Duisburger Filmemacher vergießen literweise Herzblut für den MSV

Die Macher von „Meidericher Vizemeister“ erzählten bei der Premiere am 30. März 2014 im Duisburger Filmforum am Dellplatz von ihrer 15 Monate verzehrenden Arbeit: (v. l.) Michael Wildberg, Matthias Knorr und Kristian Lütjens.
Die Macher von „Meidericher Vizemeister“ erzählten bei der Premiere am 30. März 2014 im Duisburger Filmforum am Dellplatz von ihrer 15 Monate verzehrenden Arbeit: (v. l.) Michael Wildberg, Matthias Knorr und Kristian Lütjens.
Foto: Martin Broermann
Ihre Filmdokumentation erobert derzeit die Fanszene des MSV Duisburg im Sturm: Die WAZ blickt auf die Macher von „Meidericher Vizemeister“, der nun noch weitere Male im Filmforum gezeigt wird und auch als DVD-Ausgabe in Rekordzeit ausverkauft war.

Duisburg.. Die bislang sieben Kino-Vorführungen im Filmforum? Waren mit einer Ausnahme immer bis auf den letzten Platz gefüllt! Die mit einer Startauflage von 1000 Exemplaren veröffentlichte DVD? War innerhalb von anderthalb Tagen ausverkauft! Die Filmdokumentation „Meidericher Vizemeister“ schwimmt auf einer Welle des Erfolgs.

Das mit literweise Herzblut gefertigte Werk hat eine (fast) vergessene MSV-Mannschaft aus den Anfangstagen der Bundesliga zurück ins heutige Bewusstsein von Verein und Fanszene geholt. Eine Streicheleinheit für die zuletzt so oft geschundene Zebra-Seele, die der fußballinteressierten Nachwelt auf ewig erhalten bleibt.

Ein Denkmal setzen

„Wir wollten die Geschichte der 63er-Mannschaft erzählen, deren Kern aus neun Meiderichern bestand“, erzählt Michael Wildberg der WAZ. Mit Matthias Knorr und Kristian Lütjens bildete er jenes Trio, das sich in einer Art Selbstversuch das Filmemachen beibrachte – und dessen Erstlingswerk gleich ein Volltreffer wurde. „Dieser Mannschaft ist lange nicht das zuteil geworden, was sie verdient hatte“, sagt Wildberg. „Manch einer der Helden von damals wurde über den Leisten gezogen, die meisten wurden vom Verein einfach ignoriert und allein gelassen. Mit dem Film wollten wir dieser Mannschaft ein Denkmal setzen und dafür sorgen, dass man sie nie wieder vergisst.“ Ein Vorhaben, das zweifelsohne geglückt ist.

Den Entschluss, dieses Filmprojekt zu stemmen, fällten die drei MSV-Anhänger im Februar 2013. Und das, typisch Ruhrpott, beim Pommesessen in einem Neudorfer Imbiss. Es folgten dutzende Interviewtermine mit alten Spielern, Gegenspielern und dem Vizemeister-Trainer Rudi Gutendorf, die es verstreut in der halben Republik aufzuspüren galt.

15 Monate Arbeit hineingesteckt

Matthias Knorr war für die Kamera und die gesamte Technik, Kristian Lütjens für die Regie und den Schnitt verantwortlich. Wildberg führte die Interviews und kümmerte sich um das redaktionelle Drumherum. Trotz der Aufgabenteilung verschlang das Vorhaben satte 15 Monate – und dazu eine Investitionssumme im untersten fünfstelligen Bereich. Gelder, die von Gönnern günstig als Darlehen zur Verfügung gestellt wurden. „Es gab bei uns zwischendurch eine Müdigkeitsphase, wir hatten aber nie den Gedanken aufzugeben“, so Wildberg. „Auch, weil wir mit dem MSV super zusammengearbeitet haben.“ Der Verein half etwa bei den Verhandlungen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die in Besitz der Rechte an den alten Filmaufnahmen ist, die in der Doku verwendet wurden. So sind Ausschnitte aus dem allerersten Bundesligaspiel des MSV in Karlsruhe (4:1-Sieg) zu sehen – das Premierentor von Werner „Eia“ Krämer inklusive.

Die ausverkaufte DVD ist beim Hersteller nachbestellt. Sie ist laut Wildberg ab 7. Mai im Zebra-Fanshop (MSV-Arena) wieder erhältlich. Wegen der großen Nachfrage hat das Filmforum am Dellplatz drei weitere Vorführungen ins Programm genommen: am 13. Mai (20.30 Uhr), 16. Mai (18.30 Uhr) und 29. Mai (18 Uhr). „Jetzt steht fest, dass wir bei diesem Projekt nichts draufzahlen müssen“, atmet Wildberg auf. Das Wichtigste aber sei, dass der Film dort gelandet sei, wo er hingehöre: in den Händen und Köpfen der Fans des MSV.

Der größte Lohn ist die Anerkennung der Fans

Kristian Lütjens meldet sich von einem längeren Auslandsaufenthalt zu Wort: „Dass die 63er etwas ganz Besonderes sind, wussten wir spätestens nach dem zweiten Interview mit Pille Gecks. Mit welcher Hochachtung er über die Kameraden sprach, hat mir beim Sichten des Filmmaterials eine Gänsehaut verpasst. Wovor ich in den Nächten des Schnitts Angst hatte? Dass wir das alles nicht gut erzählen, nicht würdig darstellen! Und dass es die übliche Fritz-Walter-Folklore werden könnte, die meiner Meinung nach abgenudelt ist und jüngere Zuschauer nicht mehr erreicht. Es ist ein wenig schade, dass ich die Reaktionen hier im Ausland nicht richtig mitbekomme, aber ich bin stolz wie Bolle, dass wir etwas geschaffen haben, was die Fans annehmen. Das ist der größte Lohn für 15 Monate Vollstoff.“

Matthias Knorr erzählt: „Egal, auf wen wir trafen: Alle erzählten, dass der Film in ihrem Bekanntenkreis Thema sei und jeder darüber rede. Als ich beim letzten Heimspiel die Treppen zu meinem Platz hochging, zeigte ein Bekannter auf mich und sagte zu seinem Vater, dass ich einer der drei Filmjungs sei. Der stand daraufhin auf und applaudierte mir zu. Vollkommen irre!“

 
 

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