Duisburger Kita-Verein arbeitet Untreue-Skandal auf

Oliver Schmeer
Betroffene „Zaubersterne“: Claudia Kiesler, die pädagogische Leiterin, Michaela Merfeld-Hilgers als ehemalige Vorsitzende  und  Claudia Scherrer  (v.l.n.r.) arbeiteten gestern auf einer Pressekonferenz den Untreue-Fall auf.
Betroffene „Zaubersterne“: Claudia Kiesler, die pädagogische Leiterin, Michaela Merfeld-Hilgers als ehemalige Vorsitzende und Claudia Scherrer (v.l.n.r.) arbeiteten gestern auf einer Pressekonferenz den Untreue-Fall auf.
Foto: Funke Foto Services
Schock beim Duisburger Kindergarten-Trägerverein „Zaubersterne“, der den Skandalfall aufarbeiten muss, dass 330 000 Euro veruntreut wurden.

Duisburg. Der Untreue-Skandal trifft Duisburgs größten privaten Kindergarten-Verein „Zaubersterne“, der über Jahre wie ein funkelnder Stern über Duisburg als inklusiv und bilingual engagierter Träger aufgegangen ist. „it’s magic“ ziert das Vereinsemblem. Ausgerechnet aus der Familie, heute „Ex-Familie“, der Gründerin und treibenden Kraft der Initiative, Michaela Merfeld-Hilgers, soll der Griff in die Kasse erfolgt sein. Um über 330 000 € geht es. Verein, Justiz und die Stadt arbeiten den ebenso brisanten wie sensiblen Fall ab.

Organisatorisch hat der Verein seine schmerzlichen Lehren gezogen. Eine Holding für die gemeinnützige GmbH soll das Konstrukt aus Kindergärten, bilingualer Schule sowie Fortbildungsverein Campus und Sportverein Reha Vital künftig professionell führen, ein externer Beirat sie kontrollieren, kündigte am Freitag Vereinssprecherin Claudia Scherrer auf einer Pressekonferenz an. Juristisch laufen Zivilverfahren und die Strafanzeige gegen vier Personen. Und die 41-jährige, längst zurückgetretene Gründerin will um ihren „Lebenstraum“ kämpfen: „Die Zaubersterne müssen weiterleben, ob mit mir oder mit anderen ist dabei unerheblich“, sagte sie.

Gelder flossen auf Privatkonten

Der „Fall“: 2014 stieß eine neue Buchhalterin auf fragwürdige Rechnungen, nicht erklärbare Bargeldabrechnungen, die sich auf die mögliche Schadenssumme von 332 000 Euro summieren. Schon im Februar diesen Jahres hatte der Verein die „Unregelmäßigkeiten“ bekannt gemacht, ohne die Details zu nennen. Vor allem nicht den delikaten Verdacht, dass ausgerechnet der Vater der ehemaligen Vereinsvorsitzenden als Täter im Visier ist. Er war über Jahre mit einem Dienstleistungsvertrag als selbstständiger Buchhalter beim Verein beschäftigt. 80 Seiten stark ist die Klageschrift.

Laut Sonderprüfbericht des städtischen Rechnungsprüfungsamtes RPA, das der Verein schnell nach dem ersten Verdacht eingeschaltet hatte, sollen 2013 und 2014 allein 180 000 Euro auf die Privatkonten der Eltern, der Schwester und des Schwagers von Merfeld-Hilgers überwiesen worden sein, „ohne das entsprechende Ansprüche oder sonstige rechtliche Grundlagen für diese Zahlungen bestanden hatten“. Außerdem sollen Kosten, die „eindeutig der privaten Lebensführung zuzuordnen sind“, aus finanziellen Mitteln des Verein bestritten worden sein.

Zuschüsse der Stadt veruntreut

Einen Fall prüfte das RPA genau: Da wurden 37 000 € vom Vereinskonto abgehoben, zwei Tage später wurde ein Mercedes (Listenpreis 56 000 €) auf den Namen des Vaters zugelassen. Die veruntreuten Gelder stammen aus Zuschüssen der Stadt an den Kindergartenträger. Allein für das Kindergartenjahr 2012/13 erhielt der Verein 2,7 Mio Euro vom Jugendamt.

„Da war zunächst das Gefühl von Entsetzen, dann von Enttäuschung“, berichtet Michaela Merfeld-Hilgers. Sie war als Vereinsvorsitzende zurückgetreten, als sich der Verdacht bestätigte. Vater und Schwester waren nicht aus Kungelei, sondern wegen ihre beruflichen Qualifikation in den Verein geholt worden und hätten eigentlich gute Arbeit geleistet, betont sie. Eigentlich. Jetzt hat die 41-Jährige keinen Kontakt mehr zur Familie und hat dagegen vor allem die 600 Familien der KiTa-Kinder und Schüler im Blick, die weiter Vertrauen in die „Zaubersterne“ haben sollen: „Unsere pädagogische Arbeit wird nicht leiden. Wir haben alle eine hohe Verantwortung“, betont die pädagogische Leiterin Claudia Kiesler.

Stadt steht weiter zum Trägerverein Zaubersterne 

Die Stadt steht weiterhin zu dem Zaubersterne-Verein. Ausdrücklich lobt Jugenddezernent Thomas Krützberg die pädagogische Arbeit des Kindergarten-Trägervereins. „An unserer Zusammenarbeit mit dem Verein ändert sich nichts.“ Zudem betont Krützberg, dass der Verein sofort nach den ersten Auffälligkeiten die Stadt informiert habe und auch alle Belege zur Verfügung gestellt habe. Dass ausgerechnet offenbar jemand aus der Familie mit „krimineller Energie“ Geld aus dem Verein gezogen habe, sei „ein Drama für den Verein“.

Pressesprecherin Claudia Scherrer erklärte, dass die Untreue „gut verschleiert“ gewesen sei und man nichts „geahnt“ habe. Von dem Vater der Vereinsvorsitzenden hatten sich die Zaubersterne wegen „Spannungen“ schon vor dem Entdecken der Verdachtsfälle getrennt. Versuche, dass der Schaden beglichen wird, seien auf „taube Ohren“ gestoßen. Scherrer räumt ein, dass der Verein seit seiner Gründung 2008 sehr schnell gewachsen sei und die Verwaltungsstrukturen dem nicht ausreichend gefolgt seien. Die Organisation soll nun in der Holding gestrafft und ein einheitliches Controlling-System geschaffen werden.

Im Kita- und Schulbereich beschäftigt der Verein rund 170 Mitarbeiter und erreicht einen Umsatz von über vier Millionen Euro. Unter dem Dach der Holding arbeiten rund 250 Beschäftigte. Er unterhält aktuell in Duisburg sechs Kindergarteneinrichtungen, darunter der Betriebskindergarten von Thyssen-Krupp Steel. 2012 öffnete der Verein die private bilinguale Sternenschule. Im Hauptberuf ist die Vereinsgründerin und gelernte Physiotherapeutin Geschäftsführerin des Convalesco Therapiezentrums am Klinikum Duisburg.