Duisburger Autor schreibt über Nachwuchssorgen von Männerchören

Stephan Happel
Mehr als 300 Seiten Literatur zum Chorgesang. Paul Wernherr liest aus seinem Buch „Mein lieber Herr Gesangsverein“.
Mehr als 300 Seiten Literatur zum Chorgesang. Paul Wernherr liest aus seinem Buch „Mein lieber Herr Gesangsverein“.
Foto: WAZ FotoPool
Der Duisburger Autor Paul Wernherr hat einen Roman über einen Laienchor geschrieben. In seinem launigen Werk „Mein lieber Herr Gesangsverein“ schildert er Nachwuchssorgen bei Gesangsvereinen und den Umbruch im Sängerwesen in den achtziger Jahren. Vieles ist auch heute noch aktuell.

Duisburg. Um in Stimmung zu kommen, klickte sich Paul Wernherr durch Chor-Mitschnitte auf dem Internetportal YouTube. Minutenlang lauschte er Aufnahmen von Männerchören aus ganz Deutschland, hörte gebannt den teils knarzigen Aufnahmen und der manchmal unsauberen Intonation zu. „Der Reiz des Laienchors ist vielleicht auch gerade, dass es nicht immer perfekt ist“, sagt er.

Die Liebe zum manchmal unperfekten Chorgesang spornte Wernherr zu Höchstleistungen an. Er hat einen 335 Seiten starken Roman darüber verfasst, wie ein Männerchor seine eigene Zukunft sichert, in dem er Frauen mit auf die Bühne holt.

Hinter dem Künstlernamen Paul Wernherr verbirgt sich eigentlich ein 66 Jahre alter Walsumer. Zufällig ist er überhaupt zum Gesang gekommen. Anfang der Achtziger verschlug es den Versicherungsmann aus der Großstadt ein kleines Örtchen nahe Freiburg. „Wenn Du im Dorf Anschluss finden willst, musst Du dich in einem Verein anmelden”, gaben ihm die Einheimischen mit auf den Weg. Wegen der Kontakte trat Wernherr dem Sängerverein bei, er blieb wegen der Atmosphäre. Die Geselligkeit, das Singen, das gemeinsam Bier danach, die Gespräche mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – all das ließ Wernherr nicht mehr los.

Freiburg, Hamburg, Düsseldorf, Ruhrgebiet

16 Jahre lang sang er im Verein, übernahm Vorstandsposten und arbeitete im Sängerbund mit. Dann verließ er das Freiburger Land, sein Arbeitgeber wollte es so. Es verschlug es ihn nach Hamburg, nach Düsseldorf, später ins Ruhrgebiet. Nie wieder stand er als Sänger auf einer großen Bühne. Doch die Erinnerungen ließen ihn nicht los. „Ich überlege permanent wieder mitzumachen”, sagt Wernherr, ihm bliebe nur schlicht keine Zeit.

Statt zu singen hat er deshalb lieber ein Buch geschrieben. „Ich will Werbung machen“, sagt er freimütig: „Ich will meine guten Erfahrungen weitergeben.“

Vieles in Wernherrs Geschichte über den fiktiven Männerchor beruht auf eigenen Erfahrungen in seinen Jahren im Chorvorstand, auf unzähligen Gesprächen. Letztendlich sei die Handlung aber doch frei erfunden, erklärt der Autor. Er will nicht der große Mahner sein, kann kein Patentrezept liefern, wie ein Chor auch im 21. Jahrhundert noch Mitglieder gewinnen kann. Aber es habe sich viel in den letzten Jahren getan: „Die Chöre sind schon deutlich moderner geworden.“

Unterhalten soll sein Buch, einfach Spaß machen. Es ist eine Geschichte von einem Sangesfreund für Sangesfreunde. „Vielleicht erkennt sich ja der ein oder andere in den Figuren wieder, oder erkennt einen Bekannten“, hofft Wernherr.

Ehrenamt in den Vordergrund gehoben

Trotzdem möchte er auch eine Botschaft vermitteln. Chöre sind wichtig, glaubt der Walsumer, weil sie Menschen trotz aller Unterschiede miteinander verbinden und auch Laien zum aktiven Singen ermutigen. Deshalb ist er froh um jeden, der sich einsetzt: „Ich habe versucht, das Ehrenamt in meinem Buch in den Vordergrund zu heben. Ein Mensch im Ehrenamt ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt, sondern für die Sache einsteht”, sagt der Autor.

Herausgegeben hat Wernherr das Buch in einem Selbstverlag. Er hat die Kosten hat für Druck und Co-Lektorat selbst übernommen. Zu groß war die Sorge ewig auf eine Antwort warten zu müssen und dann doch nur eine Absage zu bekommen. Stolz ist der adrette Rentner auf sein Werk. Vielleicht, so überlegt der Autor, könnte er in Zukunft auch eine Lesung gemeinsam mit einem Männerchor abhalten. Gesang trifft Geschriebenes, das würde Paul Wernherr gefallen.