Duisburg

Marodierende Rechte töten Mann in Duisburg-Walsum: Der Tag, als Egon Effertz Opfer einer Menschenjagd wurde

Ein Mahnmal erinnert an den ermordeten Egon Effertz.
Ein Mahnmal erinnert an den ermordeten Egon Effertz.

Duisburg. Egon Effertz ist einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Der Frührentner (58) sucht am Abend des 17. März vor 20 Jahren im Franz-Lenze-Park in Duisburg-Walsum nach Altmetall, das sich verkaufen lässt. Ein kleiner Nebenverdienst.

Duisburg-Walsum: Der Tag, als Egon Effertz Opfer einer rechten Menschenjagd wurde

Der Abiturient Stefan E. (damals 21), die Arbeitslosen Oliver P. (21), Gordon B. (16) und ihre Freundin Nicole (17) aus Walsum ziehen an diesem Tag mit beispielloser Brutalität durch Duisburg-Walsum. Egon Effertz wird ein Zufallsopfer ihrer regelrechten Menschenjagd.

Bevor die marodierenden Jugendlichen auf den Frührentner treffen, haben sie schon einen Mann angegriffen, ihn geschlagen, getreten und mit einer Bierflasche angegangen.

Wie so oft schlendert Egon Effertz an diesem Abend durch den Park. "Noch ehe Effertz überhaupt mitbekam, wie ihm geschah, sprang Stephan E. ihn von hinten an. Oliver P. nahm ihn in den Schwitzkasten", berichtet die "Frankfurter Rundschau" vom späteren Prozess. „Das Opfer schrie um Hilfe, Fensterläden wurden geöffnet, und dennoch half niemand“, wird der Richter am Duisburger Landgericht dort sagen.

Menschenjagd aus purer Lust

Die Jugendlichen ziehen aber zunächst weiter, lassen den röchelnden Egon Effertz halb tot am Boden liegen. Die Skinheads versuchen, einen Fahrradfahrer anzugreifen, der gerade noch flüchten kann. Einen Jugendlichen, der mit seiner Freundin auf den Bus wartet, schlagen sie ohne Vorankündigung krankenhausreif.

Dann kehren die vier Gewalttäter zurück zum Rondell in den Park, wo sie wieder auf den bewusstlosen Egon Effertz treffen. Hier folgt der traurige Höhepunkt einer „Menschenjagd aus purer Lust“, wie die Verurteilten später vor Gericht preisgeben.

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Sie treten den am Boden liegenden, wohl bewusstlosen Effertz, schließlich schnappt sich der Haupttäter Oliver P. ein Seil und stranguliert den Rentner. Am nächsten Morgen wird Egon Effertz auf einer nahegelegenen Wiese tot gefunden.

Oliver P. wird im September 1999 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er war bereits zuvor wegen rechtsextremer Umtriebe aus der Bundeswehr entlassen worden. Seine Mittäter, der 20-jährige Stefan E. und der 17-jährige Gordon B., erhalten Jugendstrafen von zehn und acht Jahren.

Der Jüngste wird zehn Jahre später wegen eines Angriffs auf einen Schwarzafrikaner erneut vor Gericht stehen. "Bei Adolf hättest du hier auch nicht sitzen dürfen", soll man zu ihm gesagt haben, bevor man ihm eine Bierflasche über den Kopf schlug, berichtete die "Westdeutsche Zeitung" 2009.

Großes mediales Echo und zähe Ermittlungen

Der einstige Duisburger Mordermittler Heinz Sprenger war vor 20 Jahren zwar nicht an den Ermittlungen der Mordkommission „Effertz“ unter der Leitung von Paul Budde beteiligt, dennoch ist der Fall noch heute präsent bei ihm: „Es gab damals ein großes mediales Echo. Ich erinnere mich, dass die Ermittlungen sehr zäh waren.“

Doch es gab auch Kritik an Polizei und Gericht. Der Vorwurf: eine Entpolitisierung. Der bekannte Duisburger Rechtsextremismusforscher Martin Dietzsch erinnert sich: "Das Opfer war ein Deutscher. Die Täter hielten ihn für einen Obdachlosen. Er passte damit in ihr Schema vom lebensunwerten Leben. Somit hatte die Tat durchaus einen ideologischen Hintergrund, war eindeutig eine politische Tat."

Auch der Prozess habe gezeigt, dass die Täter in der rechten Szene verwurzelt waren: "Das Lieblingslied des Haupttäters war ein Hetzlied gegen Juden, darin heißt es 'Wetzt die langen Messer / Auf dem Bürgersteig! / Laßt die Messer flutschen / In den Judenleib!" Davon aufgepeitscht, sind sie auf die Straßen gegangen. Aber er wurde damals als unpolitisch gewertet." Kein Einzelfall, so der Soziologe: "Es gab mehrere Fälle in Duisburg, in denen die Ideologie heruntergespielt wurde, etwa den Fall der 'Legion 47' 2015."

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Experte: "Auffällig ist die Kontinuität der Szene"

Doch wie sieht es mit der rechten Szene in Duisburg 20 Jahre später aus? "Was auffällig ist, ist die Kontinuität der Szene. Die Täter von damals standen der rechten militanten Hooliganszene nahe. Diese Szene gibt es noch immer in Duisburg. Politische MSV-Hools sind dabei von zentraler Rolle. Was sich geändert hat, ist die Abgrenzung der Szene. Wir stellen fest, dass bis in den konservativen Bereich Schranken gefallen sind. Und solche Leute bei Pegida und der AfD akzeptiert sind", so Dietzsch.

Die Polizei spricht von keinen "herausragenden Vorkommnissen in der rechten Szene". Der Staatsschutz habe die Szene aber permanent im Blick, so ein Sprecher der Duisburger Polizei.

Ein großes Gedenken an Egon Effertz wird es dieser Tage nicht geben. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen grausamen Mord und ein Mahnmal: „Leben ohne Gewalt“ heißt es darauf. (ms)

 
 

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