Duisburger Literatur-Tour per Ausflugsschiff

Sabine Merkelt
Autoren aufs Schiffstour (v. l.): Markus Orths , Sibylle Lewitscharoff und John von Düffel.
Autoren aufs Schiffstour (v. l.): Markus Orths , Sibylle Lewitscharoff und John von Düffel.
Foto: WAZ FotoPool
Drei renommierte Autoren, eine Kiste mit Büchern und ein ganzes Schiff voller Zuhörer waren die Zutaten zu einem besonderen Literaturabend, der die neue Saison des Vereins für Literatur und Kunst eröffnete. Über eine besondere Literatur-Tour über den Rhein-Herne-Kanal.

Duisburg.  Drei renommierte Autoren, eine Kiste mit Büchern und ein ganzes Schiff voller Zuhörer waren die Zutaten zu einem besonderen Literaturabend, der die neue Saison des Vereins für Literatur und Kunst eröffnete. „Wir fahren in das Rhein-Herne-Kanaljubiläum hinein“, verrät Petra Dobler-Wahl an Bord des voll besetzten Ausflugsschiffes „Stadt Duisburg“ den Fahrgästen. „Und wir werden auch schleusen.“

Die Kanalfahrt ist zugleich die erste von drei „Titel on Tour“-Lesereisen des NRW-Kultursekreteriats, bei der Autoren unterwegs an ungewöhnlichen Orten aus ihren Werken vorlesen. Kapitän Stefan Anders legt ab und steuert durch den Hafenkanal, an dessen Kaimauer ein halber Roman gesprayt ist.

Den Anfang der Lesung im Schiffsbauch macht Markus Orths mit seiner Vorstellung vom Ende. Er liest aus seinem Roman „Alpha & Omega – Apokalypse für Anfänger“. Der spielt in der nahen Zukunft und mit der Frage, was wäre, wenn die Physiker bei ihren Teilchenexperimenten ganz zufällig ein schwarzes Loch erzeugen würden, das nicht gleich wieder zerfiele – sondern langsam größer würde, Neutrinos fräße und Büroklammern, Teilchenphysikerinnen und Katastrophenfilmregisseure samt Kamera und Hubschrauber? Die Sache wirft in Hochgeschwindigkeit weitere Fragen auf: Ist die Welt noch zu retten? Hatte Stephen Hawking etwa unrecht? Und was ist eigentlich mit Religion?

Pünktlich zur ersten Pause fährt die „Stadt Duisburg“ in die Meidericher Schleuse ein und rauscht in dem engen Schacht empor. Unten befragt Moderator Hermann Wallmann die Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff zu ihrem ersten Kriminalroman „Killmousky“. „Reden Sie doch nicht drum herum“, verweist sie ihn schwäbisch-direkt, „der wurde von der Kritik total verrissen“. Um so gespannter sind die Lauschenden, aus diesem geschmähten Werk zu hören. Lewitscharoffs Stimme erweckt den einsamen Verhörspezialisten Ellwanger zum Leben, der einem Kindsentführer Folter androht und sich fragen muss, warum der Verbrecher ihm denn glaubt, dass er das wirklich tun würde. Killmousky, den Kater des Ermittlers, „lieh“ sich Lewitscharoff bei der englischen Krimiserie „Barnaby“ aus, die sie wegen der Schauspieler und der verschwenderischen Ausstattung liebt. Den deutschen „Tatort“ dagegen findet sie oft zum Verzweifeln schlecht gefilmt.

Auf dem beleuchteten Oberdeck warnt der Kapitän vor niedrigen Kanalbrücken in der Dunkelheit: „Setzen Sie sich lieber hin.“ Unten sagt der Dramaturg und Autor John von Düffel, dass er lieber im Wasser sei, als auf einem Schiff. Der passionierte Schwimmer liest Kurzgeschichten aus dem Band „Wassererzählungen“ und schildert ein Eisbad in der winterlichen Ostsee so klirrend und atemberaubend, dass alle Zuhörer doch lieber auf dem Schiff bleiben. Nach vier Stunden macht das Schiff wieder am Steiger fest. „Die Zeit ist verflogen“, sagen die Lesereisenden, als sie von Bord gehen.