Duisburger auf der Suche nach Abenteuer und Extremen

Daniel Wiberny
Bester Deutscher wurde Martin Jansen bei einem 100-Kilometer-Lauf in mehreren Etappen durch die Namib-Wüste.
Bester Deutscher wurde Martin Jansen bei einem 100-Kilometer-Lauf in mehreren Etappen durch die Namib-Wüste.
Foto: Martin Jansen
Für den Duisburger Martin Jansen kann’s nie weit genug sein. Der 38-Jährige ist zuletzt 100 Meilen nonstop entlang des Berliner Mauerwegs gelaufen.

Duisburg. Er ist Extremläufer und Abenteurer, hat weiteste Strecken in verschiedenen Ländern zurückgelegt und vor einigen Wochen wieder eine besondere Herausforderung angenommen: 100 Meilen, also 161 Kilometer, nonstop auf dem Berliner Mauerweg. Nach 28:07:52 Stunden landet der Neudorfer Martin Jansen auf Platz 150 bei 340 Startern aus zehn Ländern.

Eine beachtliche Leistung, zumal der 38-Jährige mit Temperaturen von über 30 Grad und bei Kilometer 40 das erste Mal mit dem inneren Schweinehund zu kämpfen hat. Erdenkt nur von Versorgungspunkt zu Versorgungspunkt und schafft es am Ende ins Ziel. Doch der Lauf durch viel Natur, der in jedem Jahr einem anderen Maueropfer gewidmet ist, bleibt ihm nicht nur deshalb in Erinnerung.

Die Bilder der Maueropfer

Als er in der Dunkelheit an Gedenkstelen vorbeikommt und im Licht seiner Stirnlampe die Bilder der Toten sieht, bekommt er eine Gänsehaut. „Vor vielen Jahren waren sie hier ebenfalls unterwegs“, denkt er sich, „und wurden erschossen.“ Dieser politische Hintergrund in Verbindung mit der extrem langen Strecke, so erzählt Martin Jansen, habe ihn besonders gereizt.

Die Lust auf solche Abenteuer ist 2006 entstanden, als der IT-Spezialist mit einem Freund den kompletten Jakobsweg in 23 Tagen absolviert. „Meine Mutter hatte eine Hörspiel darüber. Seitdem wollte ich das immer mal machen“, so der Neudorfer zu seinen Beweggründen. „Und religiös bin ich auch ein bisschen.“

Fortan zieht es Martin Jansen in die weite Welt. 2007 besteigt er allein den Moses-Berg auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten, ein Jahr später bewältigt er rund 250 Kilometer auf der nördlichen Kungsleden-Route, einem Fernwanderweg in Schweden – allerdings nicht ohne Zwischenfall. „Ich bin alleine gelaufen und habe die Orientierung verloren“, erzählt der Neudorfer. „Damals war ich noch ohne GPS unterwegs.“

Ein Handy hat er dabei, aber keinen Empfang, und Proviant noch für zwei bis drei Tage. „Panik hatte ich nicht, aber ich musste mich durchs Dickicht kämpfen, bin am Ende den Flüssen gefolgt, dann auch noch ins Wasser gefallen.“ Nach anderthalb Tagen trifft Jansen irgendwann auf einen großen See und auf zwei Schweizer in einem Ruderboot, die ihm helfen, wieder auf den rechten Pfad zu kommen.

Später erzählt er seinen Eltern davon. Die finden seine Touren ebenso wie seine Freunde spannend, lassen sich die folgenden Projekte aber seitdem lieber zweimal hinsichtlich möglicher Gefahren erklären. „Schweden hängt mir immer noch nach“, sagt der 38-Jährige mit einem Schmunzeln.

Nur einmal noch sei ihm danach die Düse gegangen, als in Nepal in 50 Metern Entfernung plötzlich ein Nashorn aus dem Dickicht auftaucht. „Ich bin weggerannt und es ist mir nicht gefolgt. Gott sei Dank, denn wenn ein Nashorn will, ist es definitiv schneller“, so der Neudorfer, „und es war kein Baum in der Nähe...“

Gefühl der inneren Zufriedenheit

Ohne Zwischenfälle geht’s für den Athleten des ASV Duisburg, der zum Training bis zu 150 Kilometer in der Woche läuft, durch Kenia, Tansania, Chile, Peru oder Grönland. Er absolviert 100-Kilometer-Läufe durch die Sahara und die Namib-Wüste und verschiedene Marathons, auch in der Ultra-Variante. Wenn er ganz allein in der Natur sei, so Jansen, und sich unweigerlich dieses Gefühl der inneren Zufriedenheit einstelle, genieße er seine Touren am allermeisten.

Weitere werden folgen, das ist sicher. Nach dem Berlin-Erlebnis hat er einen Traum: „100 Meilen in den Alpen.“