Duisburger Arbeitgeber tun sich noch schwer mit Inklusion

Britta Prasse
Zoltan Leskovar zeigt Dogukan das Fotostudio in der Medienagentur „Ruhrgepixel“.
Zoltan Leskovar zeigt Dogukan das Fotostudio in der Medienagentur „Ruhrgepixel“.
Foto: FUNKE Foto Services
Dogukan geht in die 8. Klasse, suchte immer wieder ein Praktikum. Viele Betriebe scheuten sich, offen mit seiner Behinderung umzugehen. Bis er zu „Ruhrgepixel“ kam.

Duisburg. Die Mausanzeige flitzt über den Bildschirm. Konzentriert tippt er die Namen der Ruhrgebietsstädte ein für ein neues Postkartendesign. Mit dem Bildlayout ist er noch nicht zufrieden. Immer wieder verändert er die Ausschnitte, lässt seiner digitalen Kreativität freien Lauf. „Kann ich nicht alles markieren und größer ziehen?“, fragt Dogukan. Mediengestalterin Marissa Schön freut sich über sein Engagement: „Nee, das geht in der Werkzeugleiste leider nicht. Da hast du schon das erste Manko entdeckt.“ Und das gleich am ersten Praktikumstag.

Betriebe haben Berührungsängste

Dogukan Öztürk geht in die 8. Klasse der Gesamtschule Mitte. Der 14-Jährige trifft sich gerne mit Freunden, spielt am PC oder auch mal am Schlagzeug. Ein normaler Teenager. Nur: Die Suche nach einem Praktikum war für Dogukan immer wieder enttäuschend. „Viele Betriebe können damit nicht umgehen. Sie haben Berührungsängste“, erzählt Arno Höffels-Dehnen, Dogukans Inklusionshelfer. „Damit“ meint Dogukans Behinderung; bedingt durch einen Gendeffekt sind seine Arme verkürzt.

Für die Medienagentur „Ruhrgepixel“ stellt das aber kein Ausschlusskriterium dar, ganz im Gegenteil: „Für uns ist das selbstverständlich, dass Dogukan hier arbeiten kann – und auch eine Herzensangelegenheit“, gibt Marissa Schön zu. Die Grafikerin hat selbst einen 21-jährigen Bruder, der im Rollstuhl sitzt. „Und der hat auch schon ein Praktikum hier gemacht.“ Dogukan ist aber der erste Inklusionsschüler, der sich kreativ in der jungen Start-up-Agentur austoben kann; mit Sicherheit aber nicht der letzte.

Im Stundenplan der Gesamtschüler sind über das Jahr verteilt mehrere Tagespraktika vorgesehen, auch schon in der 7. Klasse. Damals hatte Dogukan einen Tag lang in einem Friseursalon gearbeitet; nicht, weil er es sich ausdrücklich gewünscht hatte, sondern weil dieser Betrieb der einzige war, der ihm ein Tagespraktikum ermöglichte. „Das hat mir aber keinen Spaß gemacht. Ich habe nur Haare auf dem Boden zusammengefegt“, erzählt der 14-Jährige. Weil er aber nirgendwo anders einen Praktikumsplatz gefunden hatte, machte er noch zwei weitere Praktika in diesem Salon. „Für mich ist es unvorstellbar, dass sich Arbeitgeber anscheinend so schwer tun beim Umgang mit behinderten Menschen. Uns war es nicht bewusst, dass es ein so großes Problem ist“, meint „Ruhrgepixel“-Geschäftsführer Nils Verhoeven. Dogukan müsse ja nicht auf Dächer klettern oder handwerklich arbeiten, stimmt ihm Fotograf Zoltan Leskovar zu. Trotzdem: „Oft sieht man bei Arbeitgebern förmlich den Schrecken in den Augen“, erzählt Inklusionshelfer Höffels-Dehnen.

Dreiwöchiges Praktikum

Im nächsten Schuljahr steht ein dreiwöchiges Praktikum an. Dogukan würde dann gerne bei „Ruhrgepixel“ intensiver einsteigen. Auch wenn ihm Agentursmops „Brutus“ noch nicht ganz geheuer ist.