Duisburger Landesarchiv öffnete die Türen

Daniel Spliethoff
Kordula Bonacker mit Sohn Jona besichtigten zum Tag des Archivs den Leseraum des neuen Landesarchivs im Duisburger Innenhafen.
Kordula Bonacker mit Sohn Jona besichtigten zum Tag des Archivs den Leseraum des neuen Landesarchivs im Duisburger Innenhafen.
Foto: WAZ-Fotopool

Duisburg. Was hat es nicht alles für Diskussionen um das neue Landesarchiv am Innenhafen gegeben? Explodierende Kosten und Diskussionen um Korruption hatten den Neubau dieser Institution in Duisburg in ein schlechtes Licht gerückt. Jetzt konnten sich viele Besucher am Tag der Archive zum ersten Mal von den inneren Werten des Landesarchivs überzeugen. Ihr Urteil fiel zum größten Teil positiv aus.

Gerade der neue Lesesaal hatte es vielen Besuchern angetan: „Das Licht flutet durch die Fenster hier rein, das ist sehr schön. Es ist alles sehr aufgeschlossen, hell und übersichtlich“ fand zum Beispiel Karin Kolboske, die extra aus Neukirchen-Vluyn gekommen war, um das neue Gebäude zu begutachten. Barbara Lüdecke nutzt Archive gerne, um die Heimatgeschichte zu ergründen oder Familienforschung zu betreiben: „Im Vergleich zum alten Landesarchiv ist das super. Dass hier jetzt alles gebündelt ist, macht die Forschung schon sehr viel leichter“, urteilte sie.

Prozess mit Neugier verfolgt

Fragen nach den horrenden Kosten für das wellenförmige Haus der Schriften finden die meisten Besucher sogar abwegig: „Das schließt doch den Innenhafen sehr schön ab“, findet Duisburger Günther Meinus, der den Prozess von Beginn an mit Neugier verfolgt hat. Er komme einfach gerne her und staune, seine Freude darüber „ist auf keinen Fall getrübt“.

Genau diese Reaktion hatte sich Landesarchiv-Präsident Dr. Frank Bischoff erhofft: „Dass das Archiv so häufig in den Schlagzeilen war, hat nichts mit den Architekten oder dem Landesarchiv selbst zu tun. Ich war von Beginn an vom Konzept überzeugt und fühle mich hier seit dem ersten Tag sehr wohl“, erklärte er den Gästen in seiner Begrüßungsrede im überfüllten Vortragsraum.

Über 100 Regalkilometer

Der Archivturm ist insgesamt 76 Meter und 19 Stockwerke hoch. Höher ging es nur nicht hinaus, weil bei einem 20. Stockwerk eine andere Brandschutzregelung mit Sprinkler-Anlagen nötig geworden wäre. Und Wasser ist in Archiven nicht gern gesehen.

Ab dem 5. Mai kann jeder Besucher die Dienste des Landesarchivs in Anspruch nehmen. Bis dahin sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein und die über 100 Regalkilometer können vollständig eingesehen werden. „Wir wollen das Interesse an der Geschichte bei Land und Leuten wecken, denn wir sind das Gedächtnis unseres Landes“, zeigte sich Präsident Bischoff überzeugt. Die Zukunft wird zeigen, wie die Bürger mit ihrem neuen Archiv umgehen. Sollten die meisten von ihnen eine ähnlich pragmatische Sicht auf die Dinge haben wie die Besucher am Tag der Archive, muss sich Bischoff keine Sorgen machen.