Duisburger hilft als "Mitläufer" bei Problemen im Jobcenter

Gestatten: Frank Knott, ehrenamtliche Begleitperson bei Amtsgängen. Bundesweit schlichten und vermitteln Mitläufer bei Bürokratie-Schwierigkeiten.
Gestatten: Frank Knott, ehrenamtliche Begleitperson bei Amtsgängen. Bundesweit schlichten und vermitteln Mitläufer bei Bürokratie-Schwierigkeiten.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Frank Knott ist in Duisburg „Mitläufer“ - eine Begleitperson, die Hllfesuchende bei Konflikten zum Amt begleitet. Die meisten Probleme gibt’s beim Jobcenter. Weil die Stadt spart, landen immer mehr ungelöste Aktenzeichen bei den Mitläufern. 350 von ihnen gibt es im Bundesgebiet.

Duisburg.. Er lässt sich einfach nicht aus der Ruhe bringen. Nur letztens hat er sich aufgeregt, als ein teurer Werbespot der Bundesagentur für Arbeit über die Mattscheibe flimmerte. „Die Regierung lässt Duisburg mit seinem Personalmangel im Jobcenter mutterseelenallein, aber gibt Geld für TV-Werbung aus“, sagt er kopfschüttelnd. Leise, aber ziemlich deutlich. Typisch Knott, 46 Jahre alt, Wut-Experte: Den ganzen Tag kümmert er sich um Menschen, die Stress mit den Ämtern haben, begleitet sie, vermittelt, löst ihr Problem. Er ist Deutschlands einziger Vollzeit-Mitläufer.

350 ehrenamtliche „Mitläufer“ kümmern sich im Bundesgebiet um jene, die in die Mühlen der Verwaltung geraten sind. Keiner ist jedoch wie der Duisburger sechs Tage die Woche im Einsatz. „Ich begleite den Rentner, dessen Sanitätshaus sich weigert, den kaputten Rollator umzutauschen oder Hartz-IV-Empfänger, die ihren Heizkostenzuschuss nicht bekommen und abgewimmelt werden“, erklärt Knott. Wo die Betroffenen vorher bei Sachbearbeitern auf Granit gebissen haben, löst sich das Problem meist in Luft auf, wenn er mitkommt: „Meine Erfolgsquote liegt bei 99 Prozent.“

Knott kann eben mit Worten und Zahlen gut umgehen. Keiner macht ihm ein X für ein U vor. Wenn er dabei ist, hören manche Entscheider überhaupt erst einmal zu, sind vorsichtiger, auch bereiter, Fehler zu korrigieren oder endlich Haken unter Anträge zu setzen. Auch für sie kommt schließlich durch den Beistand der Mitläufer ein lästiges Problem vom Tisch. Denn Knott nimmt den Dampf aus dem Konflikt: „Ich heiße es natürlich nicht gut, aber verstehen kann ich es schon, wenn Betroffene aggressiv werden: Sie haben vielleicht alles richtig gemacht, trotzdem fließt das Geld vom Amt nicht, und Zuhause schieben die Kinder Hunger.“ Mitläufer sind in dem Moment cooler, blicken von außen auf die Situation, betrachten die Sachbearbeiter nicht als Feinde, sondern Verbündete. „So ein Fall wie die 2012 in Neuss erstochene Jobcenter-Mitarbeiterin darf sich nie wiederholen“, sagt Knott. 80 Prozent seiner Fälle sind Konflikte mit dem Jobcenter.

Im Prinzip ein Vollzeitjob

Vier weitere Mitläufer gibt es seit einer Initiative der Piraten-Partei im Sommer 2012 in Duisburg. Wie Knott kooperieren sie mit dem Verein „Bürger für Bürger“. Das „Mitläufer“-Auto stellen 50 Spender, die je 20 Euro gegeben haben und ein Privatmann, der Steuern und Versicherung für ein Jahr zahlt. Benzingeld knapst Knott sich von seinem eigenen Hartz-IV-Satz ab: „Für mich ist es das Schönste, wenn ich sehe, dass einem Menschen geholfen werden konnte – und das ist ja oft gar nicht schwer.“ Nur: Je mehr in der Verwaltung gespart wird, desto mehr Menschen scheinen zwischen die Ritzen der Amtsmaschinerie zu fallen.

Hintergrund Der Andrang bei den Mitläufern wächst jedenfalls stetig. Sie empfehlen nebenbei Ansprechpartner, leisten Aufklärungsarbeit: „Viele arme Rentnerinnen wollen die Grundsicherung nicht beantragen, weil sie fürchten, ihre Kinder würden zur Kasse gebeten. Die muss man mit Engelszungen vom Gegenteil überzeugen.“ Anfangs wollte Knott einen Tag pro Woche helfen, heute läuft er täglich bei fünf Betroffenen mit. „Die Verwaltung müsste mir im Prinzip eine feste Vollzeitstelle geben“, sagt Knott, halb im Scherz. Aber nur halb.

Sein Traum ist freilich ein anderer: „Hinter den Schreibtischen sitzen immer noch manche Sachbearbeiter, die nicht verstehen, dass sie für die Menschen da sein sollen – und nicht umgekehrt. Da setzt durch die Mitläufer hoffentlich ein Lerneffekt ein.“

 
 

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