Duisburger Lehrer wollen weiter an G8 festhalten

Das sogenannte „Turbo-Abitur“ war lange Zeit umstritten und sorgt auch nun wieder im Land für Debatten. In Duisburg wollen die  Leite der Gymnasien aber weiter an G8 festhalten.
Das sogenannte „Turbo-Abitur“ war lange Zeit umstritten und sorgt auch nun wieder im Land für Debatten. In Duisburg wollen die Leite der Gymnasien aber weiter an G8 festhalten.
Foto: WAZ FotoPool
  • Schulleiter der Duisburger Gymnasien wollen bei G8 bleiben
  • Für die Rückkehr zu G9 fehlen Lehrkräfte
  • Die Meinungen in der Elternschaft sind gespalten

Duisburg.. Auch in Duisburg wurde darum lange gerungen: Um das „Turbo-Abi“ (G8) mit der verkürzten Schulzeit von acht Jahren. Doch seit 2010 besteht in der Stadt ein „Schulkonsens“ und G8 wird praktiziert und ist akzeptiert. Doch jetzt bricht im Land der alte Streit neu auf - denn Landtagswahlen sind in Sicht und NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann sucht den Kompromiss und spricht vom sanften Wandel von G8 zu G9: Das Flexi-Abitur. Wie sieht man dies in Duisburg? Turbo-Abi beibehalten, oder wieder ein Jahr länger auf die Penne, oder doch eine Flexi-Mischung aus allem?

Detlef Wöstefeld, Leiter des Walsumer Kopernikus-Gymnasiums und Sprecher aller Schulleiter-Kollegen an Gymnasien winkt ab: „Wir bleiben bei G8.“ Ständige Anpassungsprozesse der Stundentafel, der Stundenraster sowie durch zahlreiche Lösungen der Schulen vor Ort hätten das System so reformiert, dass „sowohl bei der Schülerschaft als auch bei der Eltern eine hohe Zufriedenheit“ mit den gemeinsam erreichten Lösungen entstanden sei.

Richtlinien wurden angepasst

Ähnlich sieht es auch Christof Hering, Leiter des Landfermann-Gymnasiums im Wasserviertel: „In den letzten Jahren“, so sagt er, „ist die Belastung in G8 - zuletzt noch einmal als Folge der Ergebnisse des so genannten runden Tisches - immer weiter gesenkt worden.“ Die Richtlinien seien angepasst worden, es gebe flexible und freiwillige Angebote für Förderung und Forderung. Das Jahr nach dem Abitur werde oft als freiwilliges soziales Jahr oder für ein Auslandsjahr genutzt, das eben seltener während der Schulzeit gemacht werde. Konsequenz: „Eine Zunahme an Belastung gegenüber G9 von früher ist nach unseren Erfahrungen sachlich nicht mehr feststellbar und die beruhen auf vielen Rückmeldungen und Evaluationen von Eltern.“

Hering verweist auf G9-Gymnasien in den Nachbarstädten – in Duisburg wird G9 nur von Gesamtschulen angeboten: „G9-Gymnasien, zum Beispiel in Essen, erfreuen sich keineswegs eines großen Zulaufs!“ Und Hering gibt ein weiteres Argument für das Festhalten am Turbo-Abi: Für die Rückkehr zur längeren Schulzeit würden heute schlicht die Lehrer fehlen. „Schon jetzt brauchen wir für Inklusion und Integration von Flüchtlingskindern immer mehr Lehrer, die wir nicht bekommen und die es zum Teil nicht einmal gibt. Jede Verlängerung der Schullaufbahn verlangt mehr Lehrer.“ Die stünden derzeit weder zur Verfügung, noch hätte das Land das Geld dafür.

Im Homberger Haniel-Gymnasium wie im Hochfelder Mercator-Gymnasium wären - so sagen ihre Schulleiter - eine einheitliche Sekundarstufe I (bis Klasse 10) und eine zweijährige SII (Gymnasium) wünschenswert.

Klare Antwort fällt schwer

Der Sprecherin der Elternschaft der Duisburger Schulen, Dr. Christina Herold, persönlich eine Anhängerin für mehr Schulzeit und mehr ­Pädagogik für Kinder in der Pubertät, fällt derzeit eine klare Antwort auf die Frage „Was denken die Eltern“ schwer: „Denn die Elternschaft ist in zwei gleich große Teile gespalten.“

Sie werde auf der kommenden Mitgliederversammlung ein aktuelles Meinungsbild erheben und an die Landeselternschaft weiterreichen. Christina Herold: „Wichtig für uns sind aber auch klare Verhältnisse, entweder G8 für alle oder G9 für alle!“

 

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