Duisburg

Duisburg scheucht 174 Menschen aus Schrottimmobilie – Nachbarn gehen auf die Barrikaden: „Das ist menschenverachtend!“

In der Rudolfstraße in Duisburg-Marxloh mussten am Mittwoch 174 Menschen ohne Vorwarnungen ihre Wohnungen räumen und ausziehen. Sylvia Brennemann hat wegen dieser Aktion Wut im Bauch.

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Duisburg. Stell dir vor, es klingelt morgens um 8 Uhr an deiner Tür und vier Stunden später bist du obdachlos. So geschah es am Mittwoch in Duisburg – schon wieder! Innerhalb weniger Stunden mussten die 174 Menschen, darunter alte und kranke Menschen sowie kleine Kinder, die nötigsten Sachen packen und ihre Wohnungen vielleicht für immer verlassen.

Ordnungsamt und Polizei haben auf der Rudolfstraße in Duisburg-Marxloh einen ganzen Straßenzug für unbewohnbar erklärt und eine „sofortige Nutzungsuntersagung“ ausgesprochen. Das heißt: Alle raus, hier wohnt ab jetzt keiner mehr!

Duisburg: Stadt lässt ganzen Straßenzug zwangsräumen

Als Gründe führt die Stadt Duisburg aus: „Aufgrund von eklatanten brandschutztechnischen Mängel nach der Bau-Ordnung NRW sowie akuter Brandgefahr in Folge massiver Manipulation an Stromzählern und unsachgemäßer Verkabelungen in den Häusern – und der damit einhegenden konkreten Gefährdung für Leib und Leben – musste eine sofortige Nutzungsuntersagung für alle vorgenannten Gebäude ausgesprochen werden.“

Wie Betroffene im Gespräch mit DER WESTEN berichten, wurde niemand vorab über die Maßnahme informiert. Der Schock saß tief, Menschen weinten und wehrten sich – ohne Erfolg.

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Nicht die erste Maßnahme dieser Art in Duisburg: Seit mehreren Jahren greift die „Task Force Schrottimmobilien“ durch und lässt Gebäude räumen (>> hier mehr dazu).

Für die Mieter, die fast alle aus Bulgarien und Rumänien stammen, wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Die sah nach Schilderungen jedoch so erbärmlich aus, dass von 55 angemeldeten Personen am Ende nur eine Familie dort einzog.

Keine Decken, keine Lebensmittel, nichts zu trinken – Schilderungen der Betroffenen zufolge war in den ersten Stunden nicht einmal ein Schlüssel für die Sporthalle aufzutreiben.

Bürger-Initiative „Marxloher Nachbarn“ protestiert wütend über Zwangsmaßnahme

Wütend protestierten Marxloher Nachbarn gegen die Zwangsmaßnahme. Sie hatten das gleiche bereits vor einigen Jahren in der Nebenstraße, der Gillhausenstraße erlebt. Bis heute wurde gegen die Mängel nichts unternommen – die damaligen Mieter mussten sich von jetzt auf gleich ein neues Zuhause suchen.

Deshalb gründeten sie die „Bürgerinitiative Marxloher Nachbarn“ und machte den Ordnungskräften bei ihrer Räumung das Leben schwer. „Sämtliche an der Maßnahme beteiligten Personen wurden mehrfach angeschrien und beleidigt“, beschreibt Stadtsprecher Falko Firlus auf Anfrage von DER WESTEN die Situation. Nur unter Androhung von Platzverweisen konnte der Einsatz durchgeführt werden.

Die Initiative organisierte am Donnerstag kurzerhand sogar eine Demonstration gegen die Maßnahme – rund 50 Menschen versammelten sich im Regen vor dem Rathaus Duisburg und taten ihren Unmut kund.

Anwohnerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Stadt Duisburg

Die Initiative „Marxloher Nachbarn“ will Brandschutz als Argument für die Zwangsräumung nicht gelten lassen.

„Vor eineinhalb Jahren haben wir überall Brandmelder installiert, Fluchtwege freigeräumt und so weiter. Anwohner haben ihre Wohnungen auf eigene Kosten saniert und alles getan, um in den Wohnungen bleiben zu können“, sagt die Marxloherin Sylvia Brennemann im Interview mit DER WESTEN.

+++ Unglaublich, wie viel Geld ein Essener für seine Schrott-Immobilie haben will +++

Sie selbst habe mit der Initiative einen unabhängigen Sachverständigen beauftragt, ein Gebäude-Gutachten zu erstellen. Das Ergebnis: Es gebe keinen Grund, die Wohnungen akut zu räumen.

Deshalb vermutet Brennemann hinter der der Brandschutz-Argumentation einen Vorwand. „Duisburg möchte diese Menschen aus der Stadt haben“, lautet der schwere Vorwurf der Marxloherin. „Das ist menschenverachtend!“

 
 

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