Duisburger Kliniken buhlen mit Geschenken um Neugeborene

Jede Menge Babys: Ein alltägliches Bild im Klinikum Duisburg, wo die Geburtenzahl in den ersten sechs Monaten um 50 Prozent höher liegt als im Vorjahr.
Jede Menge Babys: Ein alltägliches Bild im Klinikum Duisburg, wo die Geburtenzahl in den ersten sechs Monaten um 50 Prozent höher liegt als im Vorjahr.
Foto: Klinikum Duisburg
Nach der Geburt ihres Kindes bekommen Eltern in Duisburg Babytrageschalen als Geschenk. Dort gibt es seit zwei Monaten Babyschalen und Schlafsäcke für Neugeborene. Dies soll Eltern anlocken.

Duisburg.. Als erstes kam offenbar der private Krankenhaus-Betreiber Helios auf die Idee. Frisch gebackenen Eltern spendierte der Träger in manchen Kliniken, zum Beispiel in der Nachbarstadt Krefeld, nach der Geburt ihres Kindes einen „Maxi Cosi“. Die Babytrageschale als Geschenk sprach sich schnell herum. Auch in diversen Internet-Foren, in denen sich junge Mütter austauschen. „Wie krass ist das denn? Seid Ihr Privat-versichert?“, fragte eine Mutter in die Runde.

Was es an Geschenken gibt, werde von einigen Elternteilen schon bei Infoabenden und Führungen durch die Kreißsäle nachgefragt, berichten Mitarbeiter auf den Geburtsstationen. Offenbar tragen die „give aways“, wie man die Werbegeschenke auf neudeutsch nennt, auch zur Wahl des Krankenhauses für die Geburt bei. Fakt ist jedenfalls: Inzwischen ziehen andere Häuser nach.

Klinikum Duisburg zieht mit "give aways" nach

Seit zwei Monaten tragen auch die Mütter, die im Klinikum Duisburg entbunden haben, ihren Nachwuchs in einer geschenkten Babyschale nach Hause. Zudem gibt es - wie in vielen anderen Krankenhäusern ebenfalls üblich - noch einen Schlafsack für das Baby mit auf den Heimweg. Den allerdings aus „prophylaktischen“ Gründen, wie eine Sprecherin des Klinikums erklärt. Der Schlafsack soll zum einen das Risiko eines plötzlichen Kindstods senken, zum anderen verhindern, dass Eltern ihr Neugeborenes sonst mit Decken zu warm zudecken.

Im Bethesda-Krankenhaus, das mit rund 1300 Geburten im Jahr die größte geburtshilfliche Abteilung in Duisburg hat, gibt es statt eines Schlafsacks bislang nur ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich bin ein Bethesda-Baby“. Und auch keine Babytrageschale, für die man im Fachhandel mindestens 70 Euro auf den Tisch legt. Aber auch das Bethesda lockt mit einem Angebot: Väter können seit diesem Monat drei Tage lang kostenlos mit Frau und dem neugeborenen Kind im Familienzimmer übernachten. Immerhin müssten Väter dafür sonst 45 Euro pro Übernachtung bezahlen.

Bethesda baut Kreißsäle komplett um

Abseits der Geschenke versuchen die Krankenhäuser im Konkurrenzkampf durch verbesserte Leistungen und Ausstattungen zu bestehen. Das Bethesda baut seine Kreißsäle komplett um, sie sollen deutlich größer werden, auch ein Empfangsbereich wie in einem Hotel soll zur Wohlfühl-Atmosphäre beitragen. Das Klinikum hatte sich mit dem neuen Chefarzt Prof. Dr. Markus Schmidt vor einem Jahr einen Mediziner mit gutem Ruf ins Haus geholt, der die vorgeburtliche Diagnostik weiter ausbaut. Im ersten Halbjahr 2012 stiegen die Geburtenzahlen im Klinikum deutlich. „An den Maxi Cosis liegt das jedenfalls nicht“, sagt Sprecherin Ute Kozber. „Die gibt es ja erst seit zwei Monaten“.

Der private Betreiber Helios verschenkt an die Neugeborenen zwar weiterhin Schlafsäcke, aber in Krefeld nicht mehr die Babyschalen. „Das war nur eine zeitlich begrenzte Aktion“, sagt Marina Dorsch.

 
 

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