Duisburger Arbeitsagentur ist vorbereitet

Willi Mohrs
Erfolgreiche Qualifikation ist aus Sicht der Arbeitsagentur neben guten Deutschkenntnissen enorm wichtig für berufliche Integration.
Erfolgreiche Qualifikation ist aus Sicht der Arbeitsagentur neben guten Deutschkenntnissen enorm wichtig für berufliche Integration.
Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services
Seit Jahresbeginn ist ein „Integration Point“ eingerichtet worden. Aus den derzeit fünf Stellen können bis zu 30 werden. Deutschlernen und berufliche Qualifikation stehen im Mittelpunkt.

Duisburg. „Wir rechnen mit höheren Arbeitslosenzahlen durch Flüchtlinge für eine gewisse Zeit“, lautete gestern der Ausblick von Ulrich Käser, Chef der Agentur für Arbeit in Duisburg, auf 2016. Der Integration der Neuankömmlingen werde ein Hauptthema seines Hauses sein, ebenso die Minderung der Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit.

Zum Anstieg der Ausländer-Arbeitslosigkeit erklärte Käser: „Während die steigenden Zahlen in den vergangenen Monaten überwiegend in der Zuwanderung aus Südosteuropa begründet waren, erkennen wir jetzt verstärkt anerkannte Asylbewerber unter den Neukunden.“

"Integration Point“ als Anlaufstelle für Flüchtlinge

Zu Jahresbeginn wurde bei der Arbeitsagentur an der Wintgens-straße in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und der Ausländerbehörde ein „Integration Point“ als Anlaufstelle für Menschen geschaffen, die auf ihrer Flucht vor Krieg, Unterdrückung und Not nach Duisburg gekommen sind. Fünf Mitarbeiter, die alle Englisch sprechen, sind dort derzeit tätig, darunter auch ein gebürtiger Syrer. Die Stelle könne bei Bedarf bis auf 30 Mitarbeiter ausgebaut werden, erläuterte Käser. Zuständig sei sie unter anderem für die Vermittlung von Arbeitstellen sowie für die Leistungsberatung und -bewilligung.

Möglichst frühzeitig, so Käser, müssten für anerkannte Flüchtlinge Sprachförderung und Integrationskurse angeboten werden. Entscheidend für eine erfolgreiche Integration werden letztendlich die berufliche Qualifikation der ankommenden Menschen sein. Schon jetzt gingen Mitarbeiter der Agentur für Arbeit in Flüchtlingsunterkünfte, und bei den anlaufenden Integrationskursen gehe es auch um die Feststellung von Ausbildungsabschlüssen und deren Prüfung sowie um erste Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung.

Zur Zeit gibt es laut Käser über 3000 Plätze für Sprachförderung in Duisburg. Die Arbeitsverwaltung sei zudem mit zusätzlichen Mitteln, auch für dauerhafte Stellen, ausgestattet worden, wodurch keine anderen Kunden Nachteile befürchten müssten: Das nimmt nichts aus bestehenden Haushalten.“ 650 Plätze in Qualifizierungsmaßnahmen sollen mittelfristig für Jugendliche und Erwachsene angeboten werden.

Problem Langzeitarbeitslosigkeit

Für die Wiedereingliederung der hohen Zahl von Langzeitarbeitslosen kündigte Käser gestern eine neue Initiative an. „Die verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit ist das Problem des deutschen Arbeitsmarktes“, sagte der Agentur-Chef.

Dass die Zahl der arbeitslos gemeldeten Älteren derzeit steigt erklärt Käser mit der Demografie. Die Gruppe der „Babyboomer“ aus den geburtenstarken Wirtschaftswunder-Jahren komme nun in das entsprechende Alter.

„Der Mindestlohn hat Stellen gekostet, aber nicht so viele, wie viele Experten vermutet haben“, beschreibt Käser die Situation nach einem Jahr Mindestlohn. Man werde die Auswirkungen aber auch 2016 weiter verfolgen.