Duisburger Herzen schlagen in Oranje

Die "Nederlanders Stamtafel" - der Stammtisch der Niederländer, die in Duisburg wohnen und der Duisburger, die Niederländisch sprechen, treffen sich regelmäßig.
Die "Nederlanders Stamtafel" - der Stammtisch der Niederländer, die in Duisburg wohnen und der Duisburger, die Niederländisch sprechen, treffen sich regelmäßig.
Foto: WAZ FotoPool
Studenten gründeten Ende der 1980er-Jahre einen Niederländisch-Stammtisch. Auch heute wird beim Bier kaum ein deutsches Wort gesprochen. Ein Teil der aus Deutschen und Niederländern bestehenden Gruppe hat sogar ein eigenes Theaterstück geschrieben, das sie am 6. November aufführen.

Duisburg.. Das Haus Kaiserberg ist an diesem Abend eine Außenstelle der niederländischen Botschaft: Auf dem Tisch steht ein Fähnchen in Rot-Weiß-Blau. Hauptsprache des Abend ist Niederländisch. Rund um die Flagge hocken Deutsche, deren Herz in Oranje schlägt oder Niederländer, die vor Jahren für den Job oder der Liebe wegen nach Duisburg kamen. Einmal im Monat treffen sie sich zum deutsch-niederländischen Stammtisch. Gegründet wurde die Gruppe Ende der 1980er-Jahre von Studenten, die die Sprache an der Uni studierten – und in den Semesterferien nicht aus der Übung kommen wollten.

„Ich war oft in Winterswijk im Urlaub. Es ist einfach schön, wenn man sich verständigen kann“, erklärt Jürgen Kallinger, warum er sich mit der Sprache des Nachbarlandes beschäftigte. „Die Leute freuen sich, wenn man sie etwas auf Niederländisch fragt – und nicht immer erwartet, dass sie Deutsch können.“ Nur in Venlo müssen die meisten betonen, dass sie gerne Niederländisch reden möchten.

Theaterstück einstudiert

Thomas Neumann ist eigentlich Software-Entwickler. „Ich habe eine Sprache gesucht, die ich nur zum Spaß lerne und nicht, weil ich sie für irgendwas brauche“, erzählt Thomas Neumann. Mit dem Stammtisch hat er eine Runde gefunden, mit der er regelmäßig trainieren kann. Einige hören zudem niederländisches Radio, damit sie den Klang im Ohr behalten. Mit am Tisch sitzt auch Sebastian Ritter. Er hat in Amsterdam studiert. „Ich find’s einfach schön, die Sprache zu sprechen.“ Gequatscht wird über dies und das, den nächsten Urlaub, Fußball oder das Königshaus.

Elfriede van Leeuwen wohnt seit mehr als 50 Jahren in Duisburg. Sie kam der Liebe wegen. Den niederländischen Pass hat sie noch immer. „Früher gab’s mehr Vorbehalte“, erinnert sie sich, als sie mal mit dem Wagen mit deutschem Kennzeichen in ihre alte Heimat fuhr und von ein paar Jungs geärgert wurde. „Da bin ich ausgestiegen und habe denen eine passende Antwort gegeben. Die haben nicht schlecht gestaunt.“ Natürlich interessiert sie sich für das Königshaus: Willem-Alexander mache seine Sache gut, findet sie.

Um Königliches dreht sich auch ein Theaterstück, das einige aus der Gruppe entwickelt haben. Nach ausführlichen Recherchen in bunten Blättern haben sie „Palast Verhalen“, also Geschichtchen auch dem Palast, erdacht. Realistisch, aber nicht unbedingt wahr. Gezeigt werden die Szenen am 6. November an der „Volksuniversiteit“, also Volkshochschule. Beginn ist um 19.15 Uhr.

183 Unternehmer mit niederländischem Pass in Duisburg

Zum Einkaufen in die Niederlande zu fahren, ist der Klassiker – und der Besuch der Niederländer auf deutschen Weihnachtsmärkten ebenso. Doch es gibt auch eine überschaubare Zahl Niederländer, die in der Nähe der Grenze wohnen und in Duisburg arbeitet. 183 Unternehmer mit niederländischem Pass zählt Duisburg. 2012 gab’s 96 Arbeitnehmer, die nach Duisburg fuhren. Erfasst werden die Zahlen von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und „Eures“, einer Einrichtung der EU, die die Mobilität der Arbeitnehmer zwischen den EU-Ländern fördern soll. „In die Niederlande fuhren bisher eher Deutsche aus dem Niedriglohnsektor, es sind aber qualifizierte Niederländer, die sich in Deutschland einen Job suchen“, erklärt Eures-Koordinator Hans-Joachim Kaufmann.

Bas Leeuwenberg ist ein regelmäßiger Grenzgänger. Vor 20 Jahren eröffnete der Physiotherapeut seine Praxis in Duisburg. der Physiotherapeut kam frisch von der Uni – und fand in seiner Heimat keinen Job. „Es gab zu viele Physiotherapeuten, der Markt in Deutschland war besser“, erinnert sich Leeuwenberg. In der Folge eröffneten weitere Praxen unter niederländischer Leitung. „In den Niederlanden muss man studieren, um Physiotherapeut zu werden. Unsere Ausbildung ist besser“, betont der 49-Jährige. Dafür sei das deutsche Gesundheitssystem umfassender. Im Nachbarland gebe es nur eine Grundversorgung für alle.

Deutsch hat Bas Leeuwenberg in der Schule gelernt, das Fachvokabular für den Gesundheitsbereich musste er mit Beginn der Selbstständigkeit erst noch büffeln. 50 Minuten braucht er jeden Morgen zur Arbeit. „Das ist machbar.“ Ein Umzug kam nie in Frage, der Kinder wegen. Inzwischen gefällt ihm Duisburg ganz gut. „Die Stadt hat sich entwickelt.“ Mit den Patienten wird Deutsch gesprochen, untereinander fallen auch schonmal ein paar holländische Sprüche. Alle seine Mitarbeiter haben nämlich in den Niederlanden studiert.

 
 

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