Duisburg

„Null Toleranz!“ – So will die Justiz ab sofort gegen kriminelle Clans in Duisburg vorgehen

Den kriminellen Strukturen im Duisburger Norden soll Einhalt geboten werden – mit dem Projekt „Staatsanwalt vor Ort“. (Archivbild)
Den kriminellen Strukturen im Duisburger Norden soll Einhalt geboten werden – mit dem Projekt „Staatsanwalt vor Ort“. (Archivbild)
Foto: Fabian Strauch / FUNKE Fotoservices

Duisburg. Null Toleranz. Das ist das Stichwort an diesem Freitag im Amtsgericht Hamborn.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) ist gekommen, um der Presse zusammen mit Vertretern der Staatsanwaltschaft, der Stadt Duisburg und des Zolls das Pilotprojekt vorzustellen, das den „deutschen Rechtsstaat“ ab sofort gegen kriminelle Familienclans im Duisburger Norden durchsetzen soll.

Staatsanwalt vor Ort“ nennt sich das Ganze. Und ist genau das: Zwei Staatsanwälte haben ihr neues Büro am 15. Juni im Norden der Stadt bezogen, um von nun aus dort zu arbeiten. Ohne Zeit- oder Erfolgsdruck, wie Biesenbach betont. Die beiden „erfahrenen“ Kräfte seien ausschließlich dazu da, die Clans im Auge zu behalten.

------------------------------------

• Mehr Themen aus Duisburg:

Das Traumzeit-Festival steht vor der Tür: Diese Acts erwarten dich im Landschaftspark Duisburg-Nord

„Wenn Erdogan so weitermacht, wird er irgendwann umgebracht“: So krass äußern sich Deutschtürken in Duisburg vor der Wahl in der Türkei

• Top-News des Tages:

Dortmunderin datet Münchner – als sie gesteht, BVB-Fan zu sein, sagt er DAS zu ihr

Schlägerei auf Klassenfahrt im Sauerland: Gymnasiasten aus Essen prügeln sich – Rettungshubschrauber im Einsatz

-------------------------------------

Im Duisburger Norden leben etwa 70 Großfamilien mit rund 2800 Personen. Sie sind türkischer, kurdischer oder arabischer Herkunft. Bei den arabischen handelt es sich zum großen Teil um libanesische Großfamilien.

Projekt „Staatsanwalt vor Ort“ im Duisburger Norden gegen 70 Clans aktiv

„Nicht alle von ihnen sind kriminell“, betont Biesenbach. Aber es gebe schon auffällig viele, vor allem männliche, Clanmitglieder, bei denen sich Delikte häufen würden wie gefährliche Körperverletzung, Raub, Schutzgelderpressung oder Drogenhandel.

Bei etwa 800 laufenden Verfahren würden immer wieder die gleichen Nachnamen auftauchen. Zudem häufen sich die großen Ansammlungen von Personen auf der Straße, ob bei Auseinandersetzungen zwischen Familien oder bei Polizeieinsätzen.

>> Lies hier: Polizei verhindert Straßenschlacht in Duisburg-Hamborn – Kioskbesitzerin verrät: „Es wird jeden Tag schlimmer“

Wer und wo die Staatsanwälte sind, bleibt zunächst geheim

Dem sollen die Staatsanwälte vor Ort jetzt etwas entgegensetzen. Wo ihr Büro ist, wird nicht verraten.

Auch nicht, welchen Hintergrund die Staatsanwälte haben. „Ihre Gesichter sollen so lange wie möglich nicht bekannt werden“, sagt Justizminister Biesenbach. Das helfe ihrer Arbeit in den betroffenen Stadtteilen.

„Geborenen Gegnern nicht in die Hände spielen“

Deshalb sagen auch weder Peter Biesenbach noch der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Bien, wie genau die Staatsanwälte vor Ort arbeiten. „Sehen Sie uns nach, wenn wir nicht zu viele Informationen preisgeben, die unseren geborenen Gegnern in die Hände spielen“, bitte Biesenbach die anwesenden Journalisten im Amtsgericht.

Menschen zur Vernehmung bewegen

Nur so viel verrät der Justizminister: „Es geht darum, Personen aus der direkten Wohnumgebung dazu zu bewegen, sich vernehmen zu lassen. Aus ähnlichen Projekten in Köln und Berlin-Neukölln haben wir gelernt: Es ist erstaunlich, was Menschen alles zu erzählen bereit sind, wenn sie wissen, dass ihre Namen benannt werden. Unsere Staatsanwälte können die Klappe halten, aber alles, was ihnen erzählt wird, verwenden sie auch im Kampf gegen Kriminalität.“

Staatsanwälte, Polizei, Zoll und Stadt arbeiten zusammen

Die Staatsanwälte arbeiten natürlich nicht allein. Sie verknüpfen ihre Informationen mit denen der Arbeitsverwaltung, des Zolls, der Finanzverwaltung und der Polizei. Die Hoffnung: Es ergibt sich nach einer Weile ein immer besser zu durchschauendes Gesamtbild, das irgendwann Zugriffe und Strafverfahren ermöglicht.

Vorbild: Italien im Kampf gegen die Mafia

Vorbilder sind übrigens ähnliche Projekte in Italien, die sich dort gegen die Mafia richten. In Deutschland war Berlin-Neukölln Vorreiter.

Ähnliches Projekt auch in Essen?

Wenn sich das Pilotprojekt im Duisburger Norden bewährt – und davon geht Justizminister Peter Biesenbach aus – könne er sich vorstellen, schon in drei Monaten ein ähnliches Projekt in Essen an den Start zu bringen.

 
 

EURE FAVORITEN

So schützt du deinen Hund vor der Sommerhitze

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.
Di, 03.07.2018, 18.50 Uhr

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.

Beschreibung anzeigen