"Duisburger Manifest" ruft zu mehr Bürgerbeteiligung auf

Alfons Winterseel
Benötigt Duisburg diese Großprojekte?
Benötigt Duisburg diese Großprojekte?
Foto: WAZ FotoPool
Der Abschied vom Größenwahn und mehr Bürgerbeteiligung sind nur zwei der Hauptthemen aus dem "Duisburger Manifest", das im Umfeld von Alt-OB Josef Krings und Professor Roland Günter entstand.

Duisburg. Mehr Bürgerbeteiligung, weniger Lobbyismus, eine neues Verwaltungsdenken und Abschied vom Größenwahn – vier Themen aus dem „Duisburger Manifest“, das aus der Feder eines Kreises um den Oberhausener Professor Roland Günter und Alt-Oberbürgermeister Josef Krings stammt. Unter dem Titel „Kein Geld? – Trotzdem handeln mit Visionen“ rufen sie dazu auf, „die Köpfe zu verändern“.

Neben Günter und Krings haben Franz Tews, Superintendent Armin Schneider, der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde, Michael Rubinstein, Pfarrer Austen Peter Brandt (Träger des alternativen Aachener Friedenspreises), Umwelt-Mediziner und Bürger-Initiativgründer Michael Lefknecht an dem Manifest mitgearbeitet. Auf der Pressekonferenz war auch Theo Steegmann von der Bürgerinitiative Neuanfang für Duisburg dabei.

Größenwahn, dass war für Josef Krings das Ansinnen, mit der Angabe, dass 1,5 Mio. Menschen zur Loveparade nach Duisburg kommen, ein Geschäft zu machen. Auch die Millionen verschlingenden Projekte Erweiterung Küppersmühle und Landesarchiv, das Factory Outlet Center, dem eine ganze Siedlung zum Opfer fällt, und der Grüngürtel Bruckhausen, der Wohnungsbestand vernichte statt ihn zu sanieren, sind nach Ansicht der Verfasser Zeichen des Größenwahns.

Und anstatt ihm weiter zu huldigen, müsse – auch ohne (viel) Geld – eine neue Stadtpolitik erfolgen. Und sie soll den Bürger in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellen. „Politik muss mit menschlichem Maß betrieben werden“, erklärte Alt-OB Josef Krings, der zugab selbst einmal Irrwege in der Kommunalpolitik erlegen zu sein. „Es ist falsch, eine Stadt wie einen Konzern zu leiten. Die Verwaltung ist ein Dienstleister der Menschen.“

Bürger müssen selbst Ideen entwickeln können

Für Michael Rubinstein ist „Integration Bürgerarbeit“. Institutionen seien zwar wichtig, doch die Wirkung aufgelegter Programme zur Integration verpuffe schnell: „Was ist denn von der Integrationskonferenz übrig geblieben? So gut wie Nichts!“

Bürger müssten selbst Ideen entwickeln können, doch dazu brauche es Räume, die die Stadt in den Wohnquartieren schaffen könnte. Monokultur wie in Marxloh unter Türkisch- oder Neumühl unter Russlandstämmigen dürfe nicht länger zugelassen werden. „Wenn wir etwas von ihnen erwarten, müssen wir uns auch fragen: was bringen wir selbst ein?“

Armin Schneider: „Hochglanzprojekte bringen die Stadt nicht weiter.“ Die Stadt brauche Orte der Begegnung, um die Menschen zusammenzubringen. Dafür können Kirchen Räume bieten.

Michael Lefknecht plädiert für mehr Bürgerbeteiligung: „Das müssen wir alle lernen, vor allem aber die Verwaltung.“ Sie dürfe den Bürger nicht „als störend empfinden“, sondern müsse ihnen auf Augenhöhe begegnen, dann würden sich mehr Menschen mit ihrer Stadt identifizieren.

"Kein Geld? – Trotzdem handeln mit Visionen!"

Theo Steegmann fordert ebenfalls mehr Mitsprache für die Bürger und plädierte für ein Moratorium für das Factory Outlet Center, das die Siedlung am Zinkhüttenplatz verdränge: „Vielleicht geht es ja auch eine Nummer kleiner.“

„Kein Geld? – Trotzdem handeln mit Visionen!“ ist in der Schriftenreihe „Einmischen und Gestalten“ (Werkbund) erschienen. Neben dem Aufruf, neue Visionen für die Stadt zu entwickeln, enthält es eine Reihe von Vorschlägen, die teilweise ohne Geld zu realisieren sind. Geld sparen könne die Stadt, „wenn sie nicht in die Falle von Großprojekten geht“, heißt es darin.