Duisburger Atila Ülger gründet Arbeitskreis "Muslime in der SPD"

Atila Ülger vor dem Stadttheater in Duisburg.
Atila Ülger vor dem Stadttheater in Duisburg.
Foto: WAZ FotoPool
Der Duisburger Lokalpolitiker Atila Ülger ist Mitbegründer des Arbeitskreises "Muslime in der SPD" auf Bundesebene. Mit seiner Biografie bringt er Lebensgeschichte und -gefühl einer ganzen Generation von muslimischen Deutschen nach Berlin.

Duisburg. Zechenfaible und Koran, Moschee und Grundgesetz – für Atila Ülger, 31 Jahre, Enkel türkischer Zuwanderer und SPD-Mitglied, ist das kein Widerspruch, sondern neudeutsches Lebensgefühl. Wie der Nachwuchspolitiker aus Hochfeld die Dinge sieht, so sehen sie mittlerweile viele gut ausgebildete, weltoffene und -erfahrende Muslime in Deutschland. Für sie hat Atila Ülger nun in Berlin den „Arbeitskreis von Muslimen in der SPD“ (AKMS) mitbegründet. Ziel ist es, ihre etwas andere Perspektive in die Politik einzubringen – als Bereicherung für beide Seiten.

„Wir sind deutsche Muslime“, sagt Atila Ülger, „wir sind hier geboren und haben mit Integrationsproblemen nichts zu tun.“ Trotzdem kommen Muslime bei politischen Debatten vor allem nur in einer Rolle vor: als lernfaule Zuwanderer. „Es ist höchste Zeit, dass man Muslime von dieser Integrationsschiene löst und den Blick auf uns neu definiert“, so der 31-Jährige. Nicht nur, weil es besser der komplexen Realität entsprechen würde. „Wir haben einfach ganz andere Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen an die Politik“, erklärt er. Diese zu vertreten, ist Aufgabe des neuen Arbeitskreises.

"Meine Freunde waren Arbeiterkinder"

„Alle reden zum Beispiel über Bio-Produkte und Öko-Siegel“, so Ülger. „Eine derart gesicherte Zertifizierung könnte man auch auf dem großen Markt von koscheren oder Halal-Produkten einführen.“ Verbraucherthemen, Fragen rund um den Arbeitsmarkt, die Diskriminierung muslimischer Bewerber beim Jobeinstieg, gleiche Bezahlung von Männern und Frauen – für den Arbeitskreis gibt es Themen genug. Ihre Anliegen wollen muslimische Sozialdemokraten auf Bundesebene einbringen, manche Diskussion um ihren kosmopolitischen Horizont bereichern.

Damit bringt Atila Ülger auch Duisburger Lebensgeschichte in den Regierungskosmos. „Mein Vater kam mit 14 Jahren nach Deutschland, arbeitete unter Tage“, erzählt er. „Auf der Grundschule Fenbruchstraße waren alle meine Freunde Arbeiterkinder – das hat uns mehr verbunden als uns Herkunft getrennt hätte.“ Ülgar nimmt mit 13 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft an, macht 1995 auf der Gesamtschule Abitur, 1999 wird er SPD-Mitglied.

Lob für die Heimat

Heute engagiert er sich in der Bezirksvertretung Mitte, im Jugendhilfeausschuss und als stellvertretender Vorsitzender im Ortsverein Hochfeld-Nord. Noch studiert er neben seinem Job als Sachbearbeiter bei einer Bank – als Erster in seiner Kernfamilie. Seine Großeltern waren Bauern und Zuwanderer, bildungsfern. „In der dritten Generation tickt man anders“, weiß er.

Genosse Atila – in der Anrede dürfte für viele schon der Widerspruch stecken. Muslime und Sozialdemokratie: Das ist nicht die Kombination, die Weltnachrichten schreibt. „Kritische Fragen begegnen mit oft“, schmunzelt er. Ansonsten gibt es nur Lob für seine Heimat. „Duisburg hat eine Stadtgesellschaft, die sich immer wieder gegen Benachteiligung und Starrköpfe stellt“, findet er.

 
 

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