Duisburger Philharmoniker ehren Christoph Prégardien

Sohn Julian tritt in die Fußstapfen von Christoph Prégardien. „Er ist eine eigenständige Künstlerpersönlichkeit“, sagt der Vater über ihn.
Sohn Julian tritt in die Fußstapfen von Christoph Prégardien. „Er ist eine eigenständige Künstlerpersönlichkeit“, sagt der Vater über ihn.
Foto: Hans Morren
Die Philharmoniker ehren einen der bedeutendsten lyrischen Tenöre zum 60. Geburtstag mit vierteiliger Kammermusikreihe im Zeichen Franz Schuberts.

Duisburg.. Christoph Prégardien, einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre unserer Zeit, ist am 18. Januar 60 Jahre alt geworden. Grund genug für die Duisburger Philharmoniker, ihn mit einem vierteiligen Projekt zu ehren, in dessen Mittelpunkt Franz Schubert steht. Wir sprachen mit Christoph Prégardien über die Kammermusikreihe.

Herr Prégardien, herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag! Er ist ja der Anlass für die Konzerte, aber sie sind den Philharmonikern ja schon länger verbunden.

Christoph Prégardien: Danke. Ja, das reicht schon zurück bis in die GMD-Zeit von Bruno Weil, der mich damals als Oratoriensänger holte. Nach einer Pause gab es wieder eine Zusammenarbeit, 2010/11 war ich Artist in Residence.

Woher rührt Ihre Schubert-Verbundenheit?

Prégardien: Schon meine Eltern hatten Schallplatten mit Schubert-Liedern. Mein Gesangslehrer Martin Gründler in Frankfurt hat uns ganzheitlich musikalisch erzogen. Dazu gehörten nicht nur Oper und Konzerten sondern auch das Lied; ich habe mit Schubert und Schumann angefangen. Anschließend habe ich viel von Hartmut Höll gelernt, Professor für Liedgestaltung in Karlsruhe. Junge Sänger sind kaum als Liedinterpreten gefragt. Für mich ging es erst richtig los nach der CD „Schönen Müllerin“ mit Andreas Staier. Jetzt gebe ich 40 Liederabende pro Jahr.

Haben Sie die Oper aufgegeben?

Prégardien: Wenn Sie Professor sind, können Sie nicht acht Wochen weg bleiben. Seit 2006 mache ich Oper nur noch Konzertant, im Juli „Idomeneo“ mit Kent Nagano in Ingolstadt.

Bei der Schubert-Reihe ist ja fast Ihre ganze Familie zu erleben. Tritt Ihr Sohn Julian in Ihre Fußstapfen?

Prégardien: Meine Frau Samira spielt Klarinette, sie hat bei Sabine Meyer studiert, ist Lehrerin und nebenberuflich Klarinettistin. Bei meinem Sohn Julian gab es viele Vorbehalte schon wegen des Namens Prégardien, aber er steckt das alles weg. Er gewinnt das Publikum, weil er eine eigenständige Künstlerpersönlichkeit ist. Er geht seinen eigenen Weg.

Wie ist das Programm für Duisburg entstanden?

Prégardien: Ich wollte zu meinem 60. Geburtstag die drei Schubert-Zyklen mit drei Pianisten aufführen, die mir wichtig sind: Michal Gees, mein Partner der ersten Stunde, Hartmut Höll, meinem Lehrer, dessen kompromissloser Art ich viel zu verdanken habe und mit dem ich die erste „Winterreise“ gesungen habe, und dem jungen Christoph Schnackertz, der der Kammermusikpartner von Julian und seit zehn Jahren in meiner Gesangsklasse ist. Ein Schüler von Pierre-Laurent Aimard, der nicht auf eine Solo-Karriere aus ist, sondern Spaß an Kammermusik und Liedbegleitung hat.

Mit ihm musizieren Sie „Die schöne Müllerin“, die Sie zuletzt auf CD variiert haben. Wird das in Duisburg auch passieren?

Prégardien: Ja, ich habe das jetzt zum ersten Mal mit Schnackertz live gemacht und war baff, was er sich hat einfallen lassen. Ich möchte junge Sänger ermutigen, auch mit dem Notentext freier umzugehen, zu verzieren im Sinn von Ornamentierung. Das entsteht im Moment, aus der Emotion.

Können Sie kurz erklären, was eine Schubertiade ist?

Prégardien: Das sind Konzerte, die in Wien entstanden sind. Dabei werden Stücke ganz unterschiedlicher Genres aufgeführt. Ich freu mich sehr darauf – es wird für das Publikum äußerst unterhaltsam.

Liederzyklen und Schubertiade

Vier Kammerkonzerte im Theater am Marientor stehen im Zeichen Schuberts. Prégardien interpretiert die Liedzyklen „Die schöne Müllerin“ (Sonntag, 31. Januar, 19 Uhr) mit Christoph Schnackertz am Klavier, die „Winterreise“ (21. Februar, 19 Uhr) mit Hartmut Höll und den „Schwanengesang“ (13. März, 19 Uhr) mit Michael Gees. Einen Höhepunkt bildet die Schubertiade (20. Februar, 19 Uhr), die versucht, die ebenso künstlerisch-kreative wie heiter-gesellige Welt des Freundeskreises Schuberts aufleben zu lassen. Raritäten aus Schuberts Liedschaffen und Ensemblegesängen erklingen an diesem Abend mit Christoph und Julian Prégardien (Tenor), Samira Prégardien (Klarinette), den Pianisten Michael Gees und Andreas Frese, den Hornisten der Duisburger Philharmoniker und dem Vokalensemble Camerata Musica Limburg. Es dirigiert Jan Schumacher.

 
 

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