Duisburger Amerikanerin warnt vor Trump-Sieg bei US-Wahl

Kristina Mader
Die Amerikanerin Stacey Blatt verfolgt den US-Wahlkampf intensiv und  hofft, dass Hillary Clinton gewinnt.
Die Amerikanerin Stacey Blatt verfolgt den US-Wahlkampf intensiv und hofft, dass Hillary Clinton gewinnt.
Foto: Stephan Eickershoff
Die Duisburgerin Stacey Blatt lebt seit 22 Jahren in Deutschland und verfolgt die US-Präsidentenwahl. Sie hofft, dass Clinton die Wahl gewinnt.

Duisburg. Die häufigste Frage, die Stacey Blatt derzeit gestellt bekommt, lautet: „Was ist da los bei euch?“ Gemeint ist der US-Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump, der täglich immer neue Aufreger und Skandale liefert. Als freiberufliche Englisch-Dozentin an der Volkshochschule gab sie bereits einen Kurs für Interessierte zum 200 Jahre alten Wahlsystem in den USA. Ihr eigenes Kreuz auf dem Stimmzettel hat die Amerikanerin bereits per Briefwahl gemacht.

Stacey Blatt stammt aus Los Angeles, lebt seit 22 Jahren mit ihrer Familie in Deutschland und ist begeisterte Duisburgerin. Sie liebt den MSV genauso wie die Basketballer der L.A. Lakers aus Kalifornien. Daher verfolgt sie den Wahlkampf in ihrer Heimat ganz genau. Sich selbst bezeichnet die Künstlerin als „Politik-Junkie“: „Ich lese jeden Tag in der New York Times, was es Neues zum Wahlkampf gibt“, sagt die 58-Jährige. Dementsprechend aufgeregt ist sie so kurz vor dem 8. November, dem Tag der Entscheidung. „Im Moment sieht es zwar gut aus für Hillary, aber man weiß nie, ob die Umfragen stimmen und wie es am Ende wirklich ausgeht.“ An einen Sieg des Republikaners Donald Trump möchte sie gar nicht denken. „Davor sollten wir alle Angst haben.“ Schließlich habe er in den vergangenen Monaten eindeutig seine Unfähigkeit bewiesen, „dass er nichts über das Grundgesetz weiß“. Wie ein solcher Kandidat es bis kurz vors höchste Amt im Land schaffen konnte, dafür hat Stacey Blatt eine Erklärung: „Er ist ein Populist, der die Ängste der Menschen vor dem sozialen Abstieg nutzt, um sich zu profilieren.“ Viele Amerikaner seien bewegt von Trump, weil dieser ihnen Versprechungen von einem besseren Leben macht, ihnen Stärke suggeriert. Sie haben Angst vor Jobverlust oder dem Niedergang der Wirtschaft. „Trump pusht diese Ängste.“

"jeder Kandidat hat Angst davor, was der Gegner über ihn veröffentlichen könnte"

Die Duissernerin brennt dagegen für die Ideen des Sozialisten Bernie Sanders, der u.a. einen flächendeckenden Mindestlohn, Beschäftigungsprogramme und kostenlose Hochschulbildung forderte. „Es ist schade, dass er es nicht geschafft hat“, findet Stacey Blatt. Nun unterstützt sie Hillary Clinton, „die einige Punkte aus Sanders Wahlprogramm übernommen hat“. Den Amerikanern sei es generell wichtig, Leute mit Charakter zu wählen, „sie wollen einen Kandidaten zum Identifizieren“. Der Bewerber werde vom Volk auf seine Tauglichkeit getestet, „ist er presidential“, also cool, souverän, staatsmännisch genug? Das erklärt die stark persönliche Ebene, auf der der Wahlkampf in den USA verläuft. Eine Homestory mit „First Man“ Joachim Sauer? – in Deutschland undenkbar. „In Amerika gehört es dazu.“ Sie selbst achte hingegen mehr auf Inhalte: „Ob ich Clinton als Person mag oder nicht, spielt dabei keine große Rolle.“ Dass die mediale Ausschlachtung so kurz vor der Wahl immer weiter auf die Spitze getrieben wird, habe bereits Tradition. „Das nennen wir ‘October Surprise’ – jeder Kandidat hat Angst davor, was der Gegner über ihn veröffentlichen könnte.“

Viele Gespräche führt Stacey Blatt derzeit mit Deutschen, beantwortet Fragen zum komplizierten Wahlsystem der USA und diskutiert, vor allem über Trump, der von den meisten als Bedrohung wahrgenommen wird. „Schlimmer war es nur während der Bush-Jahre.“

Für die Duisburgerin bedeutet Demokratie mehr, als nur von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Man muss sich selbst engagieren und ist mitverantwortlich für die Regierung“, findet sie. Egal wie es ausgeht, den Tag der Wahl will Stacey Blatt mit Freunden ihres Quiz-Teams im „Ostende“ in Neudorf verbringen, „meinem Lieblingsort“.