Duisburg will Behinderten-Fahrdienst einschränken

Ursel Beier
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Duisburg. Ein Fahrdienst der Stadt Duisburg für Rollstuhlfahrer soll drastisch eingeschränkt werden. Aus Kostengründen. Für die Betroffenen ein harter Schlag, sie fürchten um ihre Lebensqualität – und protestieren.

Silke Sucow (42) leidet unter Multipler Sklerose, Elke ­Bläser (65) hat zwei Schlaganfälle hinter sich. Eine nicht rechtzeitig behandelte Thrombose zwang Henny Thiele (39) in den Rollstuhl. Seit elf Jahren ist sie vom Kopf an völlig gelähmt, steuert ihren riesigen „Rolli“ mit dem Kinn. Eine Beinamputation aufgrund einer Zuckererkrankung traf Isolde Heuser (70) schwer, auch sie kann sich ohne Rollstuhl nicht mehr fortbewegen.

Mit der Diskussion um das Haushalt-Sicherungskonzept der Stadt Duisburg traf die gehbehinderten Frauen aus dem Jochen Klepper Haus des Christophoruswerkes ein harter Schlag. „Unsere Behindertenfahrten sollten drastisch gekürzt werden“, empören sich die Betroffenen.

Eine schockierende Aussicht. „Wir konnten durch die Fahrten Dinge tun, die sehr wertvoll waren für unsere Lebensqualität, betont die ganze Runde, der noch mehr Bewohner des Hauses angehören, die auf den Rollstuhl angewiesen sind und ohne den Fahrdienst auf viele Unternehmungen verzichten müssten.

Besuch vom Sohn zu Weihnachten

„So konnte mein spastisch gelähmter Sohn Thorsten mich zu Weihnachten zu Hause besuchen“, erzählt Ellen Decker. „Alle 14 Tage sind wir zusammen zum Einkaufen in die Stadt gebracht und wieder abgeholt worden.“

Andere nutzten das Angebot, um den Zoo zu besuchen oder das einmalige Still-Leben als Veranstaltung der Kulturhauptstadt auf der gesperrten A 40. „Vorgesehen ist, die Mittel von 2000 auf 500 Euro pro Person zusammenzustreichen“, berichtet Hennys Mutter ­Ingrid Thiele. Sie informierte den Bewohnerbeirat und gemeinsam organisierte man eine Protestbewegung.

362 Unterschriften überreichten die Betroffenen am 25. Oktober dem NRW-Innenminister Ralf Jäger bei einem Besuch in Duisburg. Die örtliche SPD reagierte. Für die Beratung der Kürzung im nächsten Sozialausschuss ist ein Fraktionen übergreifender Antrag in Vorbereitung.