Duisburger Freimaurer öffnen ihre Pforten für Besucher

In der „Deutschen Burg“ heißen Karl Daniel (l.), Thomas Bylicki (Mitte) und Rainer Weiss die Besucher willkommen. Die alten Türen des Tempelsaals werden im neuen Gebäude wieder eingehängt.
In der „Deutschen Burg“ heißen Karl Daniel (l.), Thomas Bylicki (Mitte) und Rainer Weiss die Besucher willkommen. Die alten Türen des Tempelsaals werden im neuen Gebäude wieder eingehängt.
Foto: FUNKE Foto Services
Zur Eröffnung ihres neuen Logenhauses sind alle Nachbarn der Friedenstraße eingeladen. Einblicke in das Leben der fast 200 Jahre alten Bruderschaft.

Duisburg.. Auch wenn die Brüder gerne beisammen sitzen und gepflegte Gespräche führen: Die Freimaurerei ist kein Kaffeeklatsch. Nein, vielmehr ist die Loge ein Bund fürs Leben, in dem die Kultur des Diskutierens gepflegt wird. Das wird schnell klar, wenn man mit Thomas Bylicki und Karl Daniel ins Gespräch kommt. Die beiden sind Vorsitzender, bzw. Altstuhlmeister der Freimaurerloge „Zur Deutschen Burg“, dem mit fast 200 Jahren zweitältesten Verein Duisburgs. Aber was machen die eigentlich? Entgegen aller Vorurteile erklären sie offen das Brauchtum ihrer Bruderschaft und laden zur Eröffnung des neuen Logenhauses nach Hochfeld ein.

Vier Wohnungen werden vermietet

„Wir hatten uns schon länger nach neuen Räumen umgeschaut“, berichtet Karl Daniel. „In unserem Logenhaus an der Königsberger Allee hätten wir viel in die Sanierung investieren müssen.“ Also schlug die Wirtschaftsförderung ihnen die Altbau-Immobilie an der Friedenstraße 100 vor. Diese war zwar ebenfalls sanierungsbedürftig, dafür aber viel größer. „Die oberen vier Wohnungen vermieten wir nun, so dass sich das Objekt refinanziert“, erklärt der Vorsitzende Thomas Bylicki. Am Samstag hat OB Sören Link die Räume bereits offiziell eingeweiht, am 19. Juli sind dann alle Nachbarn zum Fest eingeladen.

Die Freimaurer sind in ihrem Auftreten zwar dezent, machen aber kaum ein Geheimnis aus ihrem Leben in der Bruderschaft. „Das Gerücht des mysteriösen Geheimbundes hält sich dennoch hartnäckig“, sagen sie und lachen: „Vielleicht lesen die Leute einfach zu viele Dan-Brown-Romane.“ Menschen in Kutten, die Tiere opfern? „Keinesfalls!“ Jedoch gibt es viele Rituale, die Außenstehenden rätselhaft bleiben.

Aus allen Schichten der Gesellschaft

Damit können die rund 50 Mitglieder der Duisburger Freimaurerloge aber leben, sie bleiben gern im kleineren Rahmen. „Wir legen Wert auf enge Verbundenheit.“ Dafür stammen die Mitglieder nach eigenen Angaben aus allen Altersklassen und Schichten der Gesellschaft. Nur Frauen dürfen noch immer nicht mitmischen – so steht es seit fast 200 Jahren in den Statuten. Traditionen werden eben hoch gehängt, so wie die goldgerahmten Gemälde, in denen die Abzeichen der Ruhrgebietslogen auf Kohlegrund liegen. Thomas Bylicki und Karl Daniel führen durch die kernsanierten hellen Räumen des Altbaus. Die untere Etage ist ausgestattet mit Bar, Garderobe, Küche und Gesellschaftsraum. „Vielleicht werden wir diesen für externe Veranstaltungen vermieten.“

In der ersten Etage geht es in den Tempel, dem Herzstück des Hauses. Dort wischt ein Handwerker den letzten Baustaub von den Fliesen und in der Ecke steht bereits der maßgefertigte dreieckige Altar. Auf dem Boden in der Mitte des Raumes bilden schwarz-weiße Kacheln eine Fläche. „Das symbolisiert den Dualismus des Lebens“, erklärt Karl Daniel. Wie in einer Art Gottesdienst werden dort bald Rituale vollzogen. Durch die immer gleichen Abläufe verinnerliche man gemeinsame Werte. „Dieses Kribbeln erlebt man nur, wenn man selbst dabei ist“, sagen die Brüder. Ohnehin geht es viel um Symbole und deren Bedeutung. Etwa beim Wappen der Freimaurer, das Winkel, Zirkel und Schwert zeigt. „Die Werkzeuge symbolisieren unser zentrales Anliegen: an sich zu arbeiten.“ Sich Gedanken zu machen und zu reflektieren, seien wichtige Voraussetzungen, um Freimaurer zu werden. „Humanität, Toleranz und Brüderlichkeit – das sind unsere Ideale.“

Soziales Engagement

Zentrales Anliegen der Freimaurer ist es, nicht nur an sich selbst zu arbeiten, sondern humanitäre Werte auch nach außen zu tragen. Daher engagieren sich die Duisburger Freimaurer sozial in der Stadt: Sie spenden etwa für ein Berufskolleg, eine Musikschule oder Projekte des Bürgervereins Duisburg.

Weitere Infos gibt es im Netz: www.freimaurer-duisburg.de

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