Duisburg

Sexting: Es gibt zwei Typen von Tätern – einer geht besonders perfide vor

Viele junge Mädchen werden Opfer von Sexting-Tätern im Netz.
Viele junge Mädchen werden Opfer von Sexting-Tätern im Netz.
Foto: imago/ Hubert Jelinek (Symbolfoto)
  • Duisburg bietet Schulungen gegen sexuellen Missbrauch im Netz an
  • Kursleiterin Julia von Weiler beschreibt, was „Sexting“ für Kinder bedeuten kann
  • Julia von Weiler erklärt, wie die Sexting-Täter vorgehen

Duisburg. Sexting“ und Gewalt in Duisburg? Lehrer und später auch Schüler zweier Gymnasien in Duisburg sollen im Oktober gegen sexuellen Missbrauch im Netz geschult werden.

„Nach dem großen Skandal 2010 haben Bischöfe sich entschlossen Schulungen an bischöflichen Schulen durchzuführen, um dem vorzubeugen“, sagt Julia von Weiler im Gespräch mit DER WESTEN.

Sie leitet die Schulungen, ist Diplom-Psychologin und Geschäftsführerin des Berliner Vereins: „innocence in Danger“.

Sexting: „Ich will deine Brüste sehen“

Doch was genau schreiben die Täter den Schülern beim Sexting und wie können sie sich wehren?

„Die Täter fragen die Jugendlichen ganz gezielt nach Fotos und Videos von ihrem nackten Körper. Sie fragen dann: Hast du schon Schamhaare? Ich will deine Brüste sehen, kannst du dir das einführen?“, fasst von Weiler zusammen.

Die Täter würden in ihren Nachrichten auch immer wieder Fotos von ihrem erigierten Penis schicken und dann erwarten, dass Mädchen im Gegenzug mit Fotos von ihrer Vagina und Ganzkörper-Nacktfotos antworten.

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Schulungsleiterin: „Oft ist es schon zu spät“

„Wenn die Schüler zu den Lehrern kommen, ist es oft schon zu spät. Dann sind sie häufig bereits von den Tätern manipuliert worden, haben ihnen Nacktfotos geschickt und sich nach Aufforderung Gegenstände vaginal eingeführt, das dann gefilmt und verschickt. Hierbei sprechen wir schon von schwerem sexuellem Missbrauch“, so von Weiler.

Mit einem fremden Mann von Duisburg nach München

Bei Lehrern müsse oft erst einmal um Sensibilität und Verständnis für das Thema „Sexting“ geworben werden. „Wenn ein Kind der Lehrerin erzählt, dass es mit einem fremden Mann von Duisburg nach München fahren will und sich dabei etwas unwohl fühlt, muss sie schon hellhörig werden“, so von Weiler.

Aus Scham würden Schüler ihren Lehrern nämlich nicht im Detail erzählen, was sie schon alles für ihren Peiniger auf Videos und Fotos getan und festgehalten haben.

Zwei Typen von Tätern

Von Weiler sagt, es gibt zwei Typen von Tätern: „Der eine baut nach und nach eine intime freundschaftliche Beziehung im Internet in den Nachrichten mit der Pubertierenden auf.“

Schlau, geschickt und manipulierend gehe er vor, mache dem Schüler zunächst Komplimente und verwende viel Zeit auf ihn. So bekäme der Schüler Aufmerksamkeit. „Das ist natürlich in diesem Alter toll für den Schüler,“ sagt von Weiler. Erst dann frage der Täter nach Fotos und verleite den Jugendlichen zu sexuellen Handlungen, die er eigentlich nicht will.

„Das Kind ist dann aber schon verliebt in den Täter und kann sich nicht vorstellen, dass der ihm etwas Schlechtes will“, so von Weiler.

„Hallo, zieh dich doch mal aus“

„Typ 2 erwartet sofort sexuelle Handlungen und Fotos“, erklärt von Weiler. Er gehe weniger subtil vor, erwarte aber das Gleiche. „Dieser Tätertyp kommt viel schneller zur Sache“, erklärt von Weiler.

„Er schreibt auch schnell: 'Hallo, zieh dich doch mal aus' und: 'Sei doch nicht so prüde'.“ Hier helfe nur noch als Kind mutig genug zu sein und sich schnell zu fragen: Mit wem kann ich darüber sprechen?“ so von Weiler.

Dieser Artikel erschien zuerst am 11. April 2018 auf DER WESTEN

 
 

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