in ihrem Blockbuster emotional gefesselt hat, möchte ich diesen armen Menschen helfen. Nach reiflicher Überlegung, wie ich dies möglichst wirtschaftlich und sozialverträglich im Sinne unseres Landes tun kann, übersende ich ihnen vier Kondome....“ Die lagen denn auch prompt bei.

Doch warum schreibt man sowas? „Das war einfach ein Impuls“, sagt Max Bauer im Gespräch. Mit Rechtsextremismus beschäftigt sich der 29-Jährige schon seit Jahren. Doch als er dieses Propaganda-Filmchen gesehen hatte, war er fassungslos. „Ich habe mir das Video drei Mal angesehen, weil ich es gar nicht glauben konnte.“ Dabei sei ihm spontan der Gedanke gekommen: „Solche Leute sollten keine Kinder bekommen.“ Und schon kam eins zum anderen. „Ich hab mich dann hingesetzt und den Brief formuliert.

Aufforderung zur klaren Kante

Der erste Entwurf war aber viel zu lang. Also noch mal ran gekürzt und vor dem Abschicken fotografiert und ins Netz gestellt. „Ich hab solche Aktionen schon häufiger gemacht, aber nie publiziert“. Diesmal schon und die Lawine kam ins Rollen, immer schneller, immer weiter. „Das geht hier ab wie Schmitz Katze“, sagt Max Bauer und freut sich: „Ich habe denen ihre eigene Medizin verabreicht. Mit Argumenten kann man denen doch gar nicht kommen.“ Das scheinen viele Menschen in ganz Deutschland genauso zu sehen und sie scheinen auch den schwarzen Humor des Meiderichers zu teilen. Max Bauer bekommt viel Applaus. So viel, dass er mittlerweile auf seinem Handy Facebook deinstalliert hat. „Das hat in einer Tour geklingelt.“

Dabei vergisst der Meidericher aber nicht den ernsten Hintergrund, nämlich die Hetzjagd auf Flüchtlinge. „Bei uns brennen schon wieder Flüchtlingsheime. Da muss man doch was tun und nicht nur zweiseitige Konzepte schreiben, die keiner liest“, fordert Bauer seine Mitbürger, aber auch seine politischen Mitstreiter zur klaren Kante auf. Die kann man auch mit Sarkasmus zeigen.

 
 

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