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Duisburg: Mehr als ein Jahr Wartezeit beim Amt – Student wütend: „Ein Versagen der Stadt“

Bejan Yakin aus Duisburg kritisiert die Duisburger Einbürgerungsbehörde: „Strukturelle und institutionelle Diskriminierung!“
Bejan Yakin aus Duisburg kritisiert die Duisburger Einbürgerungsbehörde: „Strukturelle und institutionelle Diskriminierung!“
Foto: Viktor Burgi

Duisburg. Bejan Yakin ist wütend. Der junge Student aus Duisburg soll geschlagene 13 Monate auf einen Termin beim Amt in Duisburg warten.

Yakin (20) ist 2013 mit seiner Familie aus Afghanistan nach Hessen gekommen. Vor einem Jahr ist er zum Studieren nach Duisburg gezogen. Schon in Hessen hatte sich Yakin ehrenamtlich eingesetzt. Auch in seiner neuen Heimat ist er als Mitglied der SPD politisch aktiv und kümmert sich als Mitorganisator um „Friday for Future“-Demos in Düsseldorf.

Duisburg: Junger Mann muss über ein Jahr auf Termin beim Amt warten

Da Bejan Yakin sogenannte „besondere Integrationsleistungen“ vollbracht hat, stünde ihm nach sechs Jahren bereits ein deutscher Pass zu. Normalerweise gibt es den erst nach acht Jahren in Deutschland.

Yakin würde den gerne beantragen. Das Problem: Die Stadt verwehrt ihm diese Möglichkeit. Denn als Yakin Ende Oktober einen Termin zur Erstberatung im Einbürgerungsamt der Stadt Duisburg macht, staunt er nicht schlecht. Der nächste freie Termin, der ihm am Telefon angeboten wird, ist am 9. November 2020 (!).

„Nach einer Überprüfung wird dann ein weiterer Termin zur Abgabe des Antrags erfolgen, bevor ich dann wieder etwa sechs Monate auf eine Antwort warten muss“, rechnet der Student der Sozialwissenschaften vor. „Kurz zusammengefasst: Meine Einbürgerung wird eineinhalb bis zwei Jahre dauern, sodass ich diesen mir gesetzlich zustehenden Bonus nicht wirklich in Anspruch nehmen kann.“

Student spricht von „struktureller und institutioneller Diskriminierung“

Yakin sieht darin „strukturellen und institutionelle Diskriminierung“ seitens der Stadt. „Ich habe mich hier nicht eingebracht und engagiert, um schneller die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Ich habe es aus Überzeugung gemacht und weil ich es für selbstverständlich halte, sich in einem Land einzubringen, in dem man sich auch zu Hause fühlen möchte“, betont der 20-Jährige.

„Aber so ehrt die Stadt Duisburg Ehrenamt und zivilgesellschaftliches Engagement.“ Was ihn besonders wurmt: als SPD-Mitglied würde er gerne im kommenden Frühjahr bei den Kommunalwahlen wählen. Doch ohne deutschen Pass ist das nicht möglich. Er hat sich mit seinem Anliegen bereits an Oberbürgermeister Sören Link, ausgerechnet ebenfalls von der SPD, gewandt.

„Eher schlechter als besser geworden“

Was Yakin noch mehr ärgert: das Thema ist in Duisburg kein Neues. Bereits 2013 war das Problem in Duisburg bekannt. „Seither ist es eher schlechter als besser geworden“, sagt Yakin. „Die Stadt hat offensichtlich nichts dagegen gemacht.“

Nicht nur bei der Einbürgerungsstelle hat Yakin schlechte Erfahrungen gemacht. „Bei der Ausländerbehörde hat man nicht die Möglichkeit, einen Termin telefonisch oder online per Mail zu vereinbaren, während das an den Bürger-Service-Stationen, die hauptsächlich für Angelegenheiten der deutschen Mitbürger zuständig sind, reibungslos möglich ist. Bei der Ausländerbehörde muss man teilweise stundenlang warten, um einen Termin vereinbaren zu können, der dann in zwei Monaten ist“, sagt der gebürtige Afghane. „Die Umstände in dieser Behörde sind katastrophal. Aus meiner Sicht ist diese Problematik ein Versagen der Stadtverwaltung Duisburg.“

Das sagt die Stadt Duisburg

DER WESTEN hat die Stadt Duisburg mit den Vorwürfen konfrontiert. Stadtsprecher Peter Hilbrands bestätigte, dass die Wartezeit für ein Beratungsgespräch derzeit bei einem Jahr liege. „Diese langen Wartezeiten resultieren aus einer hohen Anzahl von Einbürgerungsanträgen verbunden mit personellen Schwierigkeiten durch Krankenausfälle und vakante Stellen in der Einbürgerungsstelle“, erklärte er auf Nachfrage.

„Die aktuelle Situation ist vor allem mit Blick auf die Betroffenen sehr unbefriedigend. Eine Verbesserung kann allerdings erst eintreten, wenn sich die personelle Situation entspannt hat. Hieran arbeiten wir zu Zeit mit Hochdruck.“

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Aufgrund des Personalmangels in der Ausländerbehörde müssten wichtigere Anliegen, wie die Erteilung von Aufenthaltsrechten oder Zuzugsgenehmigungen, derzeit im Vergleich zu den Einbürgerungsanträgen priorisiert behandelt werden. „Der angesprochene Vorteil einer früheren Einbürgerung bleibt dem Antragsteller erhalten, da normale Einbürgerungswillige mit acht Jahren Wartezeit nach Erfüllung derselben die gleiche zeitliche Abfolge erfahren“, erklärt Stadtsprecher Hilbrands.

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Vorwurf der Diskriminierung zurückgewiesen

Die Zahlen der Einbürgerungen sind laut Stadt in Duisburg in den letzten Jahren konstant. 2018 waren es 1.082, 2017 1.052 Menschen, die einen deutschen Pass erhielten. 2019 haben 1.062 Menschen in Duisburg die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen.

Den Vorwurf der Diskriminierung weißt der Stadtsprecher deutlich zurück: „Wie in vielen anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung werden alle Menschen gleich behandelt, ohne Ansehen der Person, des Geschlechts oder der Herkunft. Es gehört zum Leitbild der Stadt Duisburg darauf zu achten, dass Äußerungen und Handlungen, die sich in herabsetzender oder benachteiligender Absicht gegen Menschen mit Migrationshintergrund richten, unterbleiben.“

Bejan Yakin will weiterkämpfen. „Die Stadt weist meine Kritik zurück mit der Begründung, dass ich innerhalb dieser Behörde nicht benachteiligt werde. Allerdings ändert sich damit nichts daran, dass ich weiterhin im Vergleich zu deutschen Mitbürgern mit deutlich schlechteren Bedingungen und längeren Wartezeiten zu tun habe - ein klares Zeichen der Benachteiligung“, hält er entgegen.

 
 

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