Duisburger IG BAU: Firma hat Reinigungskräfte „geprellt“

Willi Mohrs
Das Malteser-Krankenhaus St. Anna in Duisburg-Huckingen.
Das Malteser-Krankenhaus St. Anna in Duisburg-Huckingen.
Foto: WAZ FotoPool
Die Gewerkschaft IG BAU erhebt massive Vorwürfe gegen Reinigungsunternehmen, das im Malteser-Krankenhaus St. Anna in Duisburg-Huckingen tätig ist.

Duisburg. „Extrem schmutzige Praktiken“ an einer Klinik prangert die Gewerkschaft IG BAU (Bauen, Agrar, Umwelt) an: Nach ihren Informationen sollen Reinigungskräfte am Huckinger Malteser-Krankenhaus St. Anna „systematisch“ um ihren Lohn geprellt worden sein.

Mehrere bulgarische Beschäftigte der Bonner Firma Malta Clean & Service (MCS), ebenfalls ein Malteser-Unternehmen, hätten unbezahlte Mehrarbeit leisten und fachfremde Arbeiten machen müssen, berichtet Gewerkschaftssekretärin Heike Stoffels. Eine Mitarbeiterin sei sogar gezwungen worden, ihren Lohn an eine Vorgesetzte weiterzugeben. Die IG BAU fordert das Reinigungsunternehmen auf, die „haarsträubenden Zustände“ umgehend zu beenden.

„Die Betroffenen haben Arbeitsverträge von gerade einmal einer halben Stunde pro Woche. Das ist in der Branche nicht unüblich – aber in Duisburg arbeiten die Beschäftigten tatsächlich zwischen 3 und 4,5 Stunden täglich“, sagt Stoffels. Ausbezahlt würden aber maximal zwei Stunden pro Tag.

"Menschen werden ausgenutzt"

Zudem hätten Vorarbeiterinnen von Beschäftigten verlangt, eigene Aufgaben mit zu übernehmen und in Objekten zu reinigen, die nicht zum MCS-Aufgabengebiet gehören – darunter ein privates Gartenhäuschen. Für alle diese Aufgaben hätten die Mitarbeiterinnen keine Bezahlung bekommen, so Stoffels: „Eine bulgarische Mitarbeiterin musste unter Aufsicht mehrmals 650 Euro vom Konto abheben und ihrer Vorarbeiterin geben – ein ungeheuerlicher Vorgang.“ Auch hierzu liege der IG BAU eine eidesstattliche Erklärung vor.

Vom Verbot der Krankmeldung bis hin zu nicht gezahltem Urlaubsgeld seien noch weitere Missstände in der Reinigung am St. Anna-Krankenhaus dokumentiert. Die IG BAU spricht von „Horrorkatalog“ und „Gutsherrenart“ gegen ausländische Beschäftigte. 79 Beschäftigte der Bonner Firma sind nach Angaben des Huckinger Krankenhauses im St. Anna im Einsatz. Seit 2002 sei das Reinigungsunternehmen Auftragnehmerin der Klinik. MCS ist auch in anderen Malteserhäusern tätig.

Auch das Krankenhaus will reagieren

„Eine Gruppe von Vorgesetzten versucht hier eindeutig Menschen auszunutzen, die kaum Deutsch sprechen und sich nicht wehren können“, so Stoffels. Sollte MCS diese Praktiken nicht unterbinden, werde man mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen das Unternehmen vorgehen – bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung.

Auch das Krankenhaus will reagieren: „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte St. Anna-Sprecher Patrick Pöhler. Als Auftraggeber des beschuldigten Unternehmens MCS dränge man dort auf „schnellstmögliche Aufklärung.