Duisburger komponiert die Musik für Hollywood-Blockbuster

Dirk Hein
Komponist Ramin Djawadi - aufgewachsen in Duisburg-Rheinhausen - schreibt heute in seinem Studio in Santa Monica die Musik für große Hollywood-Filme.
Komponist Ramin Djawadi - aufgewachsen in Duisburg-Rheinhausen - schreibt heute in seinem Studio in Santa Monica die Musik für große Hollywood-Filme.
Foto: Dirk Hein

Duisburg/Santa Monica.  Wenn am Samstag nach Einbruch der Dunkelheit beim Stadtwerke-Sommerkino im Landschaftspark Nord gigantische, weltenzerstörende Aliens und riesige Roboter über die Leinwand toben, dann ist auch ein Stück Duisburg mit dabei. Die Filmmusik des Hollywood-Blockbusters „Pacific Rim“ stammt von Ramin Djawadi (39), der in Rheinhausen aufwuchs und nun im Filmbusiness groß Karriere macht. Der erfolgreiche Revier-Export erklärte uns bei einem Besuch in seinem US-amerikanischen Domizil die Traumfabrik. Ramin Djawadi über…

…den Weg nach Hollywood

Ramin Djawadi lebt seit mehr als zehn Jahren in der Millionen-Metropole Los Angeles. Zuvor studierte er am Berklee College in Boston Musik, spielte dort in Bands und verfeinerte seine Fertigkeiten an der Gitarre. Ihm gelang, was nur höchstselten klappt. Über einen zufälligen Kontakt eines Musikgeschäfts landete er im Studio von Starkomponist Hans Zimmer – und somit mitten in Hollywood. Doch ursprünglich wollte er Arzt werden, so wie sein Vater. Ramin Djawadi: „Die Sache war klar. Ich hatte sogar schon die Tests für das Studium absolviert. In letzter Sekunde habe ich mich für die Musik entschieden. Das habe ich nie bereut.“

…den Alltag in einer Traumfabrik

Filmmusik-Komponist ist kein Job für die Stechuhr. Manchmal dauern die Arbeitstage 15 Stunden. Und länger. In seinem mit Technik gefüllten Studioraum im Vorort Santa Monica gibt es keine Fenster. Wenn es stressig wird, hat er weder was von der kalifornischen Sonne noch von den traumhaften Stränden. Einsam fühlt er sich trotz eher anonymer Telefonkonferenzen dennoch nicht. Djawadi: „Zum Glück arbeiten im Studio noch weitere Komponisten. Man trifft sich dann kurz in der Teeküche und quatscht, woran der andere gerade arbeitet.“

...Rheinhausen und Hollywood

Der Sohn eines Iraners und einer Deutschen reist so oft es geht zurück zur Familie ins Revier. In der Garage der Eltern hängen die Plakate seiner Filme. Er verschickt sie per Post. Los Angeles ist eine andere Welt. Der Komponist hat sich noch immer nicht so recht daran gewöhnt, im Winter mit einem T-Shirt herumzulaufen. Respekt flößt ihm die hohe Erdbebengefahr ein. Kleinere Beben haben ihn schon durchgerüttelt und -geschüttelt. Djawadi: „Alles wackelt. Bis du merkst, was passiert, ist es auch schon wieder vorbei. Meine elektronischen Instrumente sind alle mit einem Notstromaggregat abgesichert.“

… seine Filme und die Erfolge

Aus dem Assistenten ist längst ein gefragter Mann geworden. Djawadi schrieb die Musik zum Actionspektakel „Kampf der Titanen“ und dem Denzel-Washington-Thriller „Safe House“. Für seine Arbeit für die megaerfolgreiche Comicverfilmung „Iron Man“ wurde er sogar für den bedeutenden Grammy nominiert, bei der TV-Reihe „Prison Break“ gab es für ihn eine Emmy-Nominierung. Schmunzler und Ehre zugleich: Seine markante Titelmusik zur Hit-Serie „Game Of Thrones“ wurde sogar im Vorspann der gelben Kult-Familie „Die Simpsons“ parodiert. Eigentlich ein Grund zum Abheben? Eigentlich! Djawadi: „Ich weiß, dass ich hier viel Glück hatte und alles nicht selbstverständlich ist.“

…das Arbeiten mit den Superstars

Bei Kevin Costner saß Djawadi schon im Wohnzimmer. Mit Mike Shinoda von „Linkin Park“ vertonte er das Videospiel „Medal Of Honor“. Replacement-Frontmann Paul Westerberg begleitete ihn beim Trickfilm „Jagdfieber“. Mit Rapper RZA werkelte er am Vampir-Beißer „Blade Trinity“. Und zuletzt bei „Pacific Rim“ kam Tom Morello von Rage Against the Machine vorbei. Starkontakte sind für ihn Alltag. Dass der Komponist aber selbst vor der Kamera landet, ist ungewöhnlich – bei „It’s Complicated“ mit Meryl Streep passierte es dennoch.

Ramin Djawadi: „Sie suchten Partymusiker, die bei einer Szene im Hintergrund spielen sollten. Also haben wir unsere Instrumente eingepackt und sind zum Dreh nach Malibu gefahren. Es war heiß und alle hatten Sorge, dass die Gitarren Schaden nehmen könnten. Aber es hat Spaß gemacht.“