Duisburg

Totes Baby „Mia“ aus Duisburg: Waren gefundene Babyleichen Zwillinge? Ermittler hoffen auf DNA-Untersuchung

Die Spürhunde der Polizei sind auf Leichengeruch spezialisiert und suchen Altkleider-Container im gesamten Stadtgebiet nach Spuren ab. Die Polizei hat eine Tatverdächtige im Fall „Mia“ festgenommen.
Die Spürhunde der Polizei sind auf Leichengeruch spezialisiert und suchen Altkleider-Container im gesamten Stadtgebiet nach Spuren ab. Die Polizei hat eine Tatverdächtige im Fall „Mia“ festgenommen.
Foto: Madeline Jäger

Duisburg. Erste Hinweise haben die Ermittler am Freitag auf die Spur einer möglichen Tatverdächtigen aus dem Stadtteil Duisburg-Rumeln gebracht.

In der Nacht zum Samstag (1. Dezember) durchsuchten die Kripobeamten schließlich die Wohnung der 35-Jährigen. Sie fanden umfangreiches Beweismaterial, wie blutige Bettlaken und darüber hinaus eine weitere Babyleiche. Das kleine Mädchen war in Laken und Plastiktüten versteckt. Die Ermittler gehen aktuell davon aus, dass es Mias Zwillingsschwester ist. Eine DNA-Analyse soll Aufschluss geben.

Die Frau gestand die Geburt dieses Kindes, bestritt aber laut Polizei etwas mit dem toten Kind aus dem Altkleidercontainer zu tun zu haben.

Montag, 3. Dezember: Staatsanwaltschaft prüft Verwandtschaft der gefundenen Babyleichen

Nach dem erschütternden Fund von zwei Babyleichen geht die die Staatsanwaltschaft dem Verdacht einer Verwandschaft nach. Sie hofft, dass das für die Untersuchung nötige Gewebematerial noch in der laufenden Woche aus Polen eintrifft.

Die Polizei hatte kurz nach der Bekanntmachung des Falls vergangene Woche einen Hinweis auf eine Deutsche aus Duisburg bekommen. Bei einer Durchsuchung der Wohnung der 35-Jährigen wurde am Wochenende ein weiteres totes Baby, ebenfalls ein Mädchen, entdeckt.

Die Frau gab an, das Kind zur Welt gebracht zu haben, äußerte sich aber nicht zu dessen Tötung. Sie bestritt zudem, etwas mit dem toten Baby aus dem Altkleidercontainer zu tun zu haben. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Totschlags.

Die Tatverdächtige hat nach Angaben von Staatsanwalt Alexander Bayer drei Kinder: Eine Tochter (16) lebe bei ihr. Zwei jüngere Kinder seien in der Obhut des Jugendamtes. Die Frau habe einen festen Partner. Ob dieser ebenfalls in der Wohnung lebe, sei noch unklar. Gegen ihn werde nicht ermittelt. „Die Gesamtsituation muss aufgeklärt werden“, sagte Bayer. Unter anderem soll ermittelt werden, wer von der Schwangerschaft wusste.

Stadt hatte Verdacht auf Schwangerschaft der Frau

Auch die Stadt Duisburg hat sich offiziell zu dem Fall geäußert. Seit September habe der Verdacht bestanden, dass die 35-Jährige schwanger ist. Sie habe es aber immer vehement bestritten, gegenüber Jugendamt wie Familie.

Da es sich nur um einen Verdacht handelte und die Frau sich gegenüber ihren bisherigen Kindern nie schädigend verhalten habe, seien dem Jugendamt die Hände gebunden gewesen. Nun sei man schockiert und sehr traurig.

„Wenn ein Kind stirbt, bringt uns das immer an die Grenzen des Aushaltbaren. Kommt ein Kind unter so tragischen Umständen ums Leben, wie es in diesem Fall passiert ist, werden diese überschritten.

Ich bitte die Öffentlichkeit trotzdem darum, nicht außer Acht zu lassen, dass die Mutter sich in einer extremen, ihr ausweglos erscheinenden Ausnahmesituation befunden haben muss.

Ich werde diesen Fall selbstverständlich zum Anlass nehmen, unsere Abläufe und Mechanismen bezüglich des Kinderschutzes – auch mit fachlicher externer Unterstützung - noch einmal zu schärfen“, so Jugend- und Familiendezernent Thomas Krützberg.

Sonntag, 2. Dezember: Frau durch Jugendamt betreut

„Auch wenn uns Einzelheiten bislang nicht bekannt sind, sind wir zutiefst erschüttert über die Nachrichten, die uns bislang hierzu erreicht haben“, gab eine Stadtsprecherin am Sonntag bekannt.

Weiter heißt es in der Mitteilung der Stadt Duisburg: „Die betroffene Frau wurde durch das städtische Jugendamt betreut. Jugend- und Familiendezernent Thomas Krützberg hat umgehend mit der Aufarbeitung des Falles begonnen.“

Am Abend veröffentlicht die Stadt keine weiteren Informationen. „Wenn gesicherte Erkenntnisse vorliegen, werden wir selbstverständlich die Öffentlichkeit informieren", heißt es abschließend.

Samstag, 1. Dezember: Baby „Mia“: Mutter gesteht die Tat

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ der zuständige Richter am Samstagnachmittag Haftbefehl wegen Totschlags. Die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit den polnischen Behörden dauern an.

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• Mehr zum Fall des toten Baby „Mia“:

„Mia“ wurde lebend geboren: Hier vermutet die Polizei die Mutter des toten Neugeborenen aus Duisburg

Duisburger Baby „Mia“ in Altkleider-Container geworfen: Erst in Polen wird es gefunden – Große Suchaktion in Duisburg

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Tote „Mia“ aus Duisburg in Polen gefunden

Bei der Sortierung von Altkleidern im polnischen Kielce wurde das leblose Baby vergangene Woche gefunden. Der Altkleider-Transporter kam aus Duisburg.

Die Beamten gaben dem Kind den Namen „Mia“.

+++ Nach Fund von Babyleiche „Mia“ in Polen: Polizei Duisburg erhält erste Hinweise +++

Um die Mutter des toten Kindes, das lebendig geboren wurde, ausfindig zu machen, startete die Duisburger Polizei eine große Suchaktion - mehrere Spürhunde waren im Einsatz. Insgesamt durchsuchte die Polizei rund 400 Container im Stadtgebiet.

„So ein Hund kann schon recht schnell sein, ungefähr eine Minute brauche ein ausgebildeter Spürhund für einen Container“, so eine Sprecherin der Polizei. Der Fall sei besonders erschreckend. Selbst in 15 Jahren Dienst-Erfahrung hätte sie so etwas noch nicht erlebt. (bs/dso/mb/lin)

 
 

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