Duisburger Klinik führt Unfallpräventionsprojekt „Party“ ein

Betretenes Schweigen auf der Intensivstation der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik, obwohl nur eine Puppe und kein Mensch die Schläuche im Mund und den Katheter in der Blase hat sowie an die Geräte angeschlossen ist.
Betretenes Schweigen auf der Intensivstation der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik, obwohl nur eine Puppe und kein Mensch die Schläuche im Mund und den Katheter in der Blase hat sowie an die Geräte angeschlossen ist.
Foto: FUNKE Foto Services
BGU führt für Schüler Unfallpräventionsprojekt „Party“ ein, um Gefahren des Straßenverkehrs aufzuzeigen. Premiere mit Gesamtschule Duisburg-Süd.

Duisburg-Buchholz.. Hanna Stringa steht im Schockraum der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik, dem Erstbehandlungsraum. Sie trägt einen Kittel, Mundschutz, eine Haube, Plastikhandschuhe und eine schwere Bleischürze, die vor Röntgenstrahlen schützt. Das ist dort die gewohnte Arbeitskleidung, aber nicht für die 16-jährige Stringa. Für sie ist es eine Premiere. Mit ihren Klassenkameraden von der Gesamtschule Duisburg-Süd besucht sie die Klinik an einem besonderen Unfallpräventionstag.

„Wir stehen hier nicht den ganzen Tag in Blut“, sagt die erfahrene Krankenschwester Nicola Liedl­bauer, die den Jugendlichen erklärt, was im Schockraum passiert. Dass es dort ein „geordnetes Chaos“ gibt, um Leben zu retten. Dass locker bis zu drei Liter Blut ins Becken laufen können und dass sie bei Actionfilmen aus Hollywood weiß, welche Knochen bei einem echten Verkehrsunfall gebrochen wären. „Ich will keinen von Euch jemals auf dieser Trage sehen“, schließt sie ihren etwa viertelstündigen Vortrag.

Der Defibrilator piepst, aber die Gesamtschüler schweigen betreten. Einigen drücken Liedlbauers Geschichten aus dem Berufsalltag, etwa über den Tod eines Verletzten, der ohne Helm Motorrad fuhr, merklich aufs Gemüt.

„Der Straßenverkehr ist viel gefährlicher, als ich bisher gedacht habe“, sagt Hanna Stringa. Gerade hat sie ein Video gesehen, in dem drei junge Frauen starben, weil die Autofahrerin während der Fahrt lieber aufs Handy schaute als auf die Straße. Den Führerschein möchte die 16-Jährige aber trotzdem machen und später vielleicht Krankenpflegerin werden.

Pläne und Träume durchkreuzt

„Uns geht es nicht darum zu schocken“, sagt Dr. Nikolaus Brinkmann, „sondern den Jugendlichen die Augen zu öffnen.“ Sie sollen erfahren, welche tragischen Folgen es hat, im Verkehr unachtsam zu sein. „Ein Moment reicht schließlich, um Zukunftspläne und Träume zu durchkreuzen.“ Weil die Klinik viele junge Patienten habe, hat sie jetzt ein neues Präventionsprogramm ins Leben gerufen, das abgekürzt „Party“ heißt.

Vier mal im Jahr will die BGU nun Klassen aus dem gesamten Niederrhein zum „Party“-Tag einladen und sie alle Stationen von Unfallpatienten erleben lassen, vom Rettungshubschrauber bis zur Reha. Dazu gehören – wie für die Großenbaumer Gesamtschüler auch – Gespräche mit Überlebenden, die querschnittsgelähmt sind. Nikolaus Brinkmann: „Wir wollen möglichst viele Schüler erreichen.“

 
 

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