Duisburger Pflegedienst ist führend in der Pflege Demenzkranker

Annette Kalscheur
In der Demenz-WG der Alpha gGmbH in Duisburg Homberg funktioniert die Nachtlampe am Bett per Bewegungsmelder. Das minimiert die Sturzgefahr.
In der Demenz-WG der Alpha gGmbH in Duisburg Homberg funktioniert die Nachtlampe am Bett per Bewegungsmelder. Das minimiert die Sturzgefahr.
Foto: WAZ FotoPool
Der ambulante Pflegedienst Alpha aus Duisburg Homberg gehört zu den 100 Preisträgern des bundesweiten Wettbewerbs „Land der Ideen“. Ihr Konzept: Mit gezielt eingesetzter Technik die Pflege verbessern, Pflegende entlasten, das Leben sicherer machen.

Duisburg. Ihr Konzept ist so gut, dass sie zu den 100 Preisträgern des Bundeswettbewerbs „Land der Ideen“ gehören: Selbst bestimmtes Leben im Alter 2.0 sozusagen. In den drei Demenz-Wohngemeinschaften der Alpha gGmbH in Homberg ist Technik Trumpf. Aber sie fällt nicht auf, sie ist einfach nur da, wenn man sie braucht: ein Nachtlicht, das angeht, sobald die Füße über der Bettkante baumeln, oder ein Alarm, der die Betreuer anfunkt, wenn ein Demenzkranker auf nächtliche Wanderschaft geht.

Für solche einleuchtenden Lösungen entwickeln Praktiker und Techniker seit mehreren Jahren gemeinsam. Auf der einen Seite die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes Alpha, auf der anderen Seite die Inhaus gGmbH, ein Ableger des Fraunhofer Instituts. Schnelle erste Erkenntnis: je dezenter, desto besser. Alles was blinkt oder was die Bewohner am Körper tragen müssten, kam nicht gut an, erzählt Heike Perszewski, Geschäftsführerin von Alpha. So dezent wie möglich, aber präsent, wenn nötig, lautet die Faustformel.

Ohne Gebrauchsanweisung

Den Bewohnern soll größtmögliche Freiheit gewährt werden: „Hier kann jeder nachts aufstehen und kochen“, erklärt sie mit Blick auf die bei Dementen typische Schlaf-Wach-Umkehr. Weil der Herd aber erst funktioniert, wenn er durch eine versteckte Eieruhr scharfgeschaltet wird, können die Bewohner an den Knöpfen drehen, auch Töpfe drauf stellen – aber es passiert nichts. Nur jene, die kognitiv noch fitter sind, können sich vor dem Morgengrauen schon ein Ei braten.

Im Fokus der Entwicklung steht auch das Pflegepersonal, das mit dem System umgehen muss. So intuitiv wie möglich, ohne Gebrauchsanweisung erschließt sich daher die Bedienoberfläche. Das lockte bereits Pflegedienste von der Schweiz bis Australien nach Homberg, erzählt Perszewski.

Unterstützungbedarf im Alter

Die Technik funktioniert auch im Kleinen, hilft Menschen mit Demenz, länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Nach Schätzungen der ambulanten Pflegedienste sind über 20 Prozent der daheim betreuten Senioren dement. Wer seinen Lebensabend ohne Partner verbringt, trägt ein um 170 Prozent höheres Risiko, bei einer Demenzerkrankung in ein Pflegeheim umziehen zu müssen, als Personen mit Partner.

Das ergaben Forschungen der Berliner Charite. Und die Zunahme der Ein-Personen-Haushalte lässt die Vermutung zu, dass zukünftig der Unterstützungsbedarf im Alter höher sein wird als bisher, da traditionelle familiäre Hilfssysteme tendenziell abnehmen werden, resümierte der letzte Demenzbericht der Stadt Duisburg.