Duisburg

Duisburg: Warum die Babyklappe mit jedem Kind zwei Leben rettet

Dr. Peter Seiffert hat die Babyklappe in Duisburg initiiert. Seitdem ist klar, dass sie auch das Leben der Mütter rettet.
Dr. Peter Seiffert hat die Babyklappe in Duisburg initiiert. Seitdem ist klar, dass sie auch das Leben der Mütter rettet.
Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg. Die Babyklappe in Duisburg bietet Müttern die Möglichkeit an, ihre Säuglinge anonym abzugeben, ohne endgültig von ihnen getrennt zu werden.

Bei der Abgabe erhalten die Mütter zwei Minuten Bedenkzeit, in denen sie ihr Kind wieder aus der Klappe herausholen können, falls sie sich doch für die Mutterschaft entscheiden. Sollten die zwei Minuten abgelaufen sein, erhalten sie ein individuelles Passwort, mit dem sie den Kontakt auch nach Jahren wiederherstellen können.

Duisburg: Kinderarzt erklärt, warum Mütter ihre Babys abgeben

Drei von 19 Müttern haben diese Option genutzt und leben mit ihren Kindern wieder zusammen. Von ihnen erfährt der Duisburger Kinderarzt Dr. Peter Seiffert, warum sie ihre Babys abgegeben haben.

Dr. Peter Seiffert ist Chefarzt der Kinderklinik im Helios Klinikum Duisburg. Er initiierte 1999 die Babyklappe und stellt seitdem fest, dass die Klappe nicht nur die Leben der Kinder, sondern auch die der Mütter retten.

„Die drei Mütter, die ihre Babys in die Babyklappe gelegt haben, geben an, die Schwangerschaft nicht wahrgenommen zu haben – oder nicht haben wahrhaben wollen“, erzählt Peter Seiffert.

Schwangere können sich in der Regel über mehrere Monate auf ihre Mutterschaft vorbereiten. Die drei Mütter jedoch hätten diese Zeit nicht gehabt. Stattdessen seien sie überrascht gewesen, als ihre Kinder auf die Welt kamen – und waren damit einem enormen psychischen und physischen Stress ausgesetzt. „

Auf einmal liegt ein Kind im vollgebluteten Bett und die Frau muss dann in sieben Minuten entscheiden, ob sie Mutter werden will“, sagt der Kinderarzt.

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Babyklappe rettet auch Frauenleben

„Ausgesetzte Säuglinge sterben, wenn sie nicht rechtzeitig gefunden werden“, sagt Peter Seiffert. Wenn Mütter in Notsituationen ihre Babys sogar in Müllcontainern ablegen, müssen sie mit ihrem Gewissen kämpfen: „Sie müssen in der Ungewissheit leben, ob das Kind gefunden worden oder gestorben ist.“

Die Alternative, das Kind in die Babyklappe zu legen, rette nicht nur das Leben des Säuglings. „Wir kämpfen nicht nur um das Leben der Kinder, sondern auch um das der Mütter“, schildert der Leitende Kinderarzt des Helios Klinikums Duisburg.

Sobald eine Frau ihr Kind in die Babyklappe lege, übernehme das Arzt- und Pflegerteam die Verantwortung für die Gesundheit des Kindes. Damit sei sowohl das Leben des Säuglings gerettet als auch das Gewissen der Mutter entlastet.

Da der plötzliche Lebenseinschnitt Frauen psychisch und physisch überforden kann, biete das Team der Babyklappe diverse Hilfen für Frauen an, die sich doch für die Mutterschaft entscheiden: „Wir bieten psychologische, psychiatrische und finanzielle Hilfen“, sagt Seiffert.

 
 

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