Duisburg

Hättest du es gewusst? Diese Geschichten und Geheimnisse birgt der Duisburger Hafen

Der Südhafen mit der riesigen Trockenumschlagshalle von Haeger&Schmidt.
Der Südhafen mit der riesigen Trockenumschlagshalle von Haeger&Schmidt.
Foto: Marcel Storch/DER WESTEN
  • Duisburger Hafen voller Geschichten und Geheimnisse
  • Größter Binnenhafen Europas, sogar der Welt
  • DER WESTEN auf Spurensuche im Duisburger Hafen

Duisburg. Es ist eine eigene Welt, für viele verborgen, für viele lebenswichtig, voller Geheimnisse, Geschichten und Rekorde: der Hafen Duisburg.

Wo die Ruhr in den Rhein fließt, ist in den letzten 300 Jahren ein riesiger Umschlagplatz entstanden. DER WESTEN hat sich auf eine Reise in die Welt des Hafens begeben.

Zweimal im Jahr gibt es Touren in den Hafen, die von Duisburg Kontor organisiert werden. Erich Schauder ist seit Jahren dabei. Als Guide nimmt er uns an diesem Samstag mit durch den Hafen. Er arbeitete einst als Bauingenieur bei Duisport und kennt den Hafen dadurch aus dem Effeff.

Duisburg Hafen: Diese Geheimnisse verstecken sich hinter dem größten Binnenhafen Europas

Duisburg hat den größten Binnenhafen der Welt - zumindest, wenn man das Gelände von Duisport und die Privathäfen zusammenrechnet. Der Duisport alleine, der zu zwei Drittel dem Land NRW und zu einem Drittel der Stadt Duisburg gehört, trägt immerhin noch den Titel des größten Binnenhafen Europas.

127,5 Millionen Tonnen betrug der Gesamtgüterumschlag im vergangenen Jahr - private Werkshäfen inklusive. 65 Millionen Tonnen werden auf dem 1.550 Hektar großen Gelände der Duisport-Gruppe umgesetzt.

Hinter diesen Zahlen stecken auch dramatische Storys: afrikanische Flüchtlinge, die in den 90er Jahren in einem Container entdeckt und gerettet wurden. Eine russische Schiffsbesatzung, gestrandet und im Duisburger Hafen festsitzend, weil ihre Reederei Pleite gegangen war. Oder aber „Moby Dick“, der Beluga-Wal, der sich 1966 in den Rhein verirrt hatte.

Innenhafen Duisburg: Von Kornkammer zum Musterbeispiel für Strukturwandel

Doch los geht die Hafentour im Innenhafen. Er war so etwas wie die Kornkammer des Ruhrgebiets vor dem Zweiten Weltkrieg. Über ein Jahrhundert war er der zentrale Hafen in Duisburg. Mittlerweile sind die Speichergebäude längst in anderer Funktion genutzt. Lange lag der Hafen brach, mittlerweile dient er als gelungenes Beispiel für den Strukturwandel - vereint Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit am Wasser.

Vorbei fährt der Bus an der Küppersmühle. Als die Sprache auf den Bau der spektakulären Aussichtsplattform fällt, fährt es aus meinem Sitznachbarn: „Millionengrab“ heraus. Das ganze wiederholt er auch bei der Vorbeifahrt am Holzhafen nochmal fleißig. Gemeint ist das Bauprojekt „The Curve“, dass wegen ausufernder Kosten seit Jahren in der Kritik steht. Hier liest du mehr dazu >>

Das lässt sich über die Schwanentorbrücke nicht sagen. Sie ist zwar seit den 1980ern nicht mehr im Gebrauch, konnte in ihren Glanzzeiten aber bis zu sieben Meter hochgehoben werden, sodass Schiffe den Innenhafen passieren konnten.

Duisburger Hafen als Muster für Trimodalität

Dann geht es endlich rein ins Hafengelände. Hier herrscht normalerweise hektische Betriebsamkeit von Montag bis Freitag. An diesem Samstag ist es dagegen ruhig. Nur hier und da wird gewerkelt im Südhafen.

Was den Duisburger Hafen so besonders macht, ist seine „Trimodalität“. Ein Wort, das Guide Schauder häufiger an diesem Tag verwendet. Dahinter steckt die Vernetzung von Schiff, Bahn und Straße. Bestes Beispiel: die riesige Trockenumschlagshalle im Südhafen. Wegen seiner Lage ist der größte Hinterland-Hafen für die Seehäfen Rotterdam, Antwerpen und Zeebrügge von großer Bedeutung.

Duisburg Endpunkt der Seidenstraße

Bei der Fahrt durch den Hafen fallen immer wieder Container mit chinesischen Schriftzeichen auf. Kein Wunder, schließlich ist Duisburg der Start- und Endpunkt der „Neuen Seidenstraße“, die aus dem Land der Mitte bis in den Ruhrpott reicht. Wöchentlich verkehren heute rund 35 bis 40 Züge zwischen dem Duisport und einem Dutzend Destinationen in China. Rund 30 Prozent des Handels per Güterzug zwischen China und Europa wird über den Duisburger Hafen abgewickelt. Tendenz steigend.

Erst in der letzten Woche wurde von Duisport-Chef Erich Staake und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst eine neue Kooperation mit der chinesischen Logistikplattform YuXinOu unterzeichnet.

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So arbeitet der Zoll im Duisburger Hafen

Arbeitgeber und Anziehungspunkt für Start-Ups

Rund 47.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze hat der Duisburger Hafen geschaffen. Die Duisburger Hafen AG beschäftigt selbst über 1.500 Mitarbeiter.

Doch der Hafen ist auch Anziehungspunkt für junge Unternehmen. So hat sich beispielsweise im Duisburger Freihafen das ehemalige, derzeit bundesweit operierende Start-Up-Unternehmen „Flaschenpost“ angesiedelt.

Als eine Rauchsäule über der Schrottinsel hing

Vorbei an der Ölinsel geht es zur Schrottinsel. Per Lkw und Eisenbahn kommt der Schrott. Auf „Europas größten Schrottplatz“ werden sie gewogen, geschreddert, gepresst und dann an Stahlwerke geliefert.

Bei vielen Duisburgern noch in Erinnerung dürfte ein Brand auf der Schrottinsel im Jahr 2010 sein. 28 Stunden kämpfte damals die Feuerwehr gegen die Flammen, eine große Rauchsäule hing über der Stadt.

Hafen wächst anderweitig

Während die Flächen am Wasser längst vergeben sind, wächst der Duisburger Hafen anderweitig. 1998 übernahm Duisport das stillgelegte Krupp-Stahlwerk in Rheinhausen und machte daraus auf 371 Fußballfeldern ein Logistikzentrum. Fünf weitere Logports sind seitdem gefolgt. Guide Erich Schauder hat hautnah mitgewirkt bei der Entstehung. „Mitgestalten zu dürfen, war ein tolles Gefühl“, sagt er heute.

Der Hafen, 1716 gegründet, ist nicht nur das geheime Herz des Reviers. Er ist auch Zukunftsmotor.

 
 

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