Duisburger jagen Adolf Sauerland aus dem Amt

Die Abwahl von Adolf Sauerland als Oberbürgermeister ist ein Sieg der Moral. Die Duisburger haben ihren Ersten Bürger nicht nur abgewählt, mit dieser Deutlichkeit haben sie ihn geradezu aus dem Amt gejagt. Ein Kommentar von Ingo Blazejewski.

Duisburg. Die Verantwortung, die Adolf Sauerland nicht übernehmen wollte, haben die Bürger für ihn übernommen. Knapp 130.000 Duisburger, die für die Abwahl gestimmt haben, sind ein ebenso beeindruckendes Ergebnis wie klares Votum. Selbstredend, dass der Abwahlabend ein historischer für Duisburg ist. Es ist ein Triumph der Moral.

Die Hürde war hoch, dass sie die Duisburger nehmen würden, wurde im Vorfeld eher bezweifelt. Mit einer Beteiligung bei einem Bürgerentscheid, die fast an jene der letzten Kommunalwahl heranreicht, hätte aber wohl selbst der Wagemutigste nicht gerechnet. Vor allem, weil die CDU zum Boykott aufgerufen hatte. Umso klarer wirkt das Ergebnis. Die Duisburger haben ihren Ersten Bürger nicht nur abgewählt, mit dieser Deutlichkeit haben sie ihn geradezu aus dem Amt gejagt.

Duisburg befindet sich auf dem Weg zu einem Neuanfang

Der Stadt kann damit nach der Depression der Loveparade-Tragödie der Befreiungsschlag gelingen, der einen Neuanfang tatsächlich ermöglicht. Ein solcher wäre mit dem seit Monaten heftig umstrittenen Amtsträger undenkbar gewesen. Mit der Abwahl ersparen sich die Duisburger die Hängepartie, die noch drei Jahre hätte dauern können. Denn auch eine gescheiterte Abwahl hätte Adolf Sauerland nicht als Wahlerfolg verbuchen können. Die Bürger, die er empört und gegen sich aufgebracht hat, hätten ihn gewiss nicht einfach wieder als ihren Repräsentanten und Ersten Bürger akzeptiert. Eine gescheiterte Abwahl hätte Sauerland weder von seiner Verantwortung befreit, noch hätte sie die gespaltene Stadt wieder vereint.

Stattdessen steht Duisburg jetzt vor einem Neuanfang, von dem bislang keiner so genau weiß, wie er überhaupt aussehen wird. Vor allem die Kandidatenfrage wird die Diskussion der nächsten Tage bestimmen. Die politischen Parteien tun gut daran, ihr Wort zu halten und dieses Thema behutsam anzugehen.

Duisburgern ist schwarzes Loch lieber als ein OB Sauerland

Die CDU hatte die Parteien aus dem Abwahl-Bündnis vehement aufgefordert, einen Gegenkandidaten zu Sauerland zu benennen und nicht einen Neuanfang vorzugaukeln, der nach dem 12. Februar aus einem „schwarzen Loch“ bestehe, wie es der CDU-Vorsitzende Thomas Mahlberg bezeichnete. Das Abwahl-Ergebnis hat gezeigt: Selbst ein schwarzes Loch ist den Duisburger lieber als ein Oberbürgermeister Sauerland.

 
 

EURE FAVORITEN