Duisburger Filmwoche mit scharfen Bildern der Wirklichkeit

Thomas Becker
Festivalleiter Werner Ruzicka (links) und die beiden Preisträger Mehdi Sahebi und Carolin Genreith.
Festivalleiter Werner Ruzicka (links) und die beiden Preisträger Mehdi Sahebi und Carolin Genreith.
Foto: Tanja Pickartz
  • Bei der 40. Duisburger Filmwoche wurden im Filmforum die Preisträger präsentiert
  • Flucht und Flüchtlinge waren wichtige Themen der Filmemacher
  • Festivalleiter Werner Ruzicka zog Bilanz:Starkes Programm mit starken Filmen

Nach fast einer Woche des fachkundigen und intensiven Sehens verkündete die Jury im voll besetzten Filmforum die Preisträger der 40. Duisburger Filmwoche. Dabei präsentierten die Experten dem mit Spannung wartenden Publikum und den vielfach selbst auf einen der begehrten Preise hoffenden Filmemachern wie immer auch Begründungen für ihre Entscheidungen.

Den mit 6000 Euro dotierten Arte-Dokumentarfilmpreis erhielt Philipp Scheffner für seinen Film „Havarie“. Die Begründung der Jury: „Eine Einstellung, die unentwegt ein Boot mit Flüchtlingen im Mittelmeer fixiert. Die Meeresoberfläche wird zum Projektionsraum. Der Ton wandert zwischen Seeleuten, Geflüchteten, Rettern und Touristen. Im Bild stellt sich an einem Ort mit präzisen Koordinaten die Standortfrage.“

Der ebenfalls mit 6000 Euro dotierte 3sat-Dokumentarfilmpreis ging an „Brüder der Nacht“ von Patric Chiha. Der Film überzeugte die Jury, „weil er es im nächtlichen Wien vollbringt, Schattengestalten ins Licht zu setzen, ohne sie völlig auszustellen. Die filmischen Mittel sind jene des Spielfilms. Ein Figurenuniversum wie aus den Filmen Rainer Werner Fassbinders“.

Der mit 5000 Euro ausgelobte Förderpreis der Stadt Duisburg ging an „Mirr“ von Mehdi Sahebi. Ein Film über die systematische Landenteignung im Nordosten Kambodschas. Die Dorfgemeinschaft inszeniert die Folgen der Landenteignung als Film.

Den Nachwuchspreis „Carte Blanche“ des Landes NRW in Höhe von 5000 Euro erhielt Kurdwin Ayub für „Paradies! Paradies!“. Ein Besuch im kurdischen Autonomiegebiet des Irak. Regisseurin Kurdwin Ayub begleitete ihren Vater Omar an den Ort, von dem die Familie vor längerer Zeit geflüchtet ist. Die Jury sah „Zweckoptimismus im Rohbau des Sehnsuchtsorts“. Der Publikumspreis der Rheinischen Post von 1000 Euro ging an „Happy“ von Carolin Genreith.

Festivalleiter Werner Ruzicka zog Bilanz: „Ein starkes Programm mit starken Filmen und zum Abschluss starke Preisträger. Mehr kann man sich zum 40-jährigen Jubiläum nicht wünschen.“ Es sei wieder einmal Zeit für das Dokumentarische, für den Diskurs und für Duisburg gewesen. Das Publikum bekam sieben Uraufführungen und zwei Deutsche Erstaufführung präsentiert.