Duisburger Akzente 2012 - Konzentriertes Glück über zweieinhalb Stunden

Duisburger Akzente 2012 am Montag, den 6. März 2012: Im MercatorQuartier / Festivalzentrum in der Aula: Konzert und Lesung von Thorsten "Nagel" Nagelschmidt und Moritz Krämer mit Francesco Wilking als "Die höchste Eisenbahn" Im Bild: Moritz Krämer
Duisburger Akzente 2012 am Montag, den 6. März 2012: Im MercatorQuartier / Festivalzentrum in der Aula: Konzert und Lesung von Thorsten "Nagel" Nagelschmidt und Moritz Krämer mit Francesco Wilking als "Die höchste Eisenbahn" Im Bild: Moritz Krämer
Foto: Jule Körber
Die 34. Duisburger Akzente füllen die Aula der ehemaligen Berufsschule mit purem Glück - verursacht von den drei Berliner Jungs Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt, der aus seinem neusten Roman „Was kostet die Welt“ liest, sowie Moritz Krämer und Francesco Wilking, die gemeinsam „Die höchste Eisenbahn“ sind. Ihre Songs und Texte erzählen vom Suchen und Scheitern.

Duisburg. Es duftet nach Räucherstäbchen. Die Fenster der ehemaligen Berufsschul-Aula sind mit bunten Mosaiken aus durchscheinendem Papier zugeklebt, an den Wänden klettert ein Performance-Künstler mit bemalter Haut entlang, ein anderer Schauspieler dreht, ganz in weiß, einen überdimensionalen Zirkel in Zeitlupe.

Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt setzt sich ans Lesepult, rückt verlegen seinen Stuhl zurecht, er trägt ein ordentliches Sakko mit schwarzem Hemd und sieht mit dem akkuraten Haarschnitt aus wie ein Schwiegermutterliebling aus der Provinz - doch zieht er das Sakko aus und krempelt die Hemdsärmel auf, sieht das Publikum bunt tätowierte Arme, die von seiner Punk-Vergangenheit zeugen, als er noch Teil der Band „Muff Potter“ war.

Die Berliner Jungs machen glücklich

Ins Mercatorquartier, zur vierten Aula-Veranstaltung, ist er mit seinem neuen Roman „Was kostet die Welt“ gekommen. Das Buch erzählt mit spröden, feinsinnigen Humor die Geschichte des Berliner Taugenichts Meise, der Geld von seinem Vater erbt und damit an die Mosel reist. Dort erlebt der neben dem Leben stehende Meise einen provinziellen Kulturschock. Nagel selbst war selbst auch an der Mosel und amüsiert sein Duisburger Publikum mit Fotos, die den Weintrinker-Stolz der süddeutschen Provinz beweisen.

Nagels Hauptfigur Meise ist ein Zaungast des Lebens. Auch die Figuren aus den (Song)texten von Moritz Krämer und Francesco Wilking stehen neben sich und sind von der Gegenwart überfordert. Die beiden jungen Berliner treten gemeinsam als „die höchste Eisenbahn“ auf. Der zerbrechlich wirkende Moritz Krämer sitzt so schüchtern am Klavier auf der Bühne der Aula wie ein Schüler vor der Musikabschlussprüfung, der sich mit Absicht schlunzig angezogen hat. Fast suchend streifen seine Finger die Tasten, mit seiner leicht heiseren Stimme holt er das Publikum von den ordentlich aufgereihten Stühlen ganz nah zu sich. Und auch unter dem Gewicht seiner Gitarre scheint er fast zusammenzubrechen, wenn er vom Suchen und Scheitern singt. Francesco Wilking steht da schon stabiler, nicht nur beim Singen seiner Songs, sondern auch, wenn er die bitterbösen Kurzgeschichten „Heulen eins bis zehn“ liest. Vielleicht passen die Beiden deswegen so perfekt gemeinsam auf die Schulbühne.

Und während die Performer noch wie nebenbei durch die Aula turnen, ist auf den Stühlen niemanden zum Heulen zumute. Denn: Die Berliner Jungs machen glücklich, und das hoch dosiert.

 
 

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