Duisburg

Duisburger Frauenhaus muss fast 400 Frauen wegschicken – Das ist der überraschende Grund

Das Duisburger Frauenhaus musste 2017 fast 400 Frauen wegschicken. (Symbolbild)
Das Duisburger Frauenhaus musste 2017 fast 400 Frauen wegschicken. (Symbolbild)
Foto: imago/ Thomas Trutschel
  • 2017 mussten fast 400 Frauen im Frauenhaus abgelehnt werden
  • Frauen bleiben immer länger im Frauenhaus
  • Grund: Sie finden keine Wohnung

Duisburg. 396 - so viele Frauen mussten 2017 beim Frauenhaus Duisburg des Evangelischen Christophoruswerkes e.V. weggeschickt werden. Eigentlich sollten Frauen in Frauenhäusern Schutz und Unterstützung finden, wenn sie und ihre Kinder von häuslicher Gewalt bedroht sind.

Doch die zwei Häuser, die es in Duisburg gibt, sind momentan fast immer vollends belegt. So lag die Auslastung im Haus des Evangelischen Christophoruswerkes e.V. im letzten Jahr bei 95 Prozent. Der Grund: „Viele Frauen müssen länger bleiben als noch im Jahr zuvor“, so die Leiterin Karin Bartl.

Frauen bleiben länger

Derzeit seien 58 Frauen und 64 Kinder in der Unterkunft. „Im Schnitt bleibt eine Frau derzeit 54 Tage im Frauenhaus, das ist länger als noch 2016.“ Besonders Frauen, die nur ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht haben, würden den Schnitt hochtreiben, erklärt Bartl.

Denn viele der Frauen, die nicht wissen, wie lange sie in Deutschland bleiben dürfen, fänden oft keine Wohnung und blieben dadurch gezwungenermaßen länger im Frauenhaus. Bartl versteht aber auch die Vermieter: „Die sagen oft: ,Was mach ich denn nach den drei Monaten, wenn die Frau nicht bleiben darf?'“

Kein Aufnahmestopp

„Wenn wir voll sind, sagen wir aber auch nicht: ,Pech und Tschüss‘. Wir versuchen, niemanden einfach wegzuschicken“, erklärt Bartl. Viele Frauenhäuser in NRW seien außerdem miteinander über das Fraueninfonetz verbunden. So könnten die Mitarbeiter – aber auch die Frauen selbst – einsehen, in welchen Frauenhäusern noch Plätze frei seien.

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Frauenhaus als letzte Möglichkeit

Die überlaufenen Frauenhäuser seien oft die allerletzte Möglichkeit für die Frauen, sagt Bartl. Bei Freunden und Bekannten könnten sie oft nicht unterkommen, da gewalttätige Partner diese meistens kennen würden.

Das sei auch der Grund, warum die Mitarbeiter des Duisburger Frauenhauses erst einmal eine Gefahrenanalyse am Telefon durchführen, wenn die Frauen sich melden würden: Kennt der Gewalttäter alle Freunde? In welchen Stadtteilen hält er sich auf?

In manchen Fällen dürften die Frauen dann gar nicht ins Frauenhaus, denn der Partner könnte sie dort zufällig treffen, so Bartl: „Die Frauen dürfen sich frei bewegen, aber wir müssen sicher gehen, dass ihnen nichts passiert.“

Frauenhäuser im gesamten Ruhrgebiet voll

Laut der Internetseite Fraueninfonetz gibt es im Duisburger Frauenhaus des Evangelischen Christophoruswerkes e.V. derzeit einige Plätze, während das Frauenhaus von Frauen helfen Frauen e.V. Duisburg zurzeit keine Plätze zur Verfügung stellen kann.

Ähnlich voll sei es demnach auch in anderen Frauenhäusern im Ruhrgebiet. Laut Bartl versuchen die Mitarbeiter des Duisburger Frauenhauses dann, einen Platz in einem anderem Haus in NRW oder bundesweit zu vermitteln.

Frauen können sich auch direkt beim „Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen“ unter 08000 116 016 melden und dort nach Frauenhäusern und Unterstützung fragen.

 
 

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