Duisburger Philharmoniker begeistern beim Filmkonzert

Das diesmal 20-köpfige Orchester der Duisburger Philharmoniker spielte zum Stummfilm „Safety Last!“ jene Musik, die der Dirigent Carl Davis dazu selbst komponiert hatte.
Das diesmal 20-köpfige Orchester der Duisburger Philharmoniker spielte zum Stummfilm „Safety Last!“ jene Musik, die der Dirigent Carl Davis dazu selbst komponiert hatte.
Foto: Herbert Höltgen
Dirigent Carl Davis und die Duisburger Philharmoniker begeistern beim Sommerkino-Filmkonzert mit dem Harold-Lloyd-Klassiker „Safety Last!“

Duisburg..  Applaus wirkt ansteckend. Vielleicht klatschte Carl Davis deshalb so begeistert mit. Der weltberühmte Komponist und Dirigent wollte auf diesem Wege seine Hochachtung vor der Leistung der Duisburger Philharmoniker zum Ausdruck bringen. Gemeinsam hatten sie in den 75 Minuten zuvor das Sommerkino-Publikum in der Gießhalle des Landschaftsparks Nord verzaubert. Denn zum wunderbaren Stummfilm „Safety Last!“ mit Harold Lloyd lieferten Davis und die Philharmoniker die kongeniale musikalische Begleitung. Ein Filmkonzert, das seinen Platz im Gedächtnis der Besucher sicher hat.

Dreimal hatten die 20 Philharmoniker und der in London lebende und bald 80-jährige Carls Davis im Vorfeld miteinander geprobt. „Und unsere Leute waren allesamt aus dem Häuschen“, verriet Dr. Alfred Wendel, der Intendant der Philharmoniker. Davis gilt weltweit als begnadeter Komponist und Experte für Stummfilmmusik. „Für Safety Last hat er eine wirklich geniale Partitur geschaffen“, lobte Wendel. „Denn sie trifft geradezu optimal den Ton der 20er Jahre.“

Eine wichtige Inspirationsquelle

Um das hinzubekommen, hatte sich Davis vorher extrem mit jeglichen Musiktiteln und -richtungen auseinandergesetzt, die im Entstehungsjahr des Films (1923) angesagt waren. Das wusste Sommerkino-Macher Kai Gottlob zu berichten. „Die Haltung von Davis dabei war: Die Filme von Harold Lloyd waren stets Jetzt-Zeit-Komödien, also bedarf es auch die dazu passende Jetzt-Zeit-Musik, um sich beim Komponieren von ihr inspirieren zu lassen“, so Gottlob. Fazit: Davis hat das auf herausragende Art und Weise hinbekommen.

Die Musik ist sehr bläserdominiert, trifft in den jeweiligen Szenen stets genau das richtige Tempo und wartet nehmen einem eingängigen Grundthema auch mit einer Reihe von Effekten auf. Ob die Werkssirene, eine Klingel oder ein abgebrochener Fahnenmast: Die passenden Geräusche und Töne werden mit perfektem Timing synchron zum Leinwandgeschehen serviert.

Natürlich waren die Plätze in dem 20-köpfigen Klangkörper, der mit Davis zusammenarbeiten durfte, unter den Philharmonikern begehrt. Werden diese Plätze unter den Interessenten verlost? „Aber nein“, antwortet Intendant Wendel. „Das regeln die Musiker selbst untereinander. Und bisher haben sie sich immer geeinigt.“

Jene, die diesmal leer ausgingen, hätten dafür das Privileg, eher ihren Urlaub antreten zu können, so Wendel. Die 20 Filmmusiker müssen hingegen noch bis nach ihrem heutigen dritten und letzten Sommerkino-Auftritt warten, ehe auch sie in die Orchesterferien gehen können. „Die letzten Tage mit Carl Davis waren aber so toll, die haben sich schon wie Urlaub angefühlt“, sagte der fürs Schlagzeug zuständige Rafael Sars direkt im Anschluss der Aufführung. Und diese pure Begeisterung war ihm in seinen lachenden Augen anzusehen.

Lloyd baumelt an den Uhrzeigern

Bemerkenswert ist auch, dass ein inzwischen 93 (!) Jahre alter Film noch die Herzen und Hirne der Menschen erreicht. Harold Lloyds Mimik und Slapstick-Einlagen funktionieren auch im Jahr 2016 perfekt. Die mit 900 Besuchern prima gefüllte Gießhalle lachte mit, fieberte mit und bangte mit. Vor allem in der berühmtesten Sequenz dieses Films, als Lloyd die Fassade eines Hochhauses emporklettert und sich nach einem Beinahe-Absturz nur noch an den Zeigern einer Uhr festklammern kann.

Nach der letzten Einstellung setzt sofort ein Applaussturm ein, der sich zum Orkan hochschaukelt. Und das völlig zu Recht!

 
 

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