Duisburg

Duisburg: Enis C. (43) soll eigene Kinder mit Dachlatte geschlagen haben und Urin trinken lassen – das sagt der Angeklagte

Enis C. soll seine Kinder als Sklaven auf einer Cannabis-Plantage gehalten haben.
Enis C. soll seine Kinder als Sklaven auf einer Cannabis-Plantage gehalten haben.
Foto: dpa

Duisburg. Es klingt ein wenig nach einer Mischung aus Breaking Bad und einem Horrorfilm, was am Dienstag am Landgericht in Duisburg verhandelt wurde.

Die Vorwürfe gegen Enis C. (43) sind heftig: Er soll eine Cannabis-Plantage im großen Stil aufgebaut haben und seine Kinder und Frau dazu als Sklaven gehalten haben. Sie sollen von ihm geschlagen worden sein, als Strafe sollen sie seinen Urin trinken müssen und verboten bekommen haben, in die Schule zu gehen.

Duisburg: Mann soll Kinder für Cannabis-Plantage gehalten haben

Der gebürtige Türke weint zu Beginn. Mit Brille und gegelten Haaren sieht er nicht wie jemand aus, der zuhause ein unglaubliches Schreckensregime aufbaute.

Schon vor Beginn des zweiten Prozesstages gibt es Aufregung: Der Angeklagte soll im Vorbeigehen eine Geste gegenüber seiner Familie gemacht haben. Als seine Frau den Gerichtssaal im Landgericht in Duisburg betritt, weint und zittert sie heftig.

Enis C. arbeitete als Schweißer auf dem Tagebau Hambach, hat drei Häuser, die er vermietet. Er kommt mit seiner Frau und den sechs Kindern im Alter von zwei bis 20 Jahren eigentlich ganz gut durch. Es klingt nach einer normalen Familie. Doch die Vorwürfe, mit denen Enis C. konfrontiert ist, hören sich ganz anders an.

Er soll eine Cannabis-Plantage aufgebaut haben und seine Familie wie Sklaven für diese eingespannt haben. Als die Tochter einmal zu spät von der Schule kam, soll er sie laut Anklage völlig in Rage mit einer Dachlatte bewusstlos geschlagen.

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Ein anderes Mal soll er eine Pistole einem seiner Kinder an den Kopf gedrückt haben und ihm mit dem Tod gedroht haben. „Ich hasse dich, ich würde dich gerne abknallen, aber du hast keine Lebensversicherung“, habe er laut Anklage gesagt. Seinem Sohn habe er befohlen, seine Schwester zu verprügeln, weil die einen Fehler gemacht habe.

Mussten Söhne und Töchter Urin trinken?

Der traurige Höhepunkte des Martyriums im März 2018: Seine Söhne und Töchter sollen zur Strafe, weil sie die Plantage nicht ausreichend gewässert hatten, seinen Urin trinken müssen. Der Waffennarr sammelte Taschen voller Waffen. Messer, Wurfsterne, Kalaschnikows, Revolver und Pistolen finden die Beamten später bei ihm.

Seine Tochter soll gezwungen worden sein die Schule abzubrechen und sein Sohn keine Ausbildung zu beginnen, um stattdessen auf der Plantage zu arbeiten. Auch seine damals sechs Jahre alte Tochter soll er missbraucht haben. (hier mehr zum ersten Prozesstag)

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Angeklagter widerspricht Vorwürfen

Doch der Angeklagte widerspricht den Vorwürfen: „Ich habe niemandem gedroht, niemanden sexuell belästigt, niemanden mit einer Waffe eingeschüchtert“, sagt er zu den Vorwürfen. „Das stimmt alles nicht“, sagt er. Er vermutet ein Komplott seiner Familie. Aus Angst vor Rache, wenn er schnell wieder aus der Haft sei, hätten sie die Vorwürfe bewusst übertrieben, so seine Vermutung.

Die Familie hatte sich im Juli 2018 Verwandten anvertraut und war dann zur Polizei gegangen. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) nahm den Verdächtigen schließlich fest.

Einzig den Anbau der Cannabis-Pflanzen gestand er. Angefangen habe alles mit einem Gewichtsverlust. Nachdem er schnell innerhalb von nur einem halben Jahr 60 Kilos abgenommen hat, plagen ihn üble Schmerzen durch Nierensteine. Ein Arbeitskollege bietet Cannabis zur Schmerzlinderung an. Es wirkt nicht, doch es bringt Enis C. auf eine Idee. Er beginnt Cannabis anzubauen. „Das war eine blöde Idee“, sagt er heute. So, das ist zumindest damals sein Plan, könne er vielleicht die laufenden Kredite für seine gekauften Häuser schneller abbezahlen.

Aus 20 Samen werden 1.981 Cannabis-Pflanzen

„Ich habe mit einer Lampe, ein bisschen Erde, einem Eimer begonnen“, erzählt er. Ahnung vom Drogenanbau habe er nicht gehabt, berichtet der Angeklagte. 20 Samen, von einem Bekannten aus dem Internet bestellt, sollen den Anfang machen. Am Ende stehen 1.981 Pflanzen, ein Martyrium für seine Familie und der Knast für den Angeklagten auf dem Zettel.

Der geplante Anbau klappte nicht wie erhofft. Mit 20 Cannabis-Pflanzen im Schlafzimmer legte er los, machte daraus Stecklinge und baute schnell das ganze Haus zur Drogenplantage aus. Doch das schnelle Geld durch Cannabis bewahrheitet sich nicht. „Es war nicht das, was es sein sollte. Man war nicht benebelt“, sagt er über die Qualität seiner Pflanzen, die er Kollegen zum Test anbietet, ohne das diese wissen, dass er selbst sie anbaute. Verkauft habe von seinen Drogen nie etwas.

Die Hoffnung treibt Enis C. an

Enis C. denkt immer wieder ans Aufhören. Doch stattdessen macht er gegen den Willen seiner Frau und der sechs Kinder weiter. „Hätte ich mal auf meine Frau gehört“, sagt er mit gesenktem Blick. Angetrieben von der Hoffnung nimmt er Kredite im Wert von 80.000 Euro auf, um mehr Lampen, Dünger und ein Lüftungssystem für die Plantagen zu kaufen. Seine Familie muss irgendwann den Plantagen weichen, zieht in eine kleinere Wohnung, damit die Wohnung im Dachgeschoss ganz zur Plantage umfunktioniert werden kann.

„Es war mehr Platz für die Pflanzen als für Menschen“, fasst der Richter zusammen. „Das war so“, bejaht der Angeklagte.

Beim nächsten Prozesstag soll dann der Sohn und die Ehefrau des mutmaßlichen Folter-Vaters über ihr Martyrium aussagen.

 
 

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